Hauptstromversorgungssystem

Anforderungen und Dimensionierung des Verteilsystems im Gebäude

Unter einem Hauptstromversorgungssystem versteht man die Zusammenfassung aller Hauptleitungen und Sicherungseinrichtungen hinter der Übergabestelle des Verteilungsnetzbetreiber (VNB), die nicht gemessene Energie führen. Das Hauptstromversorgungssystem wird im Allgemeinen schutzisoliert ausgeführt.

Die Hauptleitung wird oft auch als Steigeleitung bezeichnet, wenn sie als Zuleitung für mehrere verteilte Zählergruppen auf den verschiedenen Stockwerken dient. Bei mehreren Hauptleitungen in einem Gebäude sind die zugehörigen Sicherungen in Hauptverteilern zusammenzufassen.

Hauptstromversorgungssysteme werden aus Gründen der Versorgungssicherheit als Strahlennetze aufgebaut, mit zentral oder dezentral angeordneten Zählern (siehe Abb.2 und 3, sie zeigen unterschiedlichen Varianten). Für den Notbetrieb können zusätzliche Kupplungsmöglichkeiten vorgesehen werden. Beim Aufbau des Hauptstromversorgungssystems sind folgende Bedingungen zu beachten:

  • Hauptleitungen müssen grundsätzlich als Drehstromleitungen ausgeführt werden. Für TN-Systeme gilt: Wahlweise 4- oder 5-adrige Leitungen, je nachdem ob ein PEN-Leiter oder Schutzleiter (PE) und Neutralleiter (N) getrennt verwendet werden. In TT-Systemen ist es untersagt, den Schutzleiter im System der Drehstromleitung mitzuführen. Hier dürfen nur 4-adrige Hauptleitungen ohne grün-gelbe Ader verwendet werden. Der Schutzleiter muss getrennt verlegt werden.
  • Verlegung in leicht zugänglichen Räumen, z. B. Treppenräume oder Kellerflure.
  • Nach DIN 18015-1 Elektrische Anlagen in Wohngebäuden. Planungsgrundlagen sind Hauptleitungen von der Kellerdecke ab in Schächten, Rohren, Kanälen oder unter Putz (nicht in Beton) zu verlegen; Schlitzquerschnitt 60 mm x 60 mm, bei mehreren Leitungen entsprechend breiter.
  • Anordnung in gemeinsamen Kanälen oder Schächten mit anderen Rohrleitungen (z.B. Wasser oder Heizung) ist nicht zulässig. (Ausnahme: Wenn durch Abschottung sichergestellt ist, dass bei Fehlern an den Rohrleitungen die Hauptstromversorgung nicht beeinträchtigt wird.)
  • Wie die Hauptleitungen müssen auch die Hauptleitungsabzweige bis hin zu den Messeinrichtungen (Zählern) als Drehstromleitung ausgeführt werden.
  • Hauptleitungs-Abzweigklemmen müssen DIN VDE 0603 Installationskleinverteiler und Zählerplätze entsprechen und Hauptleitungs-Abzweigkästen müssen nach DIN VDE 0606-1 Verbindungsmaterial bis 690 V: Installationsdosen zur Aufnahme von Geräten und/oder Verbindungsklemmen ausgeführt werden.
  • Hauptstromversorgungssysteme müssen im Bereich vom Hausanschlusskasten bis zur letzen Sicherung vor dem Zähler eine Kurzschlussfestigkeit von 25 kA aufweisen.

Dimensionierung
Für die Dimensionierung der Leiterquerschnitte des Hauptstromversorgungssysteme sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Leistungsbedarf/Anschlusswert (Gleichzeitigkeitsfaktor beachten)
  • Erwärmung
  • Spannungsfall (der Spannungsfall darf im ungezählten Bereich zwischen Hausanschluss und Zähler nicht mehr als 0,5 % betragen; bei Großbauten mit Leistungsbedarf über 100 kVA sind 1 bis 1,5% zulässig)
  • Selektivität
  • Kurzschlussfestigkeit

Für Großbauten können statt der Hauptleitungen auch Schienensysteme verwendet werden, die ggf. wirtschaftlicher sind.

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