Rauchabzug und Sprinkler in Kombination

Der Brandschutz dient unterschiedlicher Schutzziele, wie z.B. dem Personen-, dem Sach- und dem Umweltschutz. Anlagentechnische Maßnahmen wie Sprinkler oder Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) leisten zum Erreichen dieser Schutzziele ihren Beitrag. Die früher befürchtete mögliche negative Auswirkung dieser beiden Systeme aufeinander ist nachgewiesenermaßen nicht gegeben. Es ist vielmehr grundsätzlich davon auszugehen, dass die Kombination von Sprinkler- und Rauch- und Wärmeabzugsanlagen vorteilhaft ist.

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Der Begriff Rauch- und Wärmeabzug verbindet zwei Aufgabenfelder. In der Entstehungsbrandphase werden Rauchgase abgeleitet. Fluchtwege zur Selbst- oder Fremdrettung sowie Angriffswege der Feuerwehr zum gezielten Löschangriff bleiben passierbar. In der Vollbrandphase wird durch zusätzliche Wärmeabführung die thermische Belastung auf die (tragenden) Bauteile verringert und damit deren Standzeiten verlängert.

Wasserlöschanlagen (Sprinkleranlagen) werden zum Löschen von Bränden durch Kühlung und Vorbenetzung der Brandlast und/oder zur Verringerung der Brandausbreitung eingesetzt. Die Löschwirkung einer Wasserlöschanlage entsteht durch Abkühlung des Brandgutes über Wärmeentzug in das Löschwasser hinein. Die Auslösung einer Wasserlöschanlage erfolgt dabei meist über Thermoelemente, die dafür einen ausreichend großen Temperaturanstieg verbunden mit einer entsprechenden Luftströmung benötigen.

Die Wirkung der beiden verschiedenen Anlagen auf den Personen-, Sach- und Umweltschutz ist unterschiedlich (siehe Tabelle). Die Wirkung einer Sprinkleranlage kann natürlich erst ab dem Zeitpunkt ihrer Aktivierung einsetzen. Bei niedrigen Raumhöhen und sofortiger, sehr intensiver Wärmefreisetzung ist davon auszugehen, dass die Aktivierung bereits nach einigen Minuten erfolgt. Bei einem sich eher langsam entwickelnden Entstehungsbrand und in Räumen mit größerer Höhe kann es aber wesentlich länger – zehn Minuten und mehr – dauern, bevor die Thermoelemente ansprechen. Wie die Feuerwehr täglich erlebt, entwickeln sich die meisten Brände aber zuerst langsam.

Dieses Auslöseverhalten gilt natürlich auch für die Öffnung der RWA, wenn diese ebenfalls über Thermoelemente erfolgt. Um eine wesentlich frühere Öffnung der RWA, möglichst zu Beginn der Entstehungsbrandphase, zu erreichen, ist die Aktivierung der RWA über Melder mit der Kenngröße Rauch generell sinnvoll. Damit sichergestellt ist, dass sich die Thermoauslösung der Sprinkleranlage auch bei schon aktivierter RWA noch in der Heißgasschicht befindet, sind diese möglichst deckennah anzuordnen. Unter Berücksichtigung dieser deckennahen Anordnung, in Verbindung mit der Bildung von Rauchabschnitten bei größeren Räumen, spricht der Sprinkler im Vergleich zu Räumen ohne RWA nicht wie früher befürchtet später an. In vielen Fällen reagiert der Sprinkler bei geöffneter RWA sogar früher (wegen verbesserter Wärmeübertragung der sich bewegenden Heißgasschicht). Die vorher übliche, um 18 Kelvin höhere Auslösetemperatur der RWA ist heute nicht mehr zu beachten. In einer Tabelle aus dem VdS-Merkblatt 2815 sind die zahlreichen Kombinationsbereiche von RWA und Sprinkler nachlesbar.

Bei der gemeinsamen Anwendung von RWA und Sprinkler gibt es nur zwei Einschränkungen. Es handelt sich dabei um die ESFR- und Feinsprühanlage. Die empfindliche ESFR-Sprinkleranlage ist eine nicht sehr verbreitete Sonderlöschanlage, bei der am einzelnen Sprinklerkopf ein erhöhter Wasserdruck anstehen muss. Hier würde unter Umständen eine frühzeitige Aktivierung von mehreren ESFR-Sprinklerköpfen zu einem Druckabfall und damit zu einer Verschlechterung der Wirkung der Löscharbeit führen. Unter Beachtung der in der Tabelle angegebenen Parameter ist aber auch bei der ESFR-Sprinkleranlage eine gemeinsame Anwendung mit einer RWA sinnvoll. Nicht verwechselt werden darf der Begriff ESFR mit dem sogenannten FR-Sprinkler-Fässchen (Fast Respond), welches als schnell ansprechendes Auslöseglied auch in Normal-Sprinkleranlagen eingesetzt wird. Hier bestehen nämlich keine speziellen Einschränkungen in der Kombination mit RWA.

Quelle: Fachverband Tageslicht und Rauchschutz (FVLR), Detmold

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