Illwerke Zentrum Montafon in Vandans

Holzhybrid-Elementbauweise mit Sprinkleranlage

Gallerie

Direkt am Ufer eines Stausees gelegen, schiebt sich der 120 Meter lange, schmale Baukörper des Illwerke Zentrum Montafon ein Stück weit über das Wasser hinaus. Die fünfgeschossige Bürozentrale des Vorarlberger Energiekonzerns in Vadans setzt hier – im österreichischen Alpenraum unweit der Grenzen zur Schweiz und Liechtenstein – ein klares Zeichen. Der See ist einer von vielen Quellen des Unternehmens, um Strom aus Wasserkraft zu erzeugen.

Hermann Kaufmann Architekten aus Schwarzach planten die überwiegend verglaste Bürozentrale in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wasserkraftwerk Rodund 1 als lang gestreckten Riegel mit klarer Vorder- und Rückseite. Das alte Rodund-Werk im Rücken, richtet sich die Eingangsseite gen Osten, der südliche Kopf grenzt an die Anton-Ammann-Straße. Der Zugang teilt den horizontal gegliederten Baukörper im Verhältnis 1:3, zwei Treppentürme sind rückwärtig angeordnet.

Ein geräumiges Foyer empfängt die Besucher. Es wird gegliedert durch einen Luftraum zur ersten Etage, an den eine gerade zweiläufige Treppe anschließt. Auf diese Weise sind die beiden unteren Ebenen mit den eher öffentlichen Funktionen gekoppelt: Im Erdgeschoss befindet sich zur einen Seite des Foyers die Verwaltung, zur anderen ein großes Restaurant mit Seeterrasse. Das erste Obergeschoss beinhaltet eine offene Bürozone nach Süden, einen Konferenzbereich im mittleren Gebäudeteil und ein Besucherzentrum mit Veranstaltungsräumen zur Wasserseite. Die weiteren Etagen sind ausschließlich Büroarbeitsplätzen vorbehalten und überwiegend offen konzipiert. Erschlossen werden sie über die rückwärtig angelagerten Treppentürme, die zu Begegnungszonen mit farbigen Polstermöbeln führen. Von dort gelangen die Mitarbeiter weiter in die offen gestalteten Büros zu beiden Seiten, die nur durch einzelne separate Räume unterbrochen werden.

Das Untergeschoss bis zur Decke des Erdgeschosses sowie die Treppentürme des Bürohauses wurden vor Ort betoniert, die rund 10.000 Quadratmeter Nutzfläche des Rohbaus innerhalb von sechs Wochen überwiegend in einem Holzhybrid-Elementsystem errichtet. Dessen Deckenelemente bestehen aus Holzbalken, eingebettet in Beton, dem Kunststofffasern beigemengt sind. Sie liegen auf verleimten, in die Fassade integrierten (sichtbaren) Holzstützen sowie einer mittleren Reihe von Stahlverbundstützen.

Die Ausstattung der Innenräume sollte gesundheitlich unbedenklich und möglichst frei von Chemikalien erfolgen. Innenwände, Böden und Brüstungen sind überwiegend mit Eichenfurnier bekleidet, die Decken mit Weißtanne und Fichtenholz. In den Büros sind Schafwollteppiche verlegt, die Böden im Foyer, der Essensausgabe sowie den Treppenhäusern sind mit Natursteinplatten versehen.

Brandschutz
Alle tragenden Elemente entsprechen der Klassifizierung REI 90, sind also 90 Minuten feuerbeständig. Die Deckenelemente wurden im Brandversuch getestet; dem Beton sind Polypropylenfasern beigemischt, damit er nicht abplatzt. Auch die Stahlverbundstützen (außen Stahl, innen Stahlbeton) sind nicht beschichtet, entsprechen aber ebenfalls REI 90.

Zur technischen Gebäudeausstattung gehört eine Brandmeldeanlage, an die eine automatische Löschanlage in Form von Sprinklern angebunden ist. Letztere dient u.a. der Kompensation der hölzernen Innenausstattung und Möblierung, die keinen Brandschutzanforderungen entspricht.

Erdgeschoss und erstes Obergeschoss bilden einen gemeinsamen Brandabschnitt von insgesamt fast 3.300 Quadratmetern, einzig der Technikraum ist mit Brandschutztüren ausgestattet. Das zweite, dritte und vierte Obergeschoss bilden jeweils eigene Brandabschnitte. Die Treppenhäuser sind als Massivbauten aus Stahlbeton errichtet und dienen als notwendige Fluchtwege. Die oberen Etagen werden durch die Begegnungszonen in drei Rauchabschnitte unterteilt: Sie sind jeweils beidseitig durch elektronisch steuerbare Türen abschließbar und fungieren als Rauchschott. us

Objektinformationen

Architekten: Hermann Kaufmann Architekten ZT, Schwarzach
Projektbeteiligte:
Merz Kley Partner, Dornbirn (Tragwerk); Cree, Bregenz (Holz-Hybrid-Elementsystem); Spannverbund, Waldems (Stahlverbundstützen); IBS, Linz (Brandschutz); E-Plus, Egg (HLS); Elplan, Schoppernau (Elektrotechnik); WSS Wärme- und Schallschutztechnik, Frastanz (Bauphysik/Akustik)
Bauherr: Vorarlberger Illwerke, Bregenz
Fertigstellung:
2013
Standort:
Rodund 1, 6773 Vandans, Österreich
Bildnachweis: Norman A. Müller, Ingolstadt

Objektstandort

Rodund 1
6773 Vandans
Österreich

Artikel zum Thema

Holz-Hybrid-Elementsystem aus Holzbalken in Betoneinbettung vor dem Brandversuch

Sonderbauten

Brandversuche bei Holzbauten

Entsprechend  § 26 MBO „Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen“ ist eine Verwendung brennbarer Baustoffe in Gebäuden der...

