Eierhäuschen in Berlin

Ausflugslokal revitalisiert

Wer mit dem Rad vom Schlesischen Tor in Berlin-Kreuzberg an der Lohmühleninsel und dem Treptower Park vorbei Richtung Spreepark und Plänterwald fährt, erlebt, wie der Trubel der Stadt allmählich abnimmt. Der Lärm verebbt, Fahrzeuge, Gebäude und Menschen werden weniger. Stattdessen rückt das Spreeufer näher, Wiesen und Bäume werden dichter. Bis zum Ausflugsziel Eierhäuschen führt der Weg ein Stück durch den Wald und vorbei am sich entwickelnden Spreeparkareal. Dort angekommen, etwas erhöht und mit Blick auf das Wasser, lädt der denkmalgeschützte Bau mit großzügigem Freibereich zur Rast ein. Nach einer grundlegenden Instandsetzung und Erweiterung durch dhl-architekten erstrahlt das Eierhäuschen in neuem Glanz.

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Das Eierhäuschen im Laufe der Zeit 

Das 1890/91 nach dem Entwurf von Karl Frobenius im Stil eines Schweizerhauses entworfene Gebäude hatte mehrere Vorgänger, die durch Brände zerstört wurden. Eine erste Erwähnung findet sich in einer Chronik über Treptow, verfasst von einem ehemaligen Berliner Bibliothekar. Darin beschreibt er ein 1837 errichtetes Gasthaus, dessen Wirt neben Getränken auch Eier aus eigener Hühnerhaltung verkaufte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Eierhäuschen zu einer Schifferkneipe.

Der heute erhaltene zweigeschossige Bau aus rotem Backstein mit schwarz glasierten Steinlagen wechselte mehrfach die Betreiber. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er um einen Saal und eine Veranda erweitert. Nach dem Krieg notdürftig repariert, ist er in den 1970er-Jahren rekonstruiert und umgebaut worden. Das Eierhäuschen erhielt Denkmalschutz und diente als Veranstaltungsort für Konzerte und Tanzveranstaltungen. 1990 schloss es dann, stand viele Jahre leer und fiel dem Vandalismus zum Opfer.

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Das 2024 eröffnete Ausflugslokal EI-12437-B bietet regionale Gerichte und Eierspeisen zum Frühstück (am Wochenende ab 11 Uhr). Auf den weitläufigen Terrassen ist Platz zum Verweilen, Essen und Trinken. Ein separater Imbiss ergänzt den Biergarten. Das nach historischem Vorbild instandgesetzte Gebäude bietet neben der Gastronomie Raum für Veranstaltungen und Ausstellungen, aber auch Unterkünfte für Kunstschaffende.

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Revitalisierung und dezente Erweiterung

Bei der Revitalisierung galt es, die originale Bausubstanz nach Möglichkeit freizulegen und zu erhalten. Rekonstruktionen ließen sich jedoch nicht vermeiden. Die Erweiterung der historischen Gaststätte, zu der ursprünglich auch ein Schiffsanleger und ein aus Holz errichteter Gebäudeflügel mit Kegelbahn gehörten, erfolgte westlich Richtung Plänterwald.

Neu hinzugekommen ist ein flach geneigter, eingeschossiger Gebäudetrakt für die Restaurantküche, der über einen verglasten Steg mit dem Bestand verbunden ist. Umhüllt von einer Fassade aus Lärchenholzleisten, tritt er hinter dem denkmalgeschützten Altbau mit rot-schwarzem Ziegelmauerwerk, einer ornamentierten hölzernen Dachkonstruktion und schiefergedeckten Steildächern zurück.

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Aufsparrendämmsystem mit Schieferdeckung

Die Dachneigungen betragen etwa 35 Grad. Eingesetzt wurde ein Aufsparrendämmsystem mit nagelbarer Holzplatte zur Verlegung der Dachschiefer. Der historische Dachstuhl, eine Pfettenkonstruktion, erhielt zunächst eine 30 mm dicke Holzschalung mit Nut und Feder. Darauf wurde das Aufdachsystem mit beidseitig kaschierten Hartschaumplatten (PUR/PIR) als Dämmschicht und Holzwerkstoffplatten als Deckunterlage befestigt. Unterhalb des Systemaufbaus liegen eine Dampfbremse und Luftdichtheitsschicht, der Schieferdeckung ist eine diffusionsoffene Vordeckung unterlegt.

Der Schiefer stammt aus Spanien. Bei den Dachschiefern, die genagelt sind, handelt es sich um Schablonen – durchgängig gleich große Schieferplatten im Format 36 x 28 cm. Sie sind mit Gebindesteigung als Bogenschnittdeckung in Rechtsdeckung verlegt. -us

Bautafel

Architektur: dhl-architekten, Berlin
Projektbeteiligte:
Dr. Zauft Ingenieure, Potsdam, Berlin (Tragwerksplanung); Boerger & Boerger, Berlin (Restauratoren); K.-H. Kulke Bauunternehmung, Berlin (Dachdeckung); Wiewiorra Studio, Berlin (Innenarchitektur); Rathscheck Schiefer, Mayen (Aufsparrendämmsystem ThermoSklent D mit Schieferdeckung)
Bauherr/in:
BIM Berliner Immobilienmanagement und Grün Berlin 
Baujahr:
2017–24
Standort:
Kiehnwerderalle 3, 12437 Berlin
Bildnachweis:
dhl-architekten

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