Stahlbewehrung
Beton für Zug- und Biegezugkräfte wappnen
Stahl ist das älteste und bis heute am häufigsten verwendete Bewehrungsmaterial für Beton. Zu den Pionieren des Eisenbetonbaus gehörte der französische Gärtner Joseph Monier, der 1867 ein Patent für drahtbewehrte Pflanzkübel erhielt. Von seinem Namen leitet sich die ältere Bezeichnung „Moniereisen“ ab.
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Beton kann hohe Druckkräfte aufnehmen, besitzt jedoch nur eine vergleichsweise geringe Zugfestigkeit. Die Bewehrung übernimmt deshalb Zugkräfte und verteilt auftretende Risse, sodass deren Breite begrenzt bleibt. Beton und Stahl weisen zudem ähnliche Wärmeausdehnungskoeffizienten auf. Bei Temperaturänderungen verformen sich beide Baustoffe daher weitgehend gemeinsam, was den dauerhaften Verbund unterstützt. Wird hochfester Spannstahl gezielt vorgespannt, erzeugt er Druckspannungen im Beton und wirkt späteren Zugspannungen entgegen. Je nach Verfahren erfolgt die Vorspannung vor oder nach dem Betonieren. Solche Bauteile werden als Spannbeton bezeichnet.
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Verbund zwischen Stahl und Beton
Für die schlaffe Bewehrung kommen überwiegend gerippte
Betonstahlstäbe und geschweißte Betonstahlmatten zum Einsatz. Die
Rippen erzeugen einen mechanischen Verbund zwischen Stahl und Beton
und ermöglichen die Kraftübertragung. Glatter Bewehrungsstahl
besitzt deutlich ungünstigere Verbundeigenschaften. Frühere
Konstruktionssysteme glichen dies teilweise durch Haken an den
Stabenden aus. In aktuellen Regelwerken für den Stahlbetonbau ist
glatter Bewehrungsstahl nicht mehr vorgesehen.
Betonstahl wird in Deutschland nach DIN 488 bezeichnet. Die
Kennzeichnung B500 steht für eine charakteristische Streckgrenze
von 500 N/mm², die nachgestellten Buchstaben kennzeichnen die
Duktilitätsklasse. B500A wird häufig für Betonstahlmatten
verwendet, B500B vor allem für Stabstahl und Bewehrungen, an die
höhere Anforderungen an das Verformungsvermögen gestellt
werden.
Längsbewehrungen nehmen vor allem Kräfte aus Biegung und
Normalkraft auf. Bügel und andere Querbewehrungen erhöhen die
Querkrafttragfähigkeit, halten die Längsstäbe in Position und
bilden mit ihnen den typischen Bewehrungskorb. Der Eurocode 2
regelt die Bemessung und konstruktive Durchbildung von
Stahlbetonbauteilen. Seine Vorgaben zu Mindestbewehrung,
Bewehrungsabständen und Rissbreitenbegrenzung sollen ein
ausreichend duktiles Tragverhalten sowie eine kontrollierte
Rissbildung sichern. Zugleich muss zwischen den Stäben genügend
Raum bleiben, damit der Beton eingebracht und verdichtet werden
kann.
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Schutz vor Korrosion
Leichter, fest haftender Oberflächenrost steht dem Einbau in der
Regel nicht entgegen, sofern Querschnitt und Verbund nicht
beeinträchtigt sind. Loser Rost, Schmutz, Öl oder andere
haftungsmindernde Stoffe müssen entfernt werden. Im erhärteten
Beton bildet das alkalische Porenmilieu des Zementsteins auf der
Stahloberfläche eine schützende Passivschicht. Geht dieser Schutz
durch Karbonatisierung oder eindringende Chloride
verloren, kann die Bewehrung korrodieren. Die Korrosionsprodukte
beanspruchen mehr Volumen als der ursprüngliche Stahl und können
Risse sowie Abplatzungen verursachen.
Die erforderliche Betondeckung richtet sich unter anderem nach
Expositionsklasse, Betonfestigkeit,
Stabdurchmesser, Ausführungsbedingungen und gewünschter
Nutzungsdauer. Sie schützt vor Korrosion, sichert den Verbund und
trägt zum Feuerwiderstand des Bauteils bei. Abstandhalter sorgen
auf der Baustelle dafür, dass die Bewehrung in der vorgesehenen
Lage bleibt. Bei besonders korrosiven Umgebungsbedingungen können
beschichtete oder nichtrostende Betonstähle eingesetzt werden.
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Bewehrungsstahl im Materialkreislauf
Die Umweltwirkungen von Betonstahl hängen wesentlich von der
Herstellungsroute und dem eingesetzten Strommix ab. Schrottbasierte
Elektrostahlwerke verursachen in der Regel deutlich geringere
Treibhausgasemissionen als die konventionelle Hochofenroute.
Betonstahl wird in Deutschland vielfach aus Stahlschrott
hergestellt. Nach dem Rückbau lässt sich der magnetisch abtrennbare
Stahl erneut einschmelzen und als Rohstoff für neue Stahlprodukte
nutzen.
Fachwissen zum Thema
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