Betondeckung

Schutzschicht für Verbund, Dauerhaftigkeit und Brandfall

Im Stahlbetonbau sichert die Betondeckung den Verbund zwischen Beton und Stahl und schützt die Bewehrung vor Korrosion. Außerdem verzögert eine ausreichend starke Betonschicht im Brandfall die Erwärmung der Bewehrung. Damit der Schutz möglichst lange hält, ist neben der Dicke der Überdeckung ist die Betonqualität der oberflächennahen Zone entscheidend.

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Randbeton als sensible Zone

Der sogenannte Randbeton, also der Bereich zwischen Bauteiloberfläche und Bewehrung, bildet die eigentliche Barriere gegen Kohlendioxid, Feuchtigkeit, Chloride und andere schädigende Stoffe. Seine Qualität hängt wesentlich von Verdichtung und Nachbehandlung ab. Wird der Beton hier unzureichend verdichtet oder trocknet er zu früh aus, entstehen Poren und Frühschwindrisse. Solche Schwachstellen öffnen Schadstoffen den Weg zur Bewehrung. Die Wirksamkeit der Betondeckung ist somit abhängig von der Ausführungsqualität.

Ist die Betondeckung zu gering oder in ihrer Qualität geschwächt, können Kohlendioxid oder Chloride bis zur Bewehrung vordringen. Die Passivschicht des Stahls bricht zusammen (Depassivierung) und er beginnt, unter Einfluss von Feuchtigkeit und Sauerstoff zu korrodieren. Da Rost mehr Volumen einnimmt als Stahl, entstehen innere Spannungen. Sichtbar werden sie als Rostfahnen, längs verlaufende Risse und Abplatzungen.

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Bemessung der Betondeckung

Für die Stärke der Betondeckung gibt es keine pauschalen Standardwerte. Sie ergibt sich aus den Randbedingungen des Bauteils. Eine Rolle spielen Bewehrungsstabdurchmesser (ds), Brandschutzanforderungen und vor allem Beanspruchung und Umwelteinwirkungen. Innenliegende, trockene Bauteile stellen andere Anforderungen als solche an Fassaden, Balkonen, Sockeln oder Flächen mit Tausalzbelastung. Expositionsklassen ordnen diese Bedingungen systematisch und bilden damit eine Planungsgrundlage für Betondeckungen und Betonqualität. 

Besonders anspruchsvoll sind Bauteile mit Chloridbelastung, etwa durch Tausalze. Auch mechanisch beanspruchte Flächen können zusätzliche Schutzschichten erfordern. Hinzu kommt der Brandschutz: Da Bewehrungsstahl bei hohen Temperaturen rasch an Festigkeit verliert, wirkt die Betondeckung im Brandfall als thermische Schutzschicht. Daraus können sich ebenfalls größere Deckungsmaße ergeben.

Ein wichtiges Kriterium ist darüber hinaus die Art der Oberfläche. Soll diese ausgewaschen, scharriert, gestockt oder anderweitig bearbeitet werden, ist zu berücksichtigen, dass durch die Bearbeitung Material abgetragen wird. Entsprechend ist eine sogenannte Opferschicht einzuplanen. Größere Zuschläge sind außerdem bei einer Betonage gegen unebene Flächen oder direkt gegen den Baugrund erforderlich.

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Von der Planung auf die Baustelle

In der Planung wird mit dem Nennmaß (cnom) gearbeitet. Es setzt sich aus dem technisch notwendigen Mindestmaß (cmin) und einem Zuschlag für Ausführungstoleranzen (Δc) zusammen. Auf Bewehrungszeichnungen sind daher das Nennmaß und das Verlegemaß (cv) anzugeben. Ob dieses Maß auf der Baustelle eingehalten wird, hängt wesentlich von Lage und Stabilität der Abstandhalter ab. Sie halten die Bewehrung in Position und sichern den Abstand zur Schalung. Kritisch sind dicht bewehrte Bereiche, große Bodenplatten oder Bauteile mit Gefälle. Dort sind eine sorgfältige Ausführung und Kontrolle besonders wichtig.

