Flussschwimmbad Grenelle in Paris
Schwimmen vor dem Eiffelturm
Über ein Jahrhundert lang war das Schwimmen in der Seine verboten. Die starke Verschmutzung des Wassers machte ein Bad im Fluss zur Gesundheitsgefahr. Doch seit Sommer 2025 ist das Baden mitten in Paris wieder möglich – dank umfangreicher Maßnahmen zur Reinigung und Modernisierung der Infrastruktur. Eines der neuen Flussbäder entwarf das Pariser Architekturbüro Mater Studio. Am ehemaligen Port de Grenelle schuf das Team eine saisonale Anlage, die rund 300 Menschen Zugang zur Seine bietet.
Galerie
Bevor das Schwimmen erlaubt wurde, musste der Fluss gründlich gereinigt werden. Den Anstoß für dieses große infrastrukturelle Unterfangen, den Fluss wieder „schwimmbar“ zu machen, gaben die olympischen Sommerspiele 2024; ein Teil der Schwimmwettkämpfe sollte in der Seine ausgetragen werden. Seit 2018 flossen 1,4 Milliarden Euro in die Verbesserung der Wasserqualität: 23.000 Wohnungen und 260 Hausboote wurden an die Kanalisation angeschlossen, Kläranlagen modernisiert und ein großes Regenrückhaltebecken gebaut. Die Maßnahmen zeigten ingesamt Wirkung. Zwar mussten 2024 noch einige Schwimmwettkämpfe wegen unzureichender Wasserqualität verschoben werden, doch 2025 erfüllte die Seine an den meisten Tagen die europäischen Wasserqualitätsstandards.
Galerie
Drei neue Flussbäder für Paris
Drei öffentliche Badestellen sollen das Flussschwimmen wieder in den Alltag der Pariser*innen integrieren. Von Juli bis Ende August ist das Baden hier unter Aufsicht möglich. Eine dieser Anlagen am ehemaligen Port de Grenelle entwarf und realisierte das Team von Mater Studio. Die Badeinfrastruktur ist saisonal ausgelegt und dementsprechend vollständig demontierbar. Auf einem ehemaligen Parkplatz am Flussufer, unweit des Eiffelturms, befinden sich landseitig Toiletten und Umkleiden, die in schwarzen Containern untergebracht sind. Eine vorgelagerte Holzpergola strukturiert den Außenraum, neben Schließfächern befinden sich hier auch Duschen.
Galerie
Schwimmende Plattform
Von der Holzterrasse führen zwei seitliche Rampen auf eine schwimmende, 415 Quadratmeter große Plattform. Von hier aus können Bersucher*innen in den Fluss springen oder steigen. Die U-förmige Konstruktion besteht aus einer Stahlstruktur, die auf Schwimmkörpern mit Auftriebssystem ruht. Der Boden ist mit fein geriffelten Holzdielen belegt. Die kürzere Seite der Plattform bietet Platz für Liegestühle unter einer Holzpergola, auf der größeren, gegenüberliegenden Seite ist mittig ein rechteckiges niedriges Schwimmbecken in die Konstruktion integriert, das Flussbaden auch für Kinder und Nichtschwimmer*innen zugänglich macht.
Galerie
Der insgesamt 950 Quadratmeter große und 60 Meter lange Schwimmbereich ist mit Bojen und Schwimmleinen im Fluss abgetrennt. Mittig im Fluss schwimmt eine weitere Plattform, die mit Holzdielen belegt und mit Gewichten am Flussboden fixiert ist.
Flexible Konstruktion
Der wechselnde Wasserstand der Seine stellte eine strukturell-technische Herausforderung dar. Gemeinsam mit den Schiffsbauingenieur*innen von Yacht Design Collective entwickelte Mater Studio eine Konstruktion, die sich an die Wasserhöhe anpasst. An zwei vertikalen Schienen, die an Betonblöcken am Kai verankert sind, kann die Plattform je nach Wasserstand nach oben oder unten gleiten. Gelenkige Rampen verbinden sie mit der Kaimauer: Hier dient eine fest in der Mauer verankerte Plattform als Übergang zwischen der Uferterrasse und den Erschließungsrampen, die jeweils an der Schmalseite mit einem Gelenk anschließen.
Galerie
Die größte gestalterische Herausforderung sahen die Architekt*innen darin, die Pariser*innen überhaupt zum Bad im Fluss zu begeistern. Ziel des Entwurfs war daher, Normalität auszustrahlen und Vertrauen herzustellen. Die prominenten gelben Geländer sollen an die Art-déco-Formen und -Muster der 1920er-Jahre erinnern, welche einst die ersten öffentlichen Schwimmbäder der Stadt prägten. Die Zahlen der ersten Sommermonate sprechen für sich: Trotz Regenwetter zogen die drei neuen Flussbäder im ersten Sommer über 80.000 Menschen an. Das Projekt ist somit ein gelebtes Vorbild auch für andere Hauptstädte. Seit über zehn Jahren setzt sich in Berlin eine Initiative dafür ein, dass in Zukunft auch in der innerstädtischen Spree gebadet werden kann. -hs
Bautafel
Architektur: Mater Studio, Paris
Projektbeteiligte: Yacht Design Collective, Paris (Schiffsbauingenieure); Nova Nautic, Port (Steg- und Brückenbau); Fayolle, Soisy-sous-Montmorency (Tiefbau; Betonverankerungen); ARL Concept Containers, Maugio (Container; Sanitär; Elektrik); Urbencéa, Tence (Geländer-, Metall-, Holzbau)
Bauherrschaft: Stadt Paris, Abteilung für Jugend und Sport
Standort: Port de Grenelle, 75015, Paris, Frankreich
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Joséphine Brueder / Ville de Paris (Fotos); Mater Studio, Paris (Fotos und Pläne)
Fachwissen zum Thema
Bauwerke zum Thema
BauNetz Wissen Wasserkreislauf sponsored by:
ACO GmbH
Am Ahlmannkai
24782 Büdelsdorf
Tel. +49 4331 354-700
www.aco.de
