Dränsysteme unter Balkon- und Terrassenbelägen

Gründächer können einen Großteil des Regenwassers aufnehmen und anschließend nach und nach an das Entwässerungssystem abgeben. Bei Nutzbelägen auf Balkonen, Loggien und Terrassen ist das anders: Der größte Teil des Oberflächenwassers fällt unmittelbar und unvermindert an. Das eingedrungene Wasser verursacht durch Frost und Temperaturschwankungen Schäden am Belag, wenn es nicht rasch genug abgeleitet wird. Drainagesysteme werden genutzt, um das Stauwasser sorgfältig abzuführen, um den Belag vor Ablösung, Abplatzung, Rissen, Unkraut und Ausblühungen zu schützen. Gemäß der Flachdachrichtlinien werden Balkone als nutzbare Plattform über Geländeniveau, die über die Fassade eines Gebäudes hinausragen, definiert; Loggien als nutzbare Plattformen über Geländeniveau, die teilweise oder ganz in der Fassade eingezogen sind. Die Entwässerung erfolgt daher in zwei Ebenen: an der Oberfläche und in der Dränageebene.

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Dränschichten können aus profilierten Kunststoffplatten, Schaumstoff-Dränagematten oder Einkornleichtbeton bestehen. Die Dränage liegt über einer Trennlage als Gleitschicht (doppellagige Kunststoffolie) auf der Abdichtung, die das Sickerwasser möglichst schnell zu den Entwässerungsabläufen oder Tropfkanten ableiten soll. Dafür ist ein Gefälle von mindestens 1-2% erforderlich. Es sollte auch berücksichtigt werden, dass der Bodenaufbau nicht nur von Frost bedroht ist, sondern auch durch intensive Sonneneinstrahlung thermischen Belastungen ausgesetzt sein kann. Es entstehen Spannungen aufgrund der verschiedenen Wärmeausdehnungskoeffizienten von Belag und Untergrund. Diese müssen mit flexiblen Fliesenklebern, flexiblen Abdichtungen bei Verbundaufbauten oder aber auch durch Entkopplung des Belags bewältigt werden. Die Stöße der Dichtungsbahnen sollten parallel zur Hauptfließrichtung verlaufen, an Übergängen zu Abläufen dürfen keine Erhöhungen auftreten. Industriell gefertigte Dränagen für Balkone und Terrassen haben ein wesentlich besseres Wasserableitvermögen als Kies- oder Splittschichten.

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Insbesondere bei niedrigen Türschwellen und im Bereich des barrierefreien Bauens kommt es auf eine dauerhaft rückstaufreie Entwässerung an. Hier kann die laut Flachdachrichtlinien geforderte Anschlusshöhe der wasserführenden Schicht von 15 cm über der Nutzschicht nicht eingehalten werden. Deshalb werden zwischen Türanschluss und Bodenbelag 10 bis 15 cm breite Gitterroste eingebaut, die zusätzliche Mengen an Fassaden- und Oberflächenwasser in die Dränschicht einleiten.

Kleine Balkonflächen, die nicht in mehreren Geschossen übereinander angeordnet sind, dürfen ohne Anschluss an ein Entwässerungssystem mit Abtropfkanten ausgeführt werden. Sonstige Balkone oder Loggien müssen über eigene Fallrohre entwässert werden, können aber auch, sollten sie keine geschlossene Brüstung haben, sondern mindestens 50% der Brüstung als freier Ablauf zur Verfügung stehen, an die Regenwasserfallleitung von Dachentwässerungen angeschlossen werden (nach DIN 1986-100: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056); dies ist allerdings bei Balkonen und Loggien im Erdgeschoss aus Sicherheitsgründen nicht umsetzbar. Bei geschlossenen Brüstungen sind Notüberläufe in Form von Öffnungen in der Attika oder solche in Form von Rohrsystemen mit einer lichten Weite von mindestens 40 mm erforderlich. Bei nicht überdachten Balkonen, die größer als zehn Quadratmeter sind, muss auf jeden Fall überprüft werden, ob 40 mm für die Notentwässerung ausreichend ist.

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Eine Entwässerung der Bodenflächen auf Loggien und Balkonen über vorgehängte Rinnen ist recht anfällig und aufwendig. Die Bemessung erfolgt nach Abschnitt 14.4 der DIN 1986-100. Hier ist grundsätzlich zu prüfen, in welchem Maße Niederschlagswasser mit Hilfe von Versickerungsanlagen abgeleitet werden kann. Sinnvoller ist eine Innenentwässerung der Bodenfläche über ein spezielles Ablaufsystem. Abläufe müssen von Rändern und Wandanschlüssen einen Abstand von mind. 30 cm aufweisen. Die Ausführung der Oberflächen bei einzelnen Abläufen ist aufgrund des notwendigen Gefälles schwierig, einfacher ist eine Gestaltung mit durchgehenden Ablaufrinnen.

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