Therme Oberlaa in Wien

Fliesenspiegel aus Steinzeug und Feinsteinzeug

Gallerie

Am Rande des weiten Kur- und Erholungsparks Laaer Berg im Südosten der Stadt Wien wurde die größte Thermenanlage Österreichs mit integriertem Gesundheitszentrum errichtet. Geplant wurde die Therme Wien Oberlaa von den Stuttgarter 4a Architekten, die mit dem Neubau die nicht mehr zeitgemäße alte Therme ersetzten.

Während der Planung der Wellness-Einrichtung ließen sich die Architekten von der Natur inspirieren: Wie ein kleiner Wasserlauf, der mal schmaler und mal breiter wird, sich zwischen Steinen hindurch windet und sie umspült – so folgt auch die neue Therme dem Lauf einer hiesigen Thermalquelle. Dabei verläuft das Gebäude Richtung Süden abwärts, wobei einzelne Abschnitte, die sogenannten Themensteine, eben wie Bachkiesel unterschiedlich hoch aus der Dachlandschaft herausragen. Die weiten Wiesen der Ruhebereiche wiederum bilden einen sanften Übergang zwischen den Becken im Außenbereich und der naheliegenden Parklandschaft.

Im Süden der knapp 75.000 m² großen Anlage befindet sich der Eingang zur Therme, der zu seiner linken Seite von dem integrierten, fünfgeschossigen Gesundheitszentrum und zu seiner rechten vom drei-etagigen Beauty-Center eingefasst wird. Über ein großzügiges Foyer gelangt man in die Badelandschaften mit über 4.000 m² Wasserfläche, 3.000 m² Saunaareal und einem 6.000 m² umfassenden Gesundheitsbereich. Wechselnde Perspektiven und eine Vielzahl von Wasserattraktionen begleiten den Besucher auf seinem Weg durch die sechs unterschiedlichen Bereiche der Therme. Zu den sogenannten Themensteine gehören der Beautystein, die Thermalhalle 1, der Relaxstein, die Thermalhalle 2, der Erlebnisstein sowie ein „Stein“ mit Sauna, Massage und Fitness (siehe Abb. 20).

In jedem Themenstein wird die räumliche Gestaltung durch Licht- und Farbszenarien und abwechslungsreiche Oberflächenbeschaffenheiten betont. Hierfür entwickelten die Architekten ihre eigenen Vier-Jahreszeiten-Farben, die vor allem für die unterschiedlich farbigen Akustikdecken eingesetzt wurden. Diese Decken bestehen aus zementgebundenen Holzwolle-Leichtbauplatten, die eine Größe von 120 auf 60 cm haben. Sie wurden in Format und Farbe modular aufeinander abgestimmt und zu einem Muster zusammengesetzt, welches an ein pixel-ähnliches, verschwommenes Bild erinnert.

Im Foyer und in der Thermalhalle 2 wurden für diese Decken-Mosaike frühlingshafte Farben gewählt. Die Decken der gastronomischen Bereiche wiederum verbreiten sommerliches Flair. In der Thermalhalle 1 sind die Flächen über dem Wasser in warmen Herbsttönen gestaltet. Unter einem Meer aus sattem Grün, bis hin zu kräftigen Orange- und Rottönen können die Besucher hier in die Welt des Wassers abtauchen. Cappuccino-farbene Wände, dunkle Holzfußböden und eine freundliche Lichtstimmung schaffen eine ruhige Atmosphäre innerhalb der Relaxzone. Dieses Farbbild setzt sich bis zum Salzwasserpool und dem Bereich der Entspannung fort. Einzig in der Grotte, die ebenfalls zum Relaxstein gehört, wurden sehr dunkle Farben verwendet, um einen gedämpften Höhlencharakter zu schaffen.

Der Bereich des Erlebnissteins soll das kühle Nass in all seiner Klarheit und Vitalität repräsentieren. Kühle, frische Blau- und Weißtöne suggerieren winterliche Stimmung und sollen an das Nordpolarmeer erinnern. Neben mehreren Wasserrutschen, einem Wildwasserkanal, einem Erlebnisbecken und einem Wasserspielplatz findet man hier auch eine dreiteilige Sprungturmanlage, die mit ihrer rauen Betonoberfläche einer kargen Felslandschaft ähnelt.

Die Decken der Galerien, die die meist zweigeschossigen, breiten Beckenanlagen umfassen und zum Verweilen, Ausruhen und Beobachten einladen, bestehen aus einem einheitlichen Raster aus Holzlamellen und bilden einen ruhigen Gegenpol zum Gesamtbild der kunterbunten Badelandschaft.

Fliesen und Platten
Die Erschließungsflächen zwischen den Themensteinen wurden schlicht gehalten. Fliesen aus Feinsteinzeug in Grau, Weiß und Beige schmücken hier die Decken. Zudem ist dieses Material weitgehend unempfindlich gegen Fleckenbildung und lässt sich entsprechend leicht reinigen. Die Wand- und Bodenflächen sind schlicht in Beton ausgeführt.

Die Beckenkeramik besteht aus weißen Steinzeugfliesen, die sich gut für stark mechanisch beanspruchte Bereiche eignen, und zudem rutschhemmend und trittsicher sind. Neben diversen Treppenfliesen mit Sicherheitsmarkierung sindn auch die Beckenrandsysteme in diesem Material ausgeführt.

Im Saunabereich wird durch die niedrigen Decken das Gefühl von Sicher- und Geborgenheit vermittelt. Im gemischten Abschnitt bestimmen grüne Glasmosaik-Fliesen und getäfelte Eichenwände das Bild. Für den Frauenbereich wurden rosafarbene Glasmosaike, eierschalenfarbener Fußboden und eine helle Ahornverkleidung ausgewählt. Der Ebene für die Männer bildet hierzu mit leuchtend roten Glasmosaiken, dunklem Holz und Fußböden einen starken Kontrast.

Objektinformationen

Architekten: 4a Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Pfeiler, Graz/A (Bauphysik); Plankenauer, Haid bei Ansfelden/A (Technische Gebäudeausrüstung); Ortner, Wien/A (Sanitäreinrichtungen); Siemens Bacon, Wien/A (Heizung und Lüftung); Siemens, Wien/A (Elektroplanung); Philips Licht, Wien/A (Lichtinstallation); Agrob Buchtal, Schwarzenfeld (Fliesen)
Bauherr: Vamed Standortentwicklung und Engineering, Wien/A
Fertigstellung: Mai 2011
Standort: Wien/A
Bildnachweis: 4a Architekten, Stuttgart; Cathrine Stukhard, Wien; Agrob Buchtal, Schwarzenfeld

Objektstandort

Kurbadstraße 14
1100 Wien
Österreich

Architektenprofil

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