Tree Snake Houses in Pedras Salgadas

Schuppenähnliche Haut aus Schiefer

Der kleine Kurort Pedras Salgadas im Norden Portugals ist für die heilende Wirkung seiner Thermalquellen bekannt. Rund um das mehr als hundertjährige Fünf-Sterne-Hotel Vidago Palace, das nach seiner Sanierung im Jahr 2010 wieder eröffnet wurde, entstand seit 2012 der Pedras Salgadas Spa & Nature Park. Neben einem Spa-Bereich nach Plänen Álvaro Siza Vieiras errichteten die Brüder Luís und Tiago Rebelo de Andrade aus Lissabon mehrere Apartments, darunter die beiden sogenannten Tree Snake Houses. Diese schieben ihre schlangenähnlich ausgebildeten Köpfe in die Baumkronen eines dicht bewaldeten Parks.

Gallerie

Ihre Erschließung erfolgt über hölzerne Stege, aufgelagert am Kamm des abfallenden Geländes. Sie münden in einem länglichen, geometrischen Baukörper, der sich allmählich in horizontale und vertikale Richtung weitet, um sich abschließend wieder zu verengen. Sowohl Grundriss als auch Seitenansichten lassen an eine abstrahierte Tropfen- oder Zapfenform denken. Oder eben – im Zusammenspiel mit dem langen Steg – an einen Schlangenkopf. Weil der Abstand der Baukörper zum Waldboden aufgrund der Hanglage stetig zunimmt, scheint der Gastraum schließlich zwischen Bäumen zu schweben. Die Apartments in luftiger Höhe stehen auf drei schmalen Stahlstützen; ihre technische Versorgung erfolgt über einen breiten Fuß unterhalb des Stegs in Kammnähe.

Die identischen Grundrisse entwickeln sich aus einer beidseitigen Erweiterung des Steges. Der verglaste Zugang führt in den Flur mit anliegender Kochnische und Wandschrank sowie einer Duschkabine und einem WC zur rechten und linken Seite. Der Wohn- und Schlafraum im Gebäudekopf ist sechseckig, das Doppelbett auf einem hölzernen Podest erhöht. Eine große Verglasung in der Breite des Bettes bildet den Raumabschluss in Waldrichtung, ein Dachfenster über der Schlafstätte gibt den Blick zum Himmel und in die Baumkronen frei. Außerdem ist der überwiegend in weißem Holz gestaltete Raum möbliert mit einem Tisch und Stühlen sowie einem Schlafsofa.

Alle Bauelemente wurden modular vorfabriziert und vor Ort zusammengesetzt. Wichtig war den Brüdern Rebelo de Andrade außerdem ein nachhaltiger Umgang mit Materialien und vorhandenem Ökosystem: Zur Ausführung kamen ausschließlich heimische Baustoffe wie Holz und Schiefer, die großen Fenster lassen viel Tageslicht in die Räume – und kein Baum musste gefällt werden.

Schiefer
Die Assoziation der Baukörper mit Schlangen wird nicht nur durch ihre Form, sondern auch anhand der Dach- und Wandbekleidung mit Schiefer aufgenommen: Das geschuppte Erscheinungsbild der Fassaden soll an geschmeidige Reptilienhaut erinnern. Bis auf die sichtbare Holzverschalung an der Unterseite sind die Apartments allseitig von Schiefer umschlossen. Der Naturstein stammt aus Portugal, es handelt sich um Porto-Schiefer, der östlich von Porto im Tagebau gewonnen wird. Als traditioneller Bodenbelag und verbreitete Fassaden- und Dachbekleidung ist er für seine gute Spaltbarkeit bekannt. Die Anlieferung der Steine erfolgte über eine Strecke von 130 Kilometern.

Der blaugraue Schiefer wurde als orthogonale Rechteck-Deckung mit halbem Versatz angebracht, jede seitliche Fuge steht mittig über dem darunterliegenden Gebindestein. Die Schiefer sind etwa 25 cm breit, 15 cm hoch und nur drei bis vier Millimeter dick. Befestigt sind sie jeweils mittels zwei verzinkter Schiefernägel und einem Klammerhaken, die unterste Reihe der Fassadenbekleidung erhielt zwei Haken. Die Konstruktion ist nicht hinterlüftet, die Schieferbekleidung direkt auf den modular vorgefertigten Wandelementen befestigt.

Bautafel

Architekten: Luís Rebelo de Andrade und Tiago Rebelo de Andrade, Lissabon
Projektbeteiligte: Modular Systhem, Porto (Modulares Bausystem); Lousar, Arouca (Schieferlieferant)
Bauherr: Pedras Salgadas Spa & Nature Park, Bornes de Aguiar
Fertigstellung: 2013
Standort: Parque Pedras Salgadas, 5450 - 140 Bornes de Aguiar
Bildnachweise: Ricardo Oliveira Alves, Lissabon; Luís und Tiago Rebelo de Andrade, Lissabon

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