Passeig de la Boca de la Mina in Reus
Promenade mit Wasserlauf
Ursprünglich führte der Passeig de la Boca de la Mina, die Promenade der Minenmündung, aus der katalonischen Stadt Reus hinaus zu den Mühlen der Region. Dabei folgt die Route einem Kanalsystem aus dem 18. Jahrhundert. Noch heute liefert die unterirdische Mina d’Aigua, eine alte Stollenanlage, zwischen 10 und 25 Prozent des städtischen Wasserbedarfs, insbesondere für die landwirtschaftliche Nutzung. 2022 hat das Landschafts- und Architekturbüro Batlleiroig den historischen Spazierweg neugestaltet und dabei auch die lokale Wasserinfrastruktur sichtbar gemacht.
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Seit dem 19. Jahrhundert ist die Promenade im Nordwesten von Reus ein wichtiger Erholungsraum. Seine Qualitäten verdankt das grüne Band vor allem der Nähe zum Stadtzentrum und der Mischung aus schattenspendenden Pflanzen und historischen Artefakten. Entlang des ehemaligen Mühlenwegs säumen bürgerliche Landhäuser und Platanen den Weg. Viele der katalanisch-modernistischen Gebäude wurden von dem ortsansässigen Architekten Pere Caselles entworfen.
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In unmittelbarer Nähe zur Promenade, in einem leicht geneigten Tunnel, fließt Regenwasser aus dem Prades-Gebirge bis zur Boca de la Mina, dem „Mund der Mine“. Hier tritt das Wasser an die Oberfläche. Durch die Wiederherstellung der Promenade wollten die Architekt*innen die zuvor unsichtbare Infrastruktur zurück ins Bewusstsein der Stadtgemeinschaft holen und auf Fragen der Ressourcenknappheit und des Klimawandels aufmerksam machen. Angesichts zunehmender Dürreperioden in Katalonien, die im nahegelegenen und über die Jahre geschwächten Riudecanyes-Stausee sichtbar werden, drängte eine Instandsetzung der bewehrten Systeme mehr denn je.
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Auf 1.275 Kilometern kombinierten die Planenden historische und ökologische Elemente: Der Boden besteht aus sandigem, barrierefreiem Pflaster. Der minimal gestaltete Belag soll einerseits die charakteristischen Platanen der Allee in den Vordergrund rücken. Zudem ermöglicht er eine Versickerung und folglich eine natürliche Bewässerung der umliegenden Bäume. Ein neuer Abschnitt leitet das Regenwasser über ein vorhandenes Quergefälle durch neu gestaltete seitliche Kanäle zu den Rückhalte- und Versickerungsstellen, darunter einem 15 Kubikmeter großen Speicherbecken unter dem Platz Àngels Ollé.
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Entlang der Promenade vermitteln Tafeln und Aufenthaltsorte wie der Font del Lleó, ein in die Ziegelwand integrierter Brunnen, Informationen über die Geschichte des Grünraums. Der öffentliche Obstgarten Jardí Agrari dient als Lernort für traditionelle, mediterrane Landwirtschaft. Hier wird das Wissen um den Anbau von Feldfrüchten erhalten und weitergegeben.
Für die Bodenflächen, Sitzmöglichkeiten und weiteren architektonischen Elemente nutzten die Planenden regionaltypische Handstrichziegel in verschiedenen Größen und Formaten. Das Material schafft Bezüge zur lokalen Baukultur und spiegelt sich auch in den umliegenden Mauern und Gebäuden wider. Am nördlichen Ende der Promenade befindet sich die Boca de la Mina, die Austrittstelle des Wassers. Die einstige Trinkwasserquelle war zugleich Treffpunkt und Standort eines Marktes. Heute ehrt die Statue einer Anisschnapsverkäuferin das kulturelle Zentrum von damals.
Bautafel
Architektur: Batlleiroig Arquitectura (Enric Batlle Durany, Joan Roig i Duran, Iván Sánchez Fabra, Joan Batlle Blay, Mario Súñer Díaz)
Projektbeteiligte: Mercè Lorente i Gras, Isabel Pérez Manén (Design-Team); Bárbara Freire Ares, Lina Florez, Marta Ines Cot (Landschaftsarchitektur); Laura Luque Pan, Gemma Ramon Mestre (Gebäudetechnik); Yago Cavaller Galí (Agrartechnik und Umweltwissenschaften); SBS Simón i Blanco (Ingenieurwissenschaften)
Bauherr*in: Ajuntament de Reus
Fertigstellung: 2022
Standort: Reus, Spanien
Bildrechte: Jordi Surroca, DEL RIO BANI (Fotos); Batlleiroig Arquitectura (Pläne)
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