Chelsea Physic Garden, London – Teil 2

Die Gewächshäuser und ihre Restaurierung

Ein erstes Gewächshaus im Chelsea Physic Garden wurde bereits 1680 genutzt. 1723 wurde ein technisch verbessertes Gewächshaus mit einem Kohleofen als Heizung für die Kultivierung von Ananas eingeweiht. Während heute die major tropical fruits Avocado, Mango, Ananas und Papaya (Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations) in allen Supermärkten angeboten werden, nahm insbesondere die Ananas im 17. und 18. Jahrhundert eine Sonderrolle ein. Nicht nur der Transport essbarer Früchte aus den Tropen war schwierig, auch scheiterten die zahlreichen Versuche, Ananaspflanzen in Europa anzubauen und zu züchten. Folglich waren diese sogenannten Pinienäpfel als rare Delikatesse äußerst kostbar und galten bei europäischen Adligen als Statussymbol.

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Cool Fernery

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde vom damaligen leitenden Gärtner Thomas Moore, der mehrere Bücher über Farne publizierte, eine Cool Fernery angelegt. Dieses kühle, feuchte und schattige Gewächshaus beherbergt 117 verschiedene Farn-Arten wie beispielsweise die größeren Baumfarne Dicksonia fibrosa und Dicksonia squarrosa, auf Baumstämmen und Mauern wachsende Epiphyten sowie auf Felsen wachsende Lithophyten, Farne in Hängeampeln und als Wasserpflanzen. Das Farn-Gewächshaus erinnert an die Pteridomania, eine auch als fern fever oder fern craze bezeichnete populäre Sammelleidenschaft von Farnen besonders im England ab etwa 1830.

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Viktorianische Gewächshäuser

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden entlang der Mauer zur Royal Hospital Road mehrere viktorianische Gewächshäuser errichtet. In diesen finden sich unter anderem Bananen-, Kaffee- und Kakao-Pflanzen in einem tropischen Bereich, aber auch verschiedenste Geranien und Sammlungen von den kanarischen Inseln und der Südhalbkugel.

Die Gewächshäuser des 1841 gegründeten Herstellers Foster & Pearson sind typologisch Systembauten mit einer Auswahl an Adaptionen und Varianten. Sie setzen sich zusammen aus einem Backstein-Sockel und einer Haube aus einem hölzernen Skelett mit Glasausfachung und Klapp-Schwingfenstern. Die Haube kann dabei als Sattel- oder als Pultdach geformt sein. Das Skelett wurde traditionell aus burmesischem Teak gefertigt; Beschläge, Konsolen, Bolzen, Rinnen und ähnliche Bauteile aus Bronze oder Gusseisen. Gusseiserne Gitter verdecken das Heizungssystem aus wahlweise Heißwasserrohren oder elektrischen Konvektoren und dienen zugleich als begehbare Durchwegung zwischen Tischen und Beeten. Zu den Kunden der Gewächshäuser gehörten Queen Victoria, die Astors, Rothschilds, der Duke of Devonshire und andere illustre Persönlichkeiten.

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Trotz ihrer sehr hohen handwerklichen Qualität wiesen die Gewächshäuser nach 100 Jahren Nutzung Schäden wie Rost, Fäulnis, Spliss und Bruch auf. Sie bedurften einer grundsätzlichen Instandsetzung mit klimatischer Ertüchtigung. Aufgrund ihrer baugeschichtlichen Bedeutung und ihrer Wertschätzung als atmosphärische Gartenarchitekturen stand jedoch außer Frage, dass die Restaurierung denkmalgerecht und ressourcenschonend durchgeführt werden sollte. Von der originalen Bausubstanz sollte so viel wie möglich erhalten bleiben.

