Silberhaus in Jihlava

Neue Erschließung und Treppe im denkmalgeschützten Bestand

Die mährische Stadt Jihlava wurde im frühen Mittelalter mit dem Silberbergbau wohlhabend. So stehen im alten Zentrum der Stadt, rund um den Masaryk-Platz zahlreiche bunte Bürgerhäuser, die heute zwar denkmalgeschützt, dennoch nicht alle in gutem Zustand sind.  

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Verortung 

So war es auch beim Silberhaus, einem historischen Eckgebäude am südlichen Rand des Platzes. Es stand weitgehend leer, war in der Bausubstanz angegriffen und wurde im Innern über die Jahrhunderte immer wieder verändert und erweitert, sodass der ursprünglich modular organisierte, funktionale Grundriss, typisch für die Bauzeit der Renaissance, unkenntlich geworden war. Im Hof fanden sich historische Werkzeuge zur Prägung von Silbermünzen deren Alter auf rund achthundert Jahre geschätzt wurde – das Gebäude diente einst als königliche Münzstätte. Eine Sanierung sollte dem Gebäude zu neuem Glanz und Nutzen verhelfen. Die Gestaltung und die Umsetzung verantwortete das tschechische Büro Atelier Štěpán aus Brno, das vor allem die ursprüngliche Architektur und den ihr zugrundeliegenden Grundriss wieder erkennbar machen wollte. Ursprünglich heißt in diesem Fall, den jeweiligen Jahrhunderten gerecht, in denen das Gebäude erweitert und umgebaut wurde.  

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Sanierung und Umnutzung 

In Keller und Eingangshalle ließ das Team das gotische Gewölbe und die Wände weißen, Fußböden neu verlegen und die Räume mit der notwendigen Haustechnik versehen. Hier liegen nun straßenseitig die Touristen-Information und rückseitig eine Teestube, im Keller gibt es eine archäologische Ausstellung. Hinter dem Altbau, wo einst eine Hinterhofbebauung stand, schließt ein erdgeschossiger Wintergarten aus Beton und Glas an und macht Platz für Veranstaltungen und Kurse. Im Souterrain, wo einst archäologische Grabungen stattfanden, liegen jetzt die notwendigen Nebenräume, wie Toiletten und ein Abstellraum.

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Die beiden Obergeschosse zeugen vom bürgerlichen Wohnen in der Renaissance. Allerdings verkleinerten nachträgliche Einbauten die Räume. Die einst bunten Wandmalereien waren beschädigt, verblasst oder sogar überputzt, die bemalten Holzbalkendecken mit Gipskarton abgehängt und die Dielen- und Parkettböden, so noch vorhanden, in schlechtem Zustand oder mit PVC überklebt. Das Team ließ einige Wände entfernen, andere instandsetzen und sorgsam alle Oberflächen restaurieren. Heute befinden sich in den Räumen zwei kleine Konzerträume, zwei Salons und eine Wohnung. Die dafür notwendige Infrastruktur, wie Küche und Bad, ließ das Team frei im Raum platzieren, um die restaurierten Wände und Decken zu schonen. Bei der Wiederherstellung der historischen Bereiche kamen traditionelle Materialien zum Einsatz: Kalkputz, Holzfenster und Stein- oder Terrazzoböden. Zur Orientierung sind Raumbeschriftungen und Wegweiser direkt auf die Wände gemalt, sodass die empfindlichen Oberflächen nicht mit unnötigen Dübeln und Schrauben beansprucht werden.

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Neuer Dachstuhl 

Das alte Dachgebälk sowie die Dachgeschossdecke stammten aus dem Jahr 1893 und wurden schon damals statisch fehlerhaft eingebaut. Sie verursachten Schubkräfte in den bestehenden Mauerwerkswänden darunter und waren zudem in einem maroden Zustand. Das Team plante daher den Abriss und Neuaufbau des Daches entlang der ursprünglichen Kubatur. Dafür ließ es das neue Tragwerk etwas anheben, sodass das Dachgeschoss mehr Raumhöhe und nutzbare Fläche bekam. Den Abstand zum bestehenden Mauerwerk oberhalb des Gesimses füllt ein Fensterband, das rundum Ausblick bietet; für Tageslicht sorgen mehrere stabförmige Dachfenster. Hier sind Büros verschiedener Kultureinrichtungen untergebracht, die sich mit der Kultur- und Architekturgeschichte der Stadt beschäftigen.

