Umbau Telegrafenamt in Wien

Kontemporäres Beleuchtungskonzept für historisches Gebäude

Hinter der stuckverzierten Fassade der Jahrhundertwende in der Wiener Lehargasse 7 versteckt sich ein architektonisches Kleinod: die ehemalige Telefonzentrale I der k. u. k Post- und Telegrafendirektion des Architekten Eugen Fassbender mit zwei historischen Telegrafensälen. Der neue Eigentümer ließ das Gebäude aus dem Jahr 1899 von BEHF Architects denkmalgerecht zum zeitgemäßen Bürohaus Telegraf 7 umwandeln. Neben der Innenstadtlage in der Nähe des Naschmarkts und den flexibel gestaltbaren, hellen Räumen sind es vor allem die Gemeinschaftsflächen, die Mieter locken: eine Dachterrasse mit 360-Grad-Blick über Wien, hängende Gärten im Innenhof, ein privates Fitnessstudio sowie eine Hotelsuite für Gäste. Die Bauherren wünschten sich die Unterbringung des eigenen Headquarters in den Telegrafensälen im dritten und vierten Geschoss sowie die Vermietung von bis zu zwölf Büroeinheiten an Unternehmen aus der Kreativbranche – mit variablen Grundrissen auf Flächen zwischen 40 und 840 Quadratmetern.

Gallerie

Hinter der neohistoristischen Fassade
Der fünfgeschossige Bau mit cremefarbenem Anstrich zeigt sich im typisch neohistoristischen Antlitz Wiener Architektur um 1900: Sockelgeschoss und Mezzanin sind rustiziert, die Fenster mit Ziergiebeln versehen und Schmuckgesimse gliedern die Horizontale, kapitelbestückte Lisenen die Vertikale, ein Portal markiert den Eingang. Von der Straße aus betritt man das Gebäude über ein kompaktes Entree, das durch einen gestalterischen Kunstgriff – den Einsatz von Spiegeln in die zum Innenhof ausgerichteten Fenster – größer wirkt als es eigentlich ist. Die lichte Anmutung setzt sich im Treppenhaus fort, wo minimalistische Elemente auf historische Versatzstücke treffen. Während die ursprünglichen Treppenstufen aus Werkbeton freigelegt wurden, wählten die Architekten für die Etagenflure einen hellen Fußboden aus Terrazzo. Er harmoniert mit dem schmiedeeisernen Geländer mit hölzernem Handlauf. Korrespondierend zu den Türen der Büroeinheiten ist der Fahrstuhl in Messing gehalten, ebenso wie die in die Böden der Flure eingelassenen Etagennummern, was die Detailfreude der Architektursprache verdeutlicht.

Umbau der Telegrafensäle im 3. und 4. OG
Während die Büroeinheiten von den Mietern individuell ausgestattet werden können, wurde der 1.390 Quadratmeter große Hauptsitz des Bauherrn in den beiden übereinanderliegenden Telegrafensälen von BEHF Architects geplant. Sie hatten zur Aufgabe, die Büroflächen für rund fünfzig Mitarbeiter alltagstauglich zu organisieren und das Vorhaben mit dem Denkmalamt abzustimmen, das sich eine Erhaltung der Säle in ihrer Gesamtheit wünschte. Die Lösung ist eine Raum-in-Raum-Konstruktion in Form von zwei minimalistischen Glasboxen, die in die opulenten, hohen Säle mit den originalgetreu restaurierten Stuckaturen und farbigen Wandmalereien hineingestellt wurden. So bleibt die historische Bausubstanz unberührt und wird nach Jahren des Verstecktseins wieder sichtbar. Was im Resultat einfach aussieht, ist im Inneren allerdings ziemlich komplex: Die gesamte Haustechnik musste im Boden untergebracht werden, um den Raumeindruck nicht zu stören. Verbunden werden die beiden Räume durch Passagen, in denen im 3. OG eine Bibliothek und im darüber liegenden Geschoss eine Teeküche untergebracht ist.