Restaurierung

In einem ersten Schritt wurden die Pflanzen in temporäre Schutzräume gebracht. In den leergezogenen Gewächshäusern wurden anschließend die Skelette freigelegt und das ursprünglich aus Burma, dem heutigen Myanmar, stammende Teakholz Tectona grandis genaustens untersucht. Je nach Diagnose konnte es entweder wieder eingebaut oder mit Edelkastanie Castanea sativa verstärkt oder ersetzt werden. Die in Großbritannien angebaute Kastanie wurde für die Reparaturen an hölzernen Bauteilen ausgewählt, da das aus Monsunwäldern stammende Teak heute aus ökologischen und ethischen Gründen nicht mehr verwendet werden sollte. Ein regional vorhandenes Holz trägt zudem zu einer wesentlich höheren Nachhaltigkeit bei.

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Die Metallteile wurden ebenso wie die Glasscheiben mit einer Fläche von insgesamt 465 Quadratmetern ausgebaut, überprüft und gereinigt. Sie konnten überwiegend wiederverwendet werden. Sämtliche Glasflächen erhielten zusätzliche Sonnenschutz-Elemente. Als weitere nachhaltige Maßnahme wird das Regenwasser von den Dächern in einem Regenwassertank mit einem Fassungsvermögen von 2.800 Liter gesammelt. Im Farnhaus wurde zudem das landschaftliche Konzept überarbeitet und neu modelliert.

Das Beschriftungssystem wurde ebenfalls überarbeitet und ergänzt. Im Sinne eines Storytelling werden nun neben den botanischen Daten auch für Nichtfachleute verständliche Angaben zum Ursprung, der Herkunft und der kulturellen wie ökologischen Bedeutung der Pflanzen gemacht. Seltene und bedrohte Arten sind ebenso wie einzelne berühmte Exemplare gekennzeichnet.

Der Chelsea Physic Garden ist somit wieder voll funktionsfähig als lebendiges Museum und biodiverser Garten für wissenschaftliche wie soziokulturelle Aktivitäten.

Autorin: Prof. Dr.-Ing. Susanne Junker, Berlin

Fachwissen zum Thema

Im Jahre 1673 legte die Worshipful Society of Apothecaries einen Garten für Heilpflanzen in einem Dorf westlich von London an.

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Parks und Gärten

Chelsea Physic Garden, London – Teil 1

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Ursprünglich oftmals im Auftrag von Regenten als Pflanzensammlungen und Lustgärten angelegt, sind die Palmen- und Tropenhäuser nach wie vor eine bauliche Besonderheit. Ausgewählte Beispiele sind die Wilhelma Stuttgart (im Bild: Maurisches Landhaus), der Königliche Glasdom zu Laeken in Brüssel sowie das große Tropenhaus und das Mittelmeergewächshaus im Botanischen Garten in Berlin.

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Wintergärten

Palmen- und Tropenhäuser als grüne Glashäuser

Wilhelma Stuttgart, Königlicher Glasdom zu Laeken in Brüssel, Großes Tropenhaus und Mittelmeergewächshaus im Botanischen Garten Berlin

Zur systematischen wissenschaftlichen Erforschung von exotischen Pflanzen wurden die Kew Gardens in London nicht nur erweitert, sondern ab 1844 um mehrere Conservatories ergänzt (im Bild: Palmenhaus).

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Wintergärten

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im Chelsea Physic Garden mehrere viktorianische Gewächshäuser errichtet.

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Ha-ha

Ha-ha in der Parklandschaft des Herrenhauses Berrington Hall, Herfordshire

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Auch urbane Oasen basieren auf dem Zusammenspiel von Wasser, Verdunstung und Vegetation. Im Bild der Maxplatz in Berlin-Wedding.

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Der Stadtpark wurde Rainforest Walk getauft und beherbergt ausschließlich endemisch subtropische Pflanzen.

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Grundschüler pflanzen in ihrem Unterricht einen Maulbeerbaum.

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Shakkei

Der japanische Begriff Shakkei bedeutet „geliehener Blick“ oder „geborgte Szenerie“ und beschreibt ein Prinzip der Gartengestaltung, das die Umgebung miteinbezieht.

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