Pavillon Arginvecchio in Camaiore
Textiler Kunstraum im Grünen
Wie sich mit einfachen Mitteln große, ja poetische Raumwirkungen erzielen lassen, konnten die Besucher*innen des Arginvecchio Pavilion in der toskanischen Gemeinde Camaiore erleben. Für eine Ausstellung eigener Exponate im Jahr 2023 haben die italienischen Planungsbüros Grazzini Tonazzini und Giorgia Colombo Architetto die temporäre Rauminstallation inmitten der malerischen Landschaft unweit von Lucca errichtet. Hier setzten die Architekturschaffenden ihre zeitgenössischen Entwürfe in den Kontext lokaler Bautraditionen.
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Die Konstruktion des Bauwerks war auf das Wesentlichste reduziert: Den dreiecksförmigen Grundriss der etwa 400 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche umschloss ein in einfacher Holzständerbauweise errichteter Rahmen aus zierlichen Leisten, von dem ein weißes, transluzentes Textil herabhing. Die Vorhänge wehten effektvoll im Wind und lagen in üppigem Faltenwurf auf dem Boden auf. Letzterer war naturbelassen: Besuchende liefen auf der Graßnabe der Weide. Auch eine Bedachung existierte nicht.
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Die Vorhänge bestanden aus transluzenten, dicht gewebten Stoffen, deren Fasern aus der lokalen Landwirtschaft stammten. Die Materialwahl sollte die landwirtschaftliche Geschichte der Region widerspiegeln und stand sinnbildlich für die auf Einfachheit setzende, umweltbewusste Bauweise. An einem der Holzständer war die textile Fassade dreiecksförmig emporgerafft, um Eintritt zu gewähren.
Verschiedene Exponate versammelten sich in dieser vor Blicken von außen geschützten Arena: Im Fokus stand die Ruine einer kleinen und verlassenen Steinhütte. Das Bestandsgebäude wurde durch die räumliche Fassung zum Ausstellungsobjekt erhoben. Ziel war, die Aufmerksamkeit auf die lokale Bautradition zu richten. 12 weitere Exponate waren dem historischen Gemäuer aus Naturstein gegenübergestellt. Es handelte sich dabei um Architekturmodelle sowie Skulpturen der beiden Planungsbüros.
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Die zeitgenössischen Arbeiten waren mit der Absicht arrangiert, in kreativen Dialog mit dem historischen Kontext zu treten. Besuchende waren eingeladen, die Exponate als Mittel zur Reflexion über Bautraditionen und die Zukunft des Bauens zu verwenden. Die Installation sollte die poetische Rolle der Architektur hervorheben und achtsames Wahrnehmen fördern. Indem die ortsfremd wirkenden Architekturen der Umgebung durch die Fassadenvorhänge abgeschirmt waren, fanden sich Besuchende in einem ablenkungsfreien Raum.
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