Elektroinstallation in öffentlichen Gebäuden

Kabel, Leitungen und Schalttechnik bei hohen Sicherheitsanforderungen

Öffentliche Gebäude und Arbeitsstätten stellen besondere Anforderungen an die Sicherheit elektrischer Anlagen. Wo sich viele Menschen aufhalten, müssen elektrische Installationen so geplant und ausgeführt werden, dass Risiken durch einen elektrischen Schlag, Brand oder Ausfall noch geringer sind als z.B. im privaten Wohnungsbau. Diese zusätzlichen Anforderungen sind in der Norm DIN VDE 0100-718: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Öffentliche Einrichtungen und Arbeitsstätten geregelt. Diese Norm wird im Folgenden eingeordnet und erklärt:

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Einordnung der Norm

Die Norm gehört zur sogenannten Gruppe 700 der DIN VDE 0100: Errichten von Niederspannungsanlagen und ergänzt die allgemeinen Regeln um spezielle Vorgaben für Gebäude, in denen mit einer größeren Menschenmenge zu rechnen ist. Dazu zählen unter anderem:

  • Versammlungsstätten wie Theater, Kinos, Museen oder Konzertsäle
  • Verkaufsstätten
  • Gast- und Beherbergungsstätten wie Restaurants und Hotels
  • Bildungsbauten wie Schulen und Kindergärten
  • Sportanlagen wie Turn- und Schwimmhallen
  • Verkehrsbauten wie Bahnhöfe und Flughäfen
  • größere Büros und Verwaltungsgebäude
  • sowie Flucht- und Rettungswege
Wichtig: DIN VDE 0100-718 ersetzt nicht die allgemeinen elektrotechnischen Grundnormen, sondern baut als Zusatznorm auf ihnen auf und fordert weitergehende Maßnahmen.

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Welche zusätzlichen Maßnahmen sind das?

Ein zentrales Thema ist der Schutz vor unbefugtem Zugriff, äußeren Einflüssen und mechanischer Beschädigung. Ziel ist es, Manipulationen und Beschädigungen im laufenden Betrieb zu verhindern. Daher gibt die Norm einige zusätzliche Schutzmaßnahmen vor:

  • Schutz der Verteiler: Elektrische Verteiler müssen entweder in separaten, nicht allgemein zugänglichen Räumen angeordnet oder konstruktiv besonders geschützt werden, beispielsweise durch stabile Gehäuse, Abdeckungen sowie mit Sicherheitsschlössern oder anderen Maßnahmen, die die Verteiler vor Beschädigungen und einem Zugriff durch Unbefugte schützen.

  • Abschaltvorrichtung: Haupt-Abschaltvorrichtungen für den Gebäudestrom sollten möglichst nahe am Gebäudeeinspeisepunkt liegen.

  • Beleuchtung: Die Betriebssicherheit im Fehlerfall ist wichtig: Beleuchtungsanlagen müssen auf mehrere Stromkreise mit jeweils einer eigenen Fehlerstromschutzeinrichtung (RCD) verteilt werden, damit der Ausfall eines einzelnen Stromkreises nicht zum Ausfall der Beleuchtung führt. Das gilt vor allem für Sicherheitsbeleuchtungen und Sicherheitsstromkreise, wie beispielweise bei Rettungswegen. Zudem muss der Zugriff auf die Schaltstellen von Beleuchtungen sicher geschützt sein, damit unbefugte Personen keinen Schaden anrichten können. Die Norm benennt keine technischen Vorgehensweisen, sondern formuliert ein Sicherheitsziel: Der Ausfall einzelner Stromkreise darf nicht zu gefährlichen Situationen für anwesende Personen führen.

  • Brandrisiko: Bei einem erhöhten Brandrisiko verlangt die Norm, dass nicht benötigte elektrische Geräte, Anlagen und Bauteile jederzeit abschaltbar sind, etwa in Verkaufs- oder Aufenthaltsbereichen. Elektromotoren müssen zudem gegen Überhitzung und Blockaden geschützt werden. Die jeweiligen Landesbauordnungen verlangen zudem evtl. eine Brandmeldeanlage und verschiedene Vorkehrungen für die Evakuierungen von Personen.

  • Schutzmaßnahmen und Prüfungen: Zusätzlich zu den allgemeinen elektrotechnischen Grundnormen zum Schutz vor elektrischem Schlag und Brand fordert der