Carré Belge in Köln

Grüne Terrassen als Beitrag zur klimaangepassten Stadt

Wenn innerstädtische Flächen knapp sind und der Raum für Grünanlagen begrenzt ist, kommt der architektonischen Integration von Gebäudegrün eine besondere Bedeutung zu. Ein Beispiel dafür ist das Carré Belge in Köln. Der von Ingenhoven Architects realisierte Stadtbaustein zeigt, wie sich durch die intensive Bepflanzung gestaffelter Terrassen grüne Freiräume innerhalb einer bestehenden Blockrandbebauung schaffen lassen. 

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Städtebaulicher Kontext

Das Carré Belge befindet sich am Hohenzollernring, einer innerstädtischen Hauptverkehrsstraße, rund einen Kilometer westlich des Kölner Doms. Der Gebäudekomplex entstand auf dem Gelände der ehemaligen Fernsehproduktionsstätte Capitol und umfasst neben einem Hotelneubau die Umnutzung eines denkmalgeschützten Bestandsgebäudes entlang des Hohenzollernrings. Insgesamt entstanden 186 Gästezimmer sowie rund 1.800 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Das sechsgeschossige Hotelgebäude wurde auf einer zuvor als Parkplatz genutzten Fläche im Innenhof errichtet und bildet den Mittelpunkt des Ensembles. Die Erschließung des Hotels erfolgt vom Hohenzollernring aus über eine Durchfahrt im Blockrand.

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Gestaffelte Kubatur mit begrünten Terrassen

Der Hotelneubau im Innenhof zeigt sich als kubisches Volumen, dessen Fassadenbild durch deutliche Vor- und Rücksprünge geprägt wird. Schmale, raumhohe Verglasungen sind in unregelmäßigen Abständen angeordnet und rhythmisieren die ansonsten flächig ausgebildete Fassade. Sie sorgen für eine natürliche Belichtung der Innenräume und setzen zugleich vertikale Akzente. Die geschlossenen Fassadenbereiche sind mit Sichtbetonplatten in vertikal strukturierter Holzschalungsoptik verkleidet. Das Zusammenspiel aus transparenten und geschlossenen Flächen sowie der Wechsel von Vor- und Rücksprüngen verleihen dem Baukörper eine differenzierte plastische Wirkung. Aus den Versprüngen entwickeln sich über mehrere Geschosse hinweg großzügige Terrassen, die das Volumen räumlich staffeln. Mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt, bilden sie begrünte Außenräume und prägen wesentlich das Erscheinungsbild des Hotelneubaus.

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Grüne Vielfalt für das Stadtklima

Die Begrünung umfasst insgesamt 114 überwiegend heimische Bäume und Sträucher, die künftig Wuchshöhen von bis zu sechs Metern erreichen sollen. Als geschützte Grünräume tragen die bepflanzten Flächen zur Verbesserung des Mikroklimas bei: Sie binden Staubpartikel, erhöhen die lokale Luftfeuchtigkeit und können durch Verschattung und Verdunstung die Aufheizung der Umgebung reduzieren. Zugleich bieten sie Lebensräume und Nahrungsangebote für Insekten und Vögel und leisten damit einen Beitrag zur urbanen Biodiversität.

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Blau-grüne Infrastruktur

Für die technische Umsetzung kam eine Funktionsbegrünung von Optigrün zum Einsatz. Das integrierte Retentionsdachsystem unterstützt die Rückhaltung und verzögerte Ableitung von Niederschlagswasser und ergänzt die Vegetationsflächen um eine Funktion des nachhaltigen Regenwassermanagements. Damit werden die Dach- und Terrassenflächen zu einem Bestandteil der blau-grünen Infrastruktur des Quartiers.

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Fazit

Das Projekt zeigt, wie sich durch die Kombination aus baulicher Nachverdichtung, Bestandsumnutzung und mehrgeschossiger Begrünung zusätzliche ökologische und freiräumliche Qualitäten auf bislang versiegelten oder baulich genutzten Flächen schaffen lassen.

Bautafel

Architektur: Ingenhoven Architects
Projektbeteiligte: Christoph Ingenhoven (Entwurfsverfasser); Hinrich Schumacher, Marco Ossmann, Bastian Scholz, Maximo Victoria, Barbara Bruder, Dariusz Szczygielski, Peter Pistorius, Andreas Crynen, Elisabetta Sotgiu, Marko Salapura, Till von Roetel, Caroline Nathusius (Projektteam); Enea Landschaftsarchitektur (Landschaftsarchitektur); Optigrün (Systemlösung: Retentionsdach Drossel); Proximus Real Estate (Projektentwickler)
Bauherr*in: Objektgesellschaft Capitol 
Fertigstellung: 2021
Standort: Hohenzollernring 79 - 87, 50672 Köln
Bildnachweis: Christoph Ingenhoven / HGEsch

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