Für Architekt*innen ist die Betondeckung ein frühes Planungsthema. Sie beeinflusst Bauteildicken, Detailausbildungen, Oberflächenbearbeitungen sowie Anforderungen an Ausschreibung und Bauüberwachung. Gerade bei schlanken Bauteilen, Sichtbetonflächen und Außenbauteilen muss sie früh mitgedacht werden. Sehr große Schichtdicken können die Rissneigung an der Oberfläche erhöhen. Gefragt ist daher eine abgestimmte Planung, die Dauerhaftigkeit, Gestaltung und Ausführung zusammenführt.

Fachwissen zum Thema

Kartierung der Instandsetzungsflächen an der Westfassade (links) und an der Südfassade (rechts) des Beckerturms der Becker-Brauerei in St. Ingbert

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Forschung

Blicke unter die Betondeckung

Wie verhalten sich Instandsetzungen im Laufe der Zeit? Dieser Frage gingen Forschende der Hochschule RheinMain nach.

Im Straßenbau zählen Fahrbahndecken und Brücken zu den besonders frost- und tausalzbeanspruchten Betonbauteilen.

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Schäden

Frost und Taumittel

Frost-Tau-Wechsel und Tausalze können Beton und Bewehrung stark zusetzen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Dauerhaftigkeit von Betonbauteilen zu steigern.

Eine Bodenradarsonde ermöglicht die zerstörungsfreie Ortung von Bewehrung und Fehlstellen.

Eine Bodenradarsonde ermöglicht die zerstörungsfreie Ortung von Bewehrung und Fehlstellen.

Instandsetzung

Zerstörungsfreie Betonprüfung

Spezielle Messgeräte und bildgebende Software machen sichtbar, in welchem Zustand sich Beton und Bewehrung von Bestandsgebäuden befinden.

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Betondeckungneu

Freiliegende Bewehrung infolge abgeplatzter Betondeckung mindert Schutzwirkung und Dauerhaftigkeit des Bauteils.

Freiliegende Bewehrung infolge abgeplatzter Betondeckung mindert Schutzwirkung und Dauerhaftigkeit des Bauteils.

Wie dauerhaft und widerstandsfähig Stahlbeton bleibt, hängt wesentlich von der Betondeckung und der Qualität des Randbetons ab.

Aufgaben der Bewehrung

Die Bewehrung geht einen Verbund mit dem Beton ein, um dessen Tragwirkung zu verstärken.

Die Bewehrung geht einen Verbund mit dem Beton ein, um dessen Tragwirkung zu verstärken.

Die Bewehrung sorgt dafür, das Betonbauteile nicht nur Druck-, sondern auch Zugkräfte aufnehmen können.

Korrosionsschutz

Eine zu geringe Betonüberdeckung erhöht das Korrosionsrisiko.

Eine zu geringe Betonüberdeckung erhöht das Korrosionsrisiko.

Eine abgestimmte Betonrezeptur, eine ausreichend starke Überdeckung sowie Beschichtungen können ein Rosten der Bewehrung verhindern.

Spannbeton

In Spannbeton ausgeführter Vorlandbrückenbereich der Metro-Brücke über das Goldene Horn (Entwurf: Michel Virlogeux; Ausführung: Hakan Kiran; Tragwerksplanung: Wiecon)

In Spannbeton ausgeführter Vorlandbrückenbereich der Metro-Brücke über das Goldene Horn (Entwurf: Michel Virlogeux; Ausführung: Hakan Kiran; Tragwerksplanung: Wiecon)

Vorgespannte Stahlbewehrungen ermöglichen schlankere Bauteile und größere Stützweiten.

Stahlbewehrung

Stahlbewehrung

Stahl ist das älteste und am meisten verwendete Bewehrungsmaterial für Beton. Erfinder der Stahlbewehrung war der Franzose Joseph...

Textilbewehrung

Textilbewehrungen erlauben dünnwandige Bauteile auszubilden, da die nicht-rostenden Matten verglichen mit Stahlbewehrungen eine deutlich geringere Betondeckung benötigen.

Textilbewehrungen erlauben dünnwandige Bauteile auszubilden, da die nicht-rostenden Matten verglichen mit Stahlbewehrungen eine deutlich geringere Betondeckung benötigen.

Anders als Stahlbewehrungen rosten die Gelege aus Carbon-, Glas oder Basaltfasern nicht.

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