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Erschließung 

Schwierig war die barrierefreie, auflagen- und brandschutzgerechte Erschließung des Gebäudes: Denn innerhalb desselben Geschosses gibt es zahlreiche Höhenversprünge, sodass Räume über verteilte Stufen, Podeste und niedrige Durchgänge verbunden waren. Zudem grenzten die Antritte der bestehenden Treppen direkt an die Türen der benachbarten Räume. Daher plante das Team an gleicher Stelle neue Holztreppen, die aber gen Raummitte abwinkeln und so die Zugangswege zu den angrenzenden Räumen freimachen. Hier kann der Boden jetzt schräg ansteigen, zugunsten einer barrierefreien Erschließung. Ein gläserner Aufzug mit sichtbarer Aufzustechnik erschließt die Obergeschosse und gibt während der Fahrt den Blick auf die unbehandelten Originalwände frei.

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Neue Elemente in Silber 

Über eine kontrastreiche Gestaltung sind alle Eingriffe in den historischen Bestand nachvollziehbar. So sind die neuen Treppen und Fliesenböden geschossweise in hellem Grün und Blau angelegt – Farben, die maximal mit den zinnoberroten Holzböden der Renaissance-Räume kontrastieren, was aber durchaus zeittypisch ist. Es ist daher vor allem die Farbe Silber, die Neues und Untypisches kenntlich macht und zugleich die Jahrhunderte thematisch zusammenbindet. So ist das neu errichtete Dach außen mit silberfarbenem Metall eingedeckt; der Sichtschutzvorhang im Anbau ist aus Edelstahl, ebenso wie die Handläufe der Treppen, die Steckdosen und die Decken- und Bodenleuchten im gesamten Gebäude. Auch die neuen Türen, die akustisch wirksame Wand des Konzertraumes sowie die Projektionswand im Dachgeschoss sind in Silbergrau und mit glänzenden oder schimmernden Elementen gestaltet.

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Zum markantesten Element des Gebäudes wurde die Treppe ins Dachgeschoss: Sie ist dreiläufig und wurde neu in der Gebäudemitte platziert, hatte an dieser Stelle also kein Pendant im Bestand. Sie verläuft im spitzen Winkel, ist von den Bestandswänden abgerückt, aber nur scheinbar freitragend, denn tatsächlich sind die Podeste an den Wänden verankert. Zum Sinnbild für das Silberhaus wird sie durch ihre silberne Metallverkleidung. Darin brechen sich unscharf und vage die Reflexionen der Umgebung: das einfallende Tageslicht, die Form des historischen Geländers und die für dieses Haus typischen Grüntöne. Eine Lichtnut, die in der Oberkante der Wangen eingelassen ist, betont die Richtung der Treppe ins Dachgeschoss: Dort beginnt baulich die Gegenwart. 

Bautafel

Architektur: Atelier Štěpán, Brno  (Miroslava Staneková, Hana Arletová, Vanda Štěpánová, Jiří Neubert, Lukáš Kružík, Jan Vodička)
Projektbeteiligte: Viktorie Štěpánová (grafisches Wandleitsystem), Václav Kočí (Wandbemalung Konzertraum), Pavel Procházka (Restaurierung der historischen Wandmalereien), Pozemní stavby Jihlava (Bauunternehmung)
Bauherrin: Stadt Jihlava
Fertigstellung: 2024
Standort: Masarykovo náměstí 636/21, Jihlava, Tschechien
Bildnachweis: Filip Šlapal, Prag 

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Der Besucherzugang ins Museum erfolgt über das Hauptportal mit Freitreppe (Ostansicht)

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Im Zickzack schlängelt sich das Gebäude durch das Grundstück.

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