Rocaille
Rokoko-Ornament
Der Begriff Rocaille bezeichnet ein Ornament aus dem Rokoko, einer Epoche Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Vokabel stammt wie die etymologisch verwandten Wörter Roque (Felsen) und Coquille (Muschel) aus dem Französischen und bedeutet übersetzt Geröll. Sprachlich abgewandelt zu Rokoko ist sie Namensgeber für die ganze Epoche.
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Elemente und Form
Möglicherweise entstanden die ersten Rocaillen am Hof des französischen Königs Ludwig XV. in Versailles, um sich filigraner, lockerer und verspielter vom Barock abzusetzen. Eine Rocaille ist eine phantasievolle bis bizarre Mischung aus Ranken, Muscheln, Schnecken und imaginierten Meeresbewohnern, verfremdeten Blättern und Blüten bis hin zu chinesisch-ostasiatisch inspirierten Vögeln und Drachen. Diese Elemente sind überwiegend asymmetrisch zu C- und S-Schnörkeln verknüpft. Bevorzugte Materialien sind Holz und Stuck, die vergoldet, versilbert oder lackiert werden. Schmiedeeiserne und Metallguss-Arbeiten erzeugen beispielsweise Beschläge, Leuchten und Gefäße. Besonders kunstvoll sind Intarsien aus verschiedenfarbigen Hölzern mit Einlagen aus Kristall und Edelsteinen. Mappen mit Rocaille-Zeichnungen kursierten in ganz Europa und dienten als Vorlagen.
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Konzept
Rocaillen sind jedoch nicht nur eine dekorative Applikation, sondern ebenso ein kontur-, raum- und volumengebendes Konzept. So verzieren sie nicht nur Felder in Türflügeln, sondern geben die Konturen der Tür- und Fensterflügel samt Aufbau der Laibungen vor. In Innenräumen verschmelzen Aufsätze über dem Türsturz (Supraporten) mit gebogenen und gekrümmten Wand- und Deckenfeldern zu einem opulenten Gesamtbild. Darüber hinaus schmücken Rocaillen Spiegelrahmen, bilden Kerzenständer aus, dienen als Griffe für Tafelgeschirr und überformen Sitzmöbel, Vitrinen und Schränke. Dieses disziplinübergreifende Konzept ist vergleichbar mit der heutigen parametrischen Freiform-Architektur, die über die Architektur hinaus auch das Interior Design und die Mode beeinflusst.
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Neo-Rokoko
Mit dem stilistischen Übergang zum Klassizismus Ende des 18. Jahrhunderts wurden Rocaillen ebenso wie Rokoko und Barock als dekadent bis sogar kitschig kritisiert und oft überformt. Im Zuge des Historismus des 19. Jahrhunderts wurden sie allerdings als architektonische Neo-Rokoko-Schmuckform wieder geschätzt. Ähnlich wie Festons, Bordüren, Mosaiken und Intarsien verzieren sie insbesondere Eingangstüren und Portale mit historisch-verspielter Eleganz. Heute verweisen sie auf den mit den französischen Königen assoziierten Luxus und symbolisieren damit gesellschaftlichen Status. -sj
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