Verglasung im Brandlastversuch unter Laborbedingungen

Grundlagen

Feuerwiderstandsklassen

Bauteile werden entsprechend ihrer Feuerwiderstandsdauer in verschiedene Feuerwiderstandsklassen eingeteilt. Die Klassifizierung...

Anschluss Wand an Wand mit Fugenversatz

Sonderbauten

Holzbauten

Holzbauten zählen nach Musterbauordnung § 51 weder zu den geregelten noch zu den ungeregelten Sonderbauten, für sie ist die...

Einflügelige Rauchschutztür (RS-1) aus Stahl

Bauprodukte

Rauchschutzabschlüsse

Bei einem Brand entsteht neben dem Feuer auch gefährlicher Brandrauch (Brand = Feuer + Rauch). Im Gefahrenfall (Entstehung eines...

Aufbau eines Sprinklers

Löschanlagen/​-mittel

Sprinkleranlagen

Sprinkleranlagen sind selbsttätige Sprühwasserlöschanlagen, die die Ausbreitung eines Brandes in der Anfangsphase verhindern...

Objekte zum Thema

Tragwerk und Fassade des Wohnhauses sind aus Holz (Westansicht)

Wohnbauten

Achtgeschossiger Holzbau in Bad Aibling

Nordwestliche von Bad Aibling entsteht auf einem ehemaligen Gelände der US-Armee eine Nullenergiestadt. Auf dem ca. 70 Hektar...

Mit seiner Fassade aus dunkelgrauen Faserzementtafeln bildet das Wohnhaus B26 einen starken Kontrast zu seinem weiß verputzten Nachbarn (Südostansicht)

Wohnbauten

Baugruppenhaus B26 in Berlin-Mitte

Berlins Mitte bietet immer noch Potenzial zur Nachverdichtung, besonders im nördlichen Teil des Bezirks. In der Nähe des...

Der Skelettbau mit abgerücktem Treppenhaus unterscheidet sich deutlich von der Nachbarbebauung

Wohnbauten

Mehrfamilienhaus E3 in Berlin

Die Architekten Kaden und Klingbeil realisierten im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg einen ungewöhnlichen Neubau: Ein...

Zum Seitenanfang

Ansicht West: Das Gebäude ist teilweise in den Hang gebettet

Büro/​Gewerbe

Wittenstein Innovationsfabrik in Igersheim

Flächendeckender Sprinklerschutz und Brandmeldeanlage

Ansicht Süd: Die landschaftlich idyllisch gelegene Gemeinde folgt mit ihrer Besiedelung dem geschwungenen Verlauf der Lauchert

Büro/​Gewerbe

Produktionshalle Trumpf in Hettingen

13 Meter hohe Sheddächer mit RWA-Klappen

Ansicht von Norden: Die Stahlzargen der neuen Fenster übernehmen die Proportionen der historischen Sandsteingewände

Büro/​Gewerbe

Umbau eines ehemaligen Schweinestalls in Karlsruhe

Brandschutzanstrich für historische Rippendecke aus Stahl

Ansicht Südost mit dem Haupteingang an der Längsseite

Büro/​Gewerbe

Illwerke Zentrum Montafon in Vandans

Holzhybrid-Elementbauweise mit Sprinkleranlage

Büro/​Gewerbe

Spieleentwickler Aeria Games in Berlin

Brandschutzbeschichtung und Ertüchtigung von historischen Bauteilen

Südansicht: Die reflektierende, weiße Fassade der oberen Geschosse hebt sich deutlich vom dunklen Sockel ab

Büro/​Gewerbe

Gewerbehof in München-Laim

140 Meter langer Riegel in drei Brandabschnitten

Ansicht Südost: Fassade zum Messeplatz

Büro/​Gewerbe

Neue Messehalle in Basel

Sieben Minuten für die Evakuierung, Entrauchungskonzept nach Brandszenarien

Zufahrtstraße zum neuen Portalhaus, links die Halle 11

Büro/​Gewerbe

Portalhaus und Messehalle 11 in Frankfurt

Brandschutzkonzept nach Simulation der Besucherströme

Schmaler Turm kombiniert mit sechsgeschossigem Riegel und weitem Vorplatz am Münchner Stadtrand

Büro/​Gewerbe

Hauptverwaltung des Süddeutschen Verlags in München

Aufzugsschächte mit kontrollierter Entrauchung