Portlantis in Rotterdam
Besuchs- und Ausstellungszentrum
Der Rotterdamer Hafen ist der größte Seehafen Europas mit über 430 Millionen Tonnen Waren, die hier jährlich verladen werden. Wer sich diese Dimensionen nur schwerlich vorstellen kann, sollte bis zur meerseitigen Hafenspitze, der aufgeschütteten Maasvlakte, fahren; dort die vielen roten Stufen aufs Dach des neu gebauten Besuchszentrums Portlantis klettern und den Blick von der Nordsee über die Dünen, den Hafen bis zu den Hochhäusern des Rotterdamer Stadtzentrums schweifen lassen. Dann lässt sich die unfassbare Größe des Areals erahnen.
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Raumprogramm
Das niederländische Büro MVRDV plante die Architektur des Portlantis, das mit 3.533 Quadratmetern Fläche Erlebnis-, Bildungs- und Ausstellungszentrum in einem ist. In einer mehrgeschossigen Ausstellung erfahren die Besuchenden mehr über die Hafengeschichte, die komplexen logistischen Betriebsabläufe und die aktuellen technischen Entwicklungen hin zu mehr Effizienz in der Organisation und im Ressourcenverbrauch. Zudem gibt es ein Café, ein Restaurant, Besprechungs- und Veranstaltungsräume sowie auf dem Dach die 360°-Panorama-Terrasse.
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Architektonische Idee
Grundlage für den Entwurf war der aktuelle Veränderungsprozess des Hafenbetriebs hin zu mehr Nachhaltigkeit. Dieser Prozess sowie die Struktur des Hafens selbst sollten sich in der Gestaltung abbilden. Die Idee des Architekturteams war, eine „Maschine fürs Geschichtenerzählen“ zu bauen, die Stadt, Hafen und Besucher miteinander in Beziehung setzt. Dafür ließen sie sich von den Containern im Hafen, ihrer Materialität und ihrer gestapelten Kubatur, inspirieren. Das Gebäude besteht aus fünf gestapelten Metallboxen, die verdreht zueinander ausgerichtet sind und mit ihren Ecken aus der vertikalen Gebäudeflucht ragen. Eine rote Metalltreppe wickelt sich um das Gebäude und über mehrere Podeste bis zum Dach hinauf.
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Stahltragwerk
Das Entwurfsteam wählte eine Stahlbauweise, die gleich mehrere Vorteile hat: Sie lässt sich modular und seriell produzieren, mechanisch zusammenfügen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder demontieren und neu verwenden. Das spart Kosten und erhöht zugleich die Lebensdauer der Bauteile. Zudem ist eine Stahlkonstruktion leicht und ermöglicht eine Flachgründung mit einer Fundamentplatte, die im sandigen Untergrund ausreichend tragfähig, aber zugleich minimalinvasiv ist und das mühsam aufgeschüttete Stück Land schont.
Das Tragwerk besteht aus Stahlstützen, die von unten nach oben durchlaufen, kreisförmig angeordnet und über zwei konzentrische Stahlkreis-Ringe miteinander verbunden sind. Diese Ringe stützen die gedrehten Geschossdecken und ermöglichen so die komplexe Geometrie mit Auskragungen und einem durchgängigen hohen Atrium in der Mitte. Was also aussieht wie gestapelte Boxen, ist tatsächlich ein durchgängiger Stahlturm mit auskragenden Geschossplatten und einer Metallfassade.
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Atrium und Innentreppe
Die Erschließung innerhalb des Gebäudes erfolgt über das Atrium. Hier wendelt sich eine silberweiß lackierte Metalltreppe auf der Außenlinie der imposanten Halle empor, von Geschossdecke zu Geschossdecke in geraden Segmenten, die sich zu einem Polygon fügen. Weil die Fügung der Stahlkonstruktion und ihrer mechanischen Verbindungen und Kontenpunkte, die Rohre und Installationen sowie die Aufzugtechnik unverkleidet und ablesbar blieben, erhält das hohe Atrium die industrielle Anmut eines Gasometers. In dessen Mitte hängt eine kinetische Installation, die von jedem Geschoss aus anders betrachtet werden kann. Die verdrehten Geschossebenen wirken nicht nur von außen, sondern auch aus dem Innern: Denn die Glas-Metallfassaden öffnen sich in unterschiedliche Richtungen, sodass sich entlang der Ausstellung viele verschiedene Hafenpanoramen zeigen.
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Außentreppe
Für den weiten Blick über den Hafen gibt es einen zweiten Weg: Die rote Metallaußentreppe ist öffentlich zugänglich und führt über die auskragenden Terrassen aufs Dach. Treppe, Podeste und Dachterrasse sind als eigenständiges, tragfähiges Stahlelement konstruiert, mit der Hauptstruktur verbunden und einheitlich im gleichen Rotton lackiert. Mit ihrer Signalfarbe vor der silbermetallischen Fassade erzielt die Konstruktion eine Fernwirkung. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass hier der Weg nach oben zu einem Aussichtspunkt über den Hafen führt.
Bautafel
Architektur: MVRDV; Projektleitung: Winy Maas, Fokke Moerel; Design-Team: Arjen Ketting, Klaas Hofman, Pim Bangert, Jonathan Schuster, Samuel Delgado, Duong Hong Vu, Monica di Salvo, Efthymia Papadima, Luis Druschke, Maximilian Semmelrock, Antonio Pilz; Nachhaltigkeitsberatung: Arjen Ketting; Strategie und Entwicklung: Magdalena Dzambo
Projektbeteiligte: Kossmanndejong, Amsterdam (Ausstellungsdesign); van Rossum, Rotterdam (Tragwerksplanung), Nelissen, Eindhoven (TGA, Bauphysik und Nachhaltigkeitsberatung); Laysan, Cothen (Kostenkalkulation)
Bauherr: Hafen von Rotterdam
Fertigstellung: 2025
Standort: Pr. Máximaweg 301, 3199 KG Maasvlakte Rotterdam, Niederlande
Bildnachweis: Ossip van Duivenbode, Rotterdam
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