Kennzeichnung von Rettungswegen

Anforderungen nach MBO und für Sonderbauten

Die Kennzeichnung von Rettungswegen soll im Brandfall (oder anderen Gefahrenlagen, in denen eine Evakuierung nötig ist) Personen Orientierung zum kürzesten Fluchtweg bieten. In den meisten Verordnungen heißen solche Leitsysteme Sicherheitszeichen; charakteristisch sind Sicherheitsfarbe (grün) und Kontrastfarbe (weiß). Die Maße und Darstellungen sind geregelt durch die DIN 4844 Grafische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen Teil 1 und 2. Sicherheitszeichen müssen deutlich erkennbar, dauerhaft angebracht und häufig zusätzlich beleuchtet sein. Die Kennzeichnung der Rettungswege für Menschen mit Behinderungen regelt die DIN 18040 Barrierefreies Bauen. Hierbei können barrierefreie Informationen visuell (durch Sehen), auditiv (durch Hören) oder taktil (durch Fühlen und Tasten z. B. mit Händen, Füßen) wahrnehmbar gestaltet werden.

Gallerie

In Arbeitsstätten gelten die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A1.3), in denen die Sicherheits- und Gesundheitskennzeichnung geregelt ist. Anforderungen wie z.B. die Gestaltung und geometrische Darstellung werden im Kapitel 5 der Richtlinie beschrieben. Die von der Bauministerkonferenz veröffentlichte Musterbauordnung (MBO) stellt keine Anforderungen an die Kennzeichnung der Rettungswege, jedoch für Zu- und Durchfahrten sowie Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr müssen Kennzeichnungen von der öffentlichen Verkehrsfläche aus sichtbar sein. Eine Sicherheitsbeleuchtung muss gemäß § 35 (7) MBO in innenliegenden notwendigen Treppenräumen in Gebäuden mit einer Höhe nach § 2 Abs. 3 Satz 2 von mehr als 13 m vorhanden sein. Bei Sonderbauten müssen in den meisten Fällen die Rettungswege und ihre Kennzeichnungen beleuchtet bzw. hinterleuchtet und an eine Sicherheitsstromversorgung angeschlossen sein. Bei Sonderbauten im Sinne  des § 2 (4) MBO gelten die Muster-Richtlinien und Musterverordnungen der Bauministerkonferenz, die teilweise in den Bundesländern eingeführt sind.

Schulbau
Die Muster-Richtlinie über bauaufsichtliche Anforderungen an Schulen (MSchulbauR) besagt, dass an den Ausgängen zu notwendigen Treppenräumen oder Ausgängen ins Freie Sicherheitszeichen angebracht sein müssen. Zusätzlich müssen Hallen, durch die Rettungswege führen, notwendige Flure und Treppenräume sowie fensterlose Aufenthaltsräume beleuchtet sein (Sicherheitsbeleuchtung). Die Sicherheitsbeleuchtung muss an eine Sicherheitsstromversorgung angeschlossen sein.

Versammlungsstätten
Nach der Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (MVStättVO) müssen Ausgänge und sonstige Rettungswege durch Sicherheitszeichen dauerhaft und gut sichtbar gekennzeichnet sein. Eine Sicherheitsbeleuchtung muss so beschaffen sein, dass Arbeitsvorgänge auf Bühnen und Szenenflächen sicher abgeschlossen werden können und alle befindlichen Personen bei völligem Versagen der allgemeinen Beleuchtung bis zur öffentlichen Verkehrsfläche gelangen können. Im § 15 (2) der MVStättVO ist genau beschrieben, wo sich eine Sicherheitsbeleuchtung befinden muss. Auch eine Sicherheitsstromversorgung muss vorhanden sein.

Verkaufsstätten
In der Muster-Verkaufsstätten-Verordnung (MVkVO) wird gefordert, dass an Kreuzungen der Ladenstraßen und der Hauptgänge sowie an Türen im Zuge von Rettungswegen deutlich und dauerhaft eine Beschilderung der Ausgänge vorhanden sein muss. Diese muss beleuchtet sein. Die Rettungswege sowie alle in § 18 (2) MVkVO aufgelisteten Bereiche müssen beleuchtet und an eine Sicherheitsstromversorgungsanlage angeschlossen werden.

Hochhäuser
Die Rettungswege in Hochhäusern müssen laut Muster-Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern (MHHR) durch Sicherheitszeichen dauerhaft und gut sichtbar gekennzeichnet sein. Die Sicherheitsbeleuchtung muss in Rettungswegen, in Vorräumen von Aufzügen und für Sicherheitszeichen von Rettungswegen vorhanden und an eine Sicherheitsstromversorgungsanlage angeschlossen sein.

Beherbergungsstätten
An Abzweigungen notwendiger Flure, an Zugängen zu notwendigen Treppenräumen und an Ausgängen ins Freie ist gemäß der Muster-Beherbergungsstättenverordnung (MBeVO) mit Sicherheitszeichen auf die Ausgänge hinzuweisen. Eine Sicherheitsbeleuchtung muss in den notwendigen Treppenräumen und Fluren sowie an Stufen in notwendigen Fluren, in Räumen zwischen notwendigen Treppenräumen und Ausgängen ins Freie und an Sicherheitszeichen vorhanden sein. Die Sicherheitsbeleuchtung muss eine Sicherheitsstromversorgung haben, die bei Ausfall der allgemeinen Stromversorgung übernimmt.

Garagen
Mittel- und Großgaragen (Nutzfläche > 100 m²) müssen gemäß der Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Garagen (MGarVO) dauerhafte und leicht erkennbare Hinweise auf die Ausgänge haben. In Großgaragen (Nutzfläche > 1000 m²) müssen die zu den notwendigen Treppenräumen oder zu den Ausgängen ins Freie führenden Wege auf dem Fußboden durch dauerhafte, leicht erkennbare Markierungen sowie an den Wänden durch beleuchtete Hinweise gekennzeichnet sein.

Die aufgelisteten Muster-Richtlinien und Musterverordnungen sind keine bundesweit eingeführten Gesetzestexte. Je nach Bundesland kann es abweichende Rechtsvorschriften geben, die berücksichtigt werden müssen.

Bereits in einigen Objekten sind die Sicherheitskennzeichnungen am unteren Ende der Wände angebracht, wie es auch in Flugzeugen vorkommt. Dies hat den Zweck, dass beim Auftreten von Rauch, der sich zunächst oben sammelt, die Beschilderung möglichst lange erkennbar bleibt. Der im Anfangsstadium noch vorhandene Restsauerstoff ist zudem nur unten verfügbar, sodass eine Flucht nur im Kriechgang gelingen kann und die Sicherheitszeichen die Anforderung einer deutlichen Erkennbarkeit erfüllen.

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