Rathaus Den Helder

Marinebauten revitalisiert

Auf zwei Gebäude einer ehemaligen Werftanlage im historischen Hafen von Den Helder sind heute die Funktionen des Rathauses der niederländischen Gemeinde verteilt. Diese befindet sich an der Spitze der Provinz Nordholland und ist nur durch eine Meerenge von der Insel Texel getrennt. Dass eine so wichtige Funktion in die einst zur Königlichen Marinewerft Willemsoord gehörigen Bauten umgezogen ist, hat weitreichende Folgen für Den Helder: Das seit Mitte der neunziger Jahre ungenutzte Areal ist wiederbelebt, ein neuer Ausgangspunkt für die Stadtentwicklung entstanden. Die Umwandlung und Sanierung der sehr unterschiedlichen Bestandsgebäude erfolgte durch Office Winhov aus Amsterdam in Zusammenarbeit mit Van Hoogevest Architecten aus Amersfoort.

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Alte Hallen und ein Stahlbetongerüst

Als kommunaler Verwaltungssitz dient heute ein dreigeschossiges Gebäude aus Beton und Stahl – ursprünglich eine Segeltuchfabrik, errichtet nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die repräsentativen und öffentlichen Funktionen sind in eingeschossigen Hallen untergebracht, in denen früher Schiffsmasten gefertigt und gelagert wurden. Sie entstammen dem frühen 19. Jahrhundert. Mit Außenwänden aus Ziegelmauerwerk, einem eindrucksvollen hölzernen (Dach-)Tragwerk und schiefergedeckten Walmdächern stehen sie unter Denkmalschutz.

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Gebäude 66: Holzkonstruktion und Schieferdächer

Der ausgedehnte Komplex, bezeichnet als Gebäude 66, bietet mit einem nahezu quadratischen Grundriss hohe Flexibilität. Eine von vier parallel angeordneten Hallen (die jeweils Platz für ein Schiff boten) bleibt frei von Einbauten und dient als Verteiler: Dort befindet sich der Empfang. Der große Ratssaal bildet das zentrale Element, zudem gibt es einen Trausaal, ein Arbeitscafé, ein Tagungszentrum und eine Reihe kleinerer Räume.

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Neue Räume in dunklen Farben

Die historische Holzkonstruktion bleibt einsehbar, und auch das Ziegelmauerwerk ist roh belassen. Neue Oberlichter erhellen das alte Tragwerk und die ergänzten Einbauten, reliefierte Wände in dunklem Grün, Blau, Violett und Grau, inspiriert von den Farben der Küste. Ausgestattet mit Nischen für Sitzbänke, markieren sie verschiedene Nutzungen und grenzen diese ab. Der Kontrast der patinierten Bausubstanz mit darauf abgestimmten, klar konturierten Formen erzeugt eine gediegene, wechselvolle und zugleich warme Atmosphäre. Die überwiegend hölzernen Einbauten übernehmen auch akustische Funktionen und bieten Platz für technische Installationen. 

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Gebäude 72: Stahlbetonskelett mit Stahlfassade

Vom Gebäude 72, das heute die Büros der Stadtverwaltung beherbergt, blieb nur das Stahlbetonskelett erhalten. Eine kastanienbraune Stahlfassade mit großen Fenstern füllt die Struktur an den Außenseiten. Herzstück der Verwaltung mit rund 250 flexiblen Arbeitsplätzen und Beratungszonen auf drei Ebenen ist ein Atrium als Luftraum über alle Geschosse. Durch dessen Oberlichter und über die Fassade gelangt reichlich Tageslicht in alle Bereiche, und die Beschäftigten haben Ausblick über das im Wandel befindliche ehemalige Hafengebiet. Die notwendigen technischen Installationen liegen im Fußbodenaufbau verborgen, die raue Betonkonstruktion bleibt erfahrbar. 

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Nachhaltiges Energiekonzept

Neben der Umnutzung und Revitalisierung der vorhandenen Bausubstanz ist auch die Gebäudetechnik nachhaltig konzipiert. So verfügt das Rathaus Den Helder über einen eigenen Wärme- und Kältespeicher. Das flach geneigte Dach des Verwaltungsbaus ist vollständig mit Solarpaneelen ausgestattet. Die Dämmung ist überall dort optimiert, wo sie nicht die erhaltenswerten Merkmale beeinträchtigt. 

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Aufbau Schieferdächer

Die Dachneigung der vier langgestreckten Dächer der ehemaligen Mastenhalle beträgt etwa 35°. Unter Berücksichtigung der historischen Konstruktion und den lichten Abständen bestehender Holzbalken (Gurte) wurden Dachfenster mit Stahlprofilen und Isolierverglasung eingebaut. Diese sind mindestens dreißig Minuten brandbeständig und durch Dachrinnen aus Aluminium von der Schieferdeckung getrennt. Auf der Innenseite befindet sich ein elektronisch regelbarer Sonnenschutz.

Raumseitig beginnt der Dachaufbau mit einer Akustikplatte (Sichtfläche: matt lackierte Eiche) zwischen den historischen Dachsparren. Darüber ist eine Brandschutzplatte zwischen die Holzbalken (Querschnitt 16 x 11,5 cm) eingebaut. Auf eine Hinterlüftung (22 mm) folgen die Dampfbremsfolie, eine 80 mm starke Mineralwolledämmung und die Abdichtungsbahn. Die Schiefer im Format 25/35 cm sind als Rechteckdeckung mit Haken auf einer Lattung mit Konterlattung befestigt. In den Kehlen zwischen den Dächern wird das Regenwasser über neue Dachrinnen aus Zink abgeführt und über gedämmte Rohre nach innen entwässert. An den Traufseiten bleiben die breiten historischen Dachrinnen oberhalb des Mauerwerks erhalten. -us

Bautafel

Architektur: Office Winhov, Amsterdam & Van Hoogevest Architecten, Amersfoort
Projektbeteiligte: Team Office Winhov: Jan Peter Wingender, Anna Tabellini, Niek de Rond, Charles Hueber, Leon Kentrop, Anna Janssen, Martijn van Wijk; Team Van Hoogevest Architects: Jacqueline van Dam, Maarten Bakker, Ronald Veltman, Henk van Rossum; Friso Bouwgroep, Sneek (Bauunternehmen), Jurriëns Noord, Groningen (Restaurierungsarbeiten); Pranger Rosier Installaties, Unica (Gebäudetechnik); ABT, Velp (Ingenieure); W4Y Adviseurs, Harderwijk (Energieberatung); Cauberg Huygen, Amsterdam (Bauphysik); Edith van Berkel, Amsterdam (Teppichdesign); Janno Hahn, Amsterdam (Wegeführung & Signaletik)
Bauherr: Stadtverwaltung Den Helder, Niederlande
Fertigstellung: 2023
Standort: Willemsoord, Buildings 66 & 72, Den Helder, Niederlande
Bildnachweis: Max Hart Nibbrig, Stefan Müller

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