Planung der Gebäudetechnik nach EnEV

Auswirkungen auf die Anlagenplanung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) verpflichtet Bauherren zum effizienten Betriebsenergiebedarf ihres Bauprojektes durch entsprechende bau- und anlagentechnische Maßnahmen. Sie gilt für konditionierte Gebäude, die beheizt oder klimatisiert werden. Für den Nachweis des Energiebedarfs ist die Energiebilanz eines Gebäudes von zentraler Bedeutung. Sie berücksichtigt zusätzlich zum eigentlichen Energiebedarf auch vorgelagerte Prozesse wie die Art der Energiegewinnung oder Verluste bei der Umwandlung des Energieträgers (Primärenergie). Ihre Berechnung erfolgt auf Grundlage der DIN V 18599 Energetische Bewertung von Gebäuden – Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung.

Gallerie

Erneuerbare Energien in der Gebäudetechnik
In der EnEV sind nicht nur Obergrenzen für den Primärenergiebedarf von Wohn- und Nichtwohngebäuden festgelegt, sie schreibt auch vor, dass bereits in der Entwurfsphase eines Bauprojekts sowohl der Energieträger als auch das Versorgungskonzept bestimmt sein müssen. Wer heute einen Neubau nach der aktuellen EnEV 2014 plant, muss außerdem nachweisen, dass die Gebäudehülle gut gedämmt und luftdicht ist – also der auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene, spezifische Transmissionswärmeverlust die festgelegten Höchstwerte nicht überschreitet. Gebäude sind so auszuführen, dass der erforderliche Mindestluftwechsel aus bautechnischen und hygienischen Gründen sichergestellt ist. Nachzuweisen ist dies sowohl für Neubauten als auch Bestandssanierungen in einem Lüftungskonzept gemäß DIN 1946-6: Raumlufttechnik - Teil 6: Lüftung von Wohnungen - Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung. Auch der Jahresprimärenergiebedarf zum Beheizen, für die Warmwasserbereitung und die Beleuchtung muss unter der erlaubten Höchstgrenze eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung liegen.

Mit dem Einsatz erneuerbarer Energien für die Gebäudetechnik lassen sich die Zielvorgaben der EnEV deutlich leichter erreichen als mit fossilen Energieträgern, da diese bei bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs mit höheren Primärenergiefaktoren bewertet werde. Bei Gas und Öl beispielsweise beträgt der Faktor 1,1, bei Wärmepumpen je nach Jahresarbeitszahl zwischen 0,4 und 0,6, bei Holz nur 0,2. Zudem kann Strom aus erneuerbaren Energiequellen vom Endenergiebedarf abgezogen werden. Die stromerzeugende Anlage muss allerdings in „unmittelbarem räumlichen Zusammenhang“ mit dem Gebäude stehen. Außerdem ist der produzierte Strom vorrangig für den eigenen Bedarf im Gebäude zu verwenden und nur der überschüssige Strom darf ins öffentliche Netz eingespeist werden.

Mittlerweile lassen sich erneuerbare Energiequellen auf vielfältige Weise nutzen. Beispielsweise kann die Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung über eine solarthermische Anlage erfolgen – ebenso geeignet sind Wärmepumpen, Holzpelletkessel oder Blockheizkraftwerke.

Anlagen der Heizungs-, Kühl- und
Raumlufttechnik sowie der Warmwasserversorgung
Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden und deren Nennleistung mindestens vier Kilowatt und höchstens 400 Kilowatt beträgt, dürfen nur eingebaut bzw. aufgestellt werden, wenn sie die CE-Kennzeichnung besitzen. Zentralheizungen müssen mit zentralen, selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur Verringerung und Abschaltung der Wärmezufuhr sowie zum Ein- und Ausschalten elektrischer Antriebe in Abhängigkeit von Außentemperatur und Zeit versehen sein. Auch andere heizungstechnische Anlagen mit Wasser als Wärmeträger müssen mit selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur raumweisen Regelung der Temperatur ausgestattet sein.

Beim Einbau von Klimaanlagen mit einer Nennleistung für den Kältebetrieb von mehr als
zwölf Kilowatt und raumlufttechnischen Anlagen, die für einen Volumenstrom der Zuluft von
wenigstens 4.000 Kubikmeter je Stunde ausgelegt sind, sowie bei der Erneuerung von Zentralgeräten oder Luftkanalsystemen solcher Anlagen müssen diese so eingerichtet sein, dass die auf das Fördervolumen bezogene elektrische Leistung der Ventilatoren die festgelegten Grenzwerte nicht überschreitet.

Die installierten Anlagen müssen selbsttätig wirkende Regelungseinrichtungen besitzen, bei denen getrennte Sollwerte für die Be- und die Entfeuchtung eingestellt werden können und als Führungsgröße mindestens die direkt gemessene Zu- oder Abluftfeuchte dient. Die technischen Komponenten, die den Wirkungsgrad beeinflussen, sind durch regelmäßige energetische Inspektionen zu überprüfen.

Nachrüstung bestehender Anlagen
Eigentümer von Gebäuden sind verpflichtet, veraltete Heizkessel auszutauschen. Öl- und Gaskessel, sogenannte Konstanttemperaturheizkessel, die vor 1985 eingebaut wurden, sind gegen neue sparsamere Modelle auszutauschen; Kessel mit Einbaudatum späteren Datums müssen nach dreißig Jahren Betriebslaufzeit ersetzt werden. Dasselbe gilt für Heizungsanlagen, die nach dem 1. Januar 1985 eingebaut wurden. Ausgenommen von dieser Regelung sind Niedertemperatur- und Brennwertkessel. Zusätzlich ist vorgeschrieben, dass bisher ungedämmte, zugängliche Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen bei heizungstechnischen Anlagen sowie Armaturen, die sich nicht in beheizten Räumen befinden, zur Begrenzung der Wärmeabgabe zu dämmen sind.

Mit einer weiteren Novellierung von Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und EnEV strebt die Bundesregierung das „klimaneutrale Gebäude“ an, welches dem Konzept der Niedrigstenergiebauten der EU-Gebäuderichtlinie (Directive on Energy Performance of Buildings – EPBD) folgt. Der Trend geht zum sogenannten Plusenergiehaus, das in seiner Jahresenergiebilanz mehr Energie erzeugt als es verbraucht.

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