Herstellung: Webverfahren

Nach der Art der Herstellung können Webteppiche unterteilt werden in Flachgewebe (zweidimensional) und Polteppichböden (dreidimensional). Flachgewebe sind textile Bodenbeläge aus Kett- und Schussfäden ohne polbildendes Fadensystem. Polteppichböden hingegen bestehen aus einem Grundgewebe und einem Pol (Flor), wobei das Grundgewebe und die Polschicht in einem einzigen Arbeitsgang hergestellt werden.

Gallerie

Beim maschinellen Webvorgang werden die Kettfäden aufgeteilt, d.h. durch entsprechende Vorrichtungen zum Teil gesenkt, zum Teil angehoben (Bild 1). Dadurch entsteht eine Öffnung zwischen den Kettfäden, das sogenannte Webfach. Durch dieses Webfach gleitet ein Schütze, der den Schussfaden einträgt. Durch wechselndes Heben und Senken der Kettfäden liegen diese abwechselnd über bzw. unter dem Schussfaden. Es entstehen Fadenverkreuzungen, die Bindung.

Gewebte Teppichböden können auf unterschiedliche Arten hergestellt werden: Es gibt das Rutenwebverfahren, die Axminsterwebtechnik und das Doppelstuhlverfahren. Allen gemein ist, dass sie eine trittschalldämmende Wirkung haben: Je nach Konstruktion, Dicke und Verlegeart sind Trittschallverbesserungsmaße von 20 bis 30 dB möglich, bei Sonderbelägen bis zu 40 dB.

Rutenwebverfahren
Die größte Marktbedeutung haben Rutenteppichböden, die mit sogenannten Schaft-Ruten-Webmaschinen hergestellt werden. Hierbei werden über die gesamte Warenbreite Stahlruten, die unterschiedliche Form und Größe haben können, in das Webfach eingelegt. Damit wird erreicht, dass das Kettgarn nicht nur um den Schuss geschlungen, sondern durch die gleichzeitig eingelegte Metallrute zu einer Schlinge geformt wird. Sobald die Polkettfäden unter den Ruten fest eingebunden sind, werden diese wieder herausgezogen, so dass entsprechend der Rutenform und -größe unterschiedlich hohe oder dichte Schlingen entstehen. Diese Art des Rutenteppichs wird Zugrutenteppich genannt (Bild 2).

Farblich gemusterte Teppiche lassen sich mit dem Schaft-Ruten-Webverfahren nicht herstellen, da die den Pol bildenden Fäden nur gesamt gehoben und gesenkt werden. Für die Musterbildung muss aber jeder Faden einzeln und unabhängig voneinander bewegt werden können. Ein Verfahren, bei dem die einzelnen Polfäden direkt angesteuert können, ist das Jacquard-Ruten-Verfahren. Mit ihm können endlose Muster von beliebiger Komplexität hergestellt werden. Die in diesem Verfahren gemusterte Velours-Ware wird auch Tournay oder Wilton genannt. Im Jacquard-Ruten-Verfahren gemusterte Bouclé-Ware wird auch Brüssel genannt.

Eine weitere Variante des Rutenteppichs ist der Schnittrutenteppich. Befindet sich am Ende der Rute ein Messer, wird der Flor beim Herausziehen der Rute aufgeschnitten. Es entsteht ein Schnittpolteppich oder eine Kombination aus Schnittpol- und Schlingenteppich.

Axminsterwebtechnik
Unter dem Begriff Axminsterteppich werden drei verschiedene Herstellverfahren zusammengefasst: Chenille-Axminster, Royal-Axminster und Greifer-Axminster. Das verbreitetste Verfahren ist die Greifertechnik. Dabei werden statt einer Endlospolfadenkette Polfadenenden in das Grundgewebe eingebracht. Entgegen der klassischen Schuss- und Kettweberei (Schaft und Jacquard) gibt es keine toten Chore. Darüber hinaus bietet das Verfahren nahezu unbegrenzte und aufwendige Musterungsmöglichkeiten. Die Teppiche können mit glattem Rücken oder durchgewebt hergestellt werden, d.h. die Flornoppen sind dann auf der Rückseite sichtbar.

Doppelstuhlverfahren
Doppelwebteppichböden werden auf einem Doppelwebstuhl ohne Ruten gearbeitet. Dabei werden gleichzeitig zwei Teppiche gefertigt, die in Musterung und Qualität identisch und mit dem Flor einander zugekehrt sind. Sie werden durch einen Polkettfaden verbunden, der noch auf der Webmaschine durch eine sich hin- und herbewegende Messerscheibe genau in der Mitte durchtrennt wird. Es entstehen eine Ober- und eine Unterware. Auf beiden ist das Teppichmuster durchgewebt und auch auf der Rückseite sichtbar.

Bildnachweis: Textiles und Flooring Institute, Aachen (1,2); Tretford, Wesel (3-6)

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