Minimalistische Glasboxen als Raum-im-Raum-Konstruktion
Der Empfangsbereich, von dem aus das gesamte Büro erschlossen wird, befindet sich im ersten der beiden historischen Säle. Die maßgefertigten, von den Architekten selbst entworfenen Möbeleinbauten sind funktional gestaltet und entwickeln sich aus dem Raum heraus. Highlight der beiden ehemaligen Telegrafensäle sind die in den Raum gestellten Boxen, die wie große Möbel wirken. Im Erdgeschoss des einen Einbaus befinden sich Büros sowie eine Veranstaltungsfläche auf dem Dach, das durch eine Wendeltreppe erschlossen wird. Der zweite Einbau birgt Einzelbüros und Besprechungsräume sowie ein Großraumbüro im oberen Geschoss. Dass die in den Raum geschobenen Architekturelemente sehr luftig wirken, ist dem Aufbau der Außenwände zu verdanken. Sie bestehen aus neutral-weißem Glas mit leichtem Spiegeleffekt. Zusätzlich wurde ein Nebeldekor auf die Glaswände aufgebracht, das sich nach oben hin verdichtet. Wie ausgeklügelt die eingebaute Architektur ist, zeigt sich auch daran, dass mit einem Lichtsystem im Inneren die Transparenz der Boxen zusätzlich steuerbar ist.

Durchdachtes Lichtkonzept
Architektur, Interiordesign und Lichtplanung sind bei dem Projekt Telegraf 7 eng miteinander verzahnt und stringent bis ins kleinste Detail umgesetzt. Die Gestaltung der Illumination oblag dabei dem Designbüro Christian Ploderer. Alle Beleuchtungskörper sind in LED-Technologie ausgeführt und somit leicht steuerbar. Eingesetzt werden sowohl Leuchten mit ausgesprochenem Objektcharakter ebenso wie in die Architektur integrierte Lampen. Es lassen sich bei diesem Projekt verschiedene Tages- und Nachtstimmungen abrufen – so beispielsweise Lichtszenarien für den Bildschirmarbeitsplatz, eine rein atmosphärische Eventbeleuchtung oder eine indirekte Beleuchtung der historischen Friese.

Wie durchdacht das Lichtkonzept ist, zeigt sich exemplarisch im Eingangsbereich des Gebäudes: Der Rundbogen des Portals wird durch ein schmales LED-Profil hervorgehoben. Das nicht sehr große und dennoch repräsentative Entree wird von einem Kronleuchter im Look der 1930er-Jahre und schwarzen, architektonisch anmutenden Lichtleisten erhellt, die sich um die vier Säulen winden. Im Treppenhaus ereilt einem ein regelrechtes Aha-Erlebnis: Über alle Etagen hinweg ist ein elegantes Ensemble von reduzierten, modifizierten Kugelleuchten kaskadenartig angebracht. Sie unterstreichen die Höhe des Raums, während durch Opalglas abgedeckte, elliptische Lichtflächen an den Wänden ein angenehmes Ambiente erzeugen. -csh

Bautafel

Architekten: BEHF Architects (Ebner, Hasenauer, Ferenczy), Wien
Projektbeteiligte: Vogtmann & Schweighofer, Wien (Statik); c-performance Baumanagement, Wien (Bauleitung); Team akademischer Restauratoren, Wien (Restaurierung); Mörtinger Bau, Wien (Baumeisterarbeiten); Lindner, Baden (Glastrennwände); Mocom Comunication Systeme, St. Pölten (Medientechnik); Designbüro Christian Ploderer, Wien (Lichtplanung)
Bauherr: JP Immobilien, Wien
Fertigstellung: 2017
Standort:
Lehargasse 7, 1060 Wien
Bildnachweis: Hertha Hurnaus, Wien

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