Nicht belüftetes Dach (III):Dampfbremse

Entgegen häufiger anderslautender Meinungen ist auch bei einer nicht belüfteten Dachkonstruktion ebenso wie bei einem belüfteten Dach eine dauerhaft luftdichte Ebene erforderlich, um den unkontrollierten Eintritt feuchter Raumluft in die Wärmedämmung und die übrige Dachkonstruktion zu verhindern. Eine Dampfbremse kann bei entsprechender Planung und fachgerechter Ausführung diese Funktion übernehmen und zugleich den Feuchtetransport durch Diffusion begrenzen.

Galerie

Feuchteschutz und Nachweise

Für den Feuchteschutz eines nicht belüfteten Dachs müssen die Eigenschaften der einzelnen Bauteilschichten und ihr Zusammenspiel betrachtet werden. Eine wichtige Kenngröße ist dabei der sd-Wert. Er beschreibt den Diffusionswiderstand einer Bauteilschicht gegenüber Wasserdampf.

Die Beurteilung erfolgt nach der DIN 4108-3:2024-03 – Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz – Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung. Zunächst wird geprüft, ob der Dachaufbau die Voraussetzungen für eine nachweisfreie Konstruktion erfüllt. Ist dies nicht der Fall, kann je nach Aufbau ein rechnerischer Nachweis erforderlich sein, beispielsweise mit dem Periodenbilanzverfahren oder einer hygrothermischen Simulation.

Für bestimmte nachweisfreie, nicht belüftete Dachkonstruktionen nennt die DIN unter anderem Randbedingungen für das Verhältnis der Wasserdampfdiffusionswiderstände der Schichten auf der Innen- und Außenseite der Wärmedämmung:

  • äußerer sd-Wert ≤ 0,10 m --> innerer sd-Wert ≥ 1,0 m
  • äußerer sd-Wert > 0,10 m bis ≤ 0,30 m --> innerer sd-Wert ≥ 2,0 m
  • äußerer sd-Wert > 0,30 m bis ≤ 2,0 m --> innerer sd-Wert ≥ 6 × äußerer sd-Wert
Dabei handelt es sich nicht um allgemeine Mindest- oder Höchstwerte für eine Dampfbremse. Entscheidend ist, welche Schichten im konkreten Dachaufbau die maßgebenden diffusionshemmenden Funktionen übernehmen. Zusätzlich können unter anderem die Lage der Luftdichtheitsebene, die Wärmedurchlasswiderstände und weitere Eigenschaften der Dachschichten eine Rolle spielen.

Das Merkblatt „Wärmeschutz bei Dach und Wand“, Ausgabe April 2024, des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) konkretisiert die normativen Vorgaben für die Praxis und beschreibt konkrete nachweisfreie Dachkonstruktionen. Ob ein Dach ohne rechnerischen Nachweis ausgeführt werden kann, hängt daher immer vom vollständigen Aufbau und den jeweiligen Randbedingungen ab.

Materialien und Ausführung der Dampfbremse

Für nicht belüftete Dächer kommen unterschiedliche Materialien für Dampfbremsen und diffusionsbegrenzende Schichten zum Einsatz, beispielsweise Kunststoff- und Bitumenbahnen, Papierbahnen oder Holzwerkstoffplatten wie OSB. Auch feuchtevariable Dampfbremsen können bei geeigneten Konstruktionen eingesetzt werden. Sie verändern ihre Wasserdampfdurchlässigkeit abhängig von den Feuchtebedingungen und können dadurch die Austrocknung der Konstruktion unterstützen.

Welche Ausführung geeignet ist, hängt von der jeweiligen Konstruktion und den Anforderungen an den Feuchte- und Luftdichtheitsschutz ab. Eine als Luftdichtheitsebene vorgesehene Dampfbremse muss insbesondere an Anschlüssen, Überlappungen und Durchdringungen dauerhaft luftdicht ausgeführt werden. Die Anforderungen und Planungshinweise hierfür enthält die DIN 4108-7:2026-04 – Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele.

Energetische Anforderungen

Neben dem Feuchte- und Luftdichtheitsschutz sind bei nicht belüfteten Dächern die energetischen Anforderungen zu berücksichtigen. Diese ergeben sich aus dem jeweils geltenden Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und dem anzuwendenden energetischen Nachweisverfahren. Welche Anforderungen an den Wärmeschutz des Dachaufbaus gestellt werden, hängt unter anderem davon ab, ob es sich um einen Neubau oder um die Änderung eines bestehenden Gebäudes handelt.

Fachwissen zum Thema

Konstruktionen

Belüftetes Dach (III): Dampfsperre

Bei belüfteten Dachkonstruktionen ist auf eine einwandfreie Ausbildung der Dampfsperre zu achten. Die DIN 4108 Wärmeschutz und...

