Freizeitkomplex SILT in Middelkerke

Ein neues Wahrzeichen an der belgischen Küste

Inmitten der Dünen an der Nordseekante Belgiens ragt ein neues Wahrzeichen empor: der Freikomplex SILT. Er vereint Hotel, Casino, Veranstaltungsräume und Gastronomie unter einem Dach. Dank seines geringen Fußabdrucks und des begehbaren Dachs erweitert der Freizeitkomplex SILT den Strandboulevard, anstatt der Landschaft etwas wegzunehmen.

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Entworfen wurde der Komplex vom sogenannten Nautilus-Konsortium, einem Zusammenschluss mehrerer Planungsbüros, bestehend aus Delva Landschaftsarchitektur, ZJA Architektur, OZ Amsterdam sowie Bureau Bouwtechniek. Im Auftrag der Gemeinde Middelkerke wurde das Projekt fertiggestellt und schafft nun im Herzen der Küstengemeinde einen Ort, der sowohl die lokale Gemeinschaft als auch Besucher*innen anzieht. 

Zwischen Badeort und Inselgeschichte

Middelkerke ist ein Urlaubsort an der Nordsee. Strände, Dünenlandschaften und klassische Freizeitangebote wie Rad- und Wanderwege prägen ihn. Gleichzeitig ist die Geschichte des Ortes eng mit der ehemaligen Insel Testerep verbunden, die über Jahrtausende der Küste vorgelagert war, inzwischen jedoch vollständig verschwunden ist.

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Die historische Insel bildete das Konzept für das Projekt. Das Team entwickelte eine künstliche Küstenlandschaft, die sich an den früheren Dünenformationen und Wasserläufen der Insel orientiert und zugleich die Widerstandsfähigkeit der heutigen Küstenlinie stärken soll. Auch extremen Sturmereignissen soll das Projekt langfristig standhalten. Das Areal umfasst insgesamt rund 39.200 Quadratmeter, davon entfallen etwa 29.500 Quadratmeter auf die Gebäudefläche.

Durch die kompakte Organisation reduziert sich die tatsächlich versiegelte Grundfläche auf lediglich 740 Quadratmeter. Die übrigen Flächen bleiben öffentlich zugänglich und sind landschaftlich begrünt. Eine Tiefgarage verlegt den ruhenden Verkehr vollständig unter die Erde und schafft so zusätzliche Flächen für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen.

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Der Stadtraum hebt sich an

Im Erdgeschoss befinden sich ein Casino, ein Restaurant und ein Veranstaltungsraum. Deren Dach ist als öffentlich zugängliche Landschaft gestaltet und über Brücken und Treppen mit der umliegenden Promenade verbunden. Auf der begehbaren Dachfläche greifen die Dünenformen die einfache Vegetation der umliegenden Küstenlandschaft auf, ergänzt durch zahlreiche Sitzgelegenheiten, die Besucher*innen einen Blick auf Strand und See ermöglichen. Der anliegende, einst träge Epernay Platz, ist zu einem lebendigen Ort umgebaut worden, der urbane Nutzung mit Küstenschutz und Landschaftsgestaltung verbindet.

Ein prägendes Element des Ensembles ist der Hotelturm, dessen geschwungene Form so konzipiert ist, dass sie die Sichtachsen der umliegenden Bebauung möglichst wenig beeinträchtigt. Die Gebäudehülle besteht aus Accoya-Holz und umschließt das Bauwerk vollständig. Das Material ist aus maritimen Konstruktionen wie Stegen, Schleusen oder Pfahlgründungen bekannt und verändert unter dem Einfluss von Wind, Salz und Witterung im Laufe der Zeit seine Farbe. Zugleich wirkt die hölzerne Struktur als Barriere, die die Intensität der Küstenwinde reduziert.

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Dachlandschaft als öffentlicher Raum

Eine wichtige Rolle spielt die extensive Dachbegrünung der Anlage. Die bepflanzten Dachflächen übernehmen ökologische und klimatische Funktionen: Sie speichern Regenwasser, verzögern dessen Abfluss und tragen zur Verbesserung des Mikroklimas bei, indem sie die Aufheizung der Dachflächen reduzieren. Die extensive Begrünung ist leicht und pflegearm. Zum Einsatz kommen niedrigwüchsige Gräser, die für die extremen Bedingungen auf Dächern, insbesondere am Strand, sehr passend sind.

Die Vegetation orientiert sich an der umliegenden Küstenlandschaft. Elemente wie Strandhafer, Dünenmulden und sandige Wasserläufe, die zum Strand führen, greifen die historische Landschaft von Testerep auf und verbinden Architektur und Naturraum. So entsteht ein Projekt, das städtebauliche Entwicklung, Küstenschutz und Landschaftsgestaltung miteinander verknüpft und zeigt, wie sich urbane Räume an der Schnittstelle von Blau und Grün zukunftsfähig weiterentwickeln lassen. -fp

Bautafel

Architektur: "Nautilus-Konsortium": ZJA Architects & Engineers, Amsterdam (Entwurfsplanung); DELVA Landscape Architecture Urbanism, Amsterdam (Landschaftsarchitektur); OZ Architect, Amsterdam (Innenarchitektur Casino und Hotel); Bureau Bouwtechniek, Antwerpen (Projektarchitektur)

Projektbeteiligte: Debuild (Projektentwicklung); Optigrün (Extensive Dachbegrünung); Naturoof Groendaken & Daktuinen (Ausführung Dachbegrünung); Furnibo-Democo (Bauunternehmen); COBE und Sweco (Akustik); Beersnielsen (Licht); Plantec (Technische Landschaftsentwicklung)

Bauherr*in: Gemeinde Middelkerke

Fertigstellung: 2024

Standort: Zeedijk 117D, 8430 Middelkerke, Belgien

Bildnachweis: Stefan Steenkiste (Fotos); Sebastian van Damme (Fotos); DELVA Landscape Architecture & Urbanism (Fotos und Pläne); ZJA Architekts (Pläne)

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