Im Winter: Die Folie bremst die Diffusion von Wasserdampf aus dem warmen Innenraum ins Bauteil.

Im Winter: Die Folie bremst die Diffusion von Wasserdampf aus dem warmen Innenraum ins Bauteil.

Dampfbremse

Feuchteadaptive Dampfbremsen

Bahnen mit variablem Diffusionswiderstand können den Eintritt von Wasserdampf ins Bauteil ebenso bremsen wie sie die Rücktrocknung in den Innenraum ermöglichen. Das reduziert langfristig das Risiko von Feuchteschäden im Bauteil. 

Kontakt Redaktion BauNetz Wissen: wissen@baunetz.de
BauNetz Wissen Geneigtes Dach sponsored by:
Otto Lehmann GmbH, Neutraubling
www.ottolehmann.com




Zum Seitenanfang

Nicht belüftetes Dach (II): Unterdeckbahn/Unterdachneu

Sie ermöglichen die Diffusion nach außen und dienen zudem als Feuchteschutz vor Niederschlag.

Belüftetes Dach (V): Beurteilungneu

Lüftung gegen Feuchtigkeit

Lüftung gegen Feuchtigkeit

Die Hinterlüftung hilft der Konstruktion beim Atmen – doch kann sie durch die Vielzahl der Bauteilübergänge auch Schwachstellen erzeugen.

Nicht belüftetes Dach (V): Beurteilungneu

Für diesen Dachaufbau sprechen viele Vorteile und die zahlreichen vom ZVDH publizierten, nachweisfreien Beispiele. Sie machen die Dachkonstruktion ohne Hinterlüftung zum präferierten Standard.

Kleine Konstruktionsgeschichte

Die Ebene zwischen der Eindeckung und der Unterspannung und die zwischen Unterspannung und der Wärmedämmung ist belüftet

Die Ebene zwischen der Eindeckung und der Unterspannung und die zwischen Unterspannung und der Wärmedämmung ist belüftet

Bis in die 1990er Jahre wurden die Architekturstudenten an den Universitäten von ihren Professoren noch vor die Entscheidung...

Belüftetes Dach (I): Konstruktion

Zwischensparrendämmung mit Unterspannbahn

Zwischensparrendämmung mit Unterspannbahn

Beim zweischalig, belüfteten Dach (früher „Kaltdach“ genannt) ist direkt über der Wärmedämmung und unterhalb der Unterspannbahn...

Belüftetes Dach (II): Unterspannbahn/Unterdach

Sie ermöglichen die Diffusion nach außen und dienen zudem als Feuchteschutz vor Niederschlag.

Belüftetes Dach (III): Dampfsperre

Bei belüfteten Dachkonstruktionen ist auf eine einwandfreie Ausbildung der Dampfsperre zu achten. Die DIN 4108 Wärmeschutz und...

Belüftetes Dach (IV): Wärmedämmung

Zwischensparrendämmung mit Hinterlüftung

Zwischensparrendämmung mit Hinterlüftung

Belüftete Dächer benötigen eine sorgfältig geplante Wärmedämmung, bei der neben dem Wärmeschutz auch der erforderliche freie Lüftungsquerschnitt dauerhaft erhalten bleiben muss.

Nicht belüftetes Dach (I): Konstruktion

Zwischensparrendämmung mit diffusionsoffener Bahnenabdeckung auf Schalung

Zwischensparrendämmung mit diffusionsoffener Bahnenabdeckung auf Schalung

Das Warmdach ist eine nicht belüftete Dachkonstruktion, bei der direkt über der Wärmedämmung keine Belüftungsschicht angeordnet...

Nicht belüftetes Dach (III):Dampfbremse

Spezialfolie die von außen über die Sparren geführt werden kann

Spezialfolie die von außen über die Sparren geführt werden kann

Eine fachgerecht geplante Dampfbremse begrenzt den Feuchteeintrag und kann zugleich die Luftdichtheitsebene eines nicht belüfteten Dachs bilden.

Nicht belüftetes Dach (IV): Wärmedämmung

Um den Wärmeschutz zu gewährleisten und anfallendes Tauwasser zu verhindern, empfiehlt sich eine Dachkonstruktion mit möglichst wenig Wärmebrücken.

Passivhaus: Dachkonstruktion

Dachkonstruktion mit 40 cm Stegträgern und Einblasdämmung

Dachkonstruktion mit 40 cm Stegträgern und Einblasdämmung

Bei der Planung und Ausführung von Passivhäusern ist der Anspruch an den Wärmeschutz erhöht und eine genaue Detailplanung der...

PV SICHER MONTIEREN

mit Aufdachmodulhaltern von Lehmann.
Einfach in der Praxis, sicher auf dem Dach. Passend für über 90 Dachziegelmodelle. Jetzt mehr erfahren. 

Partner-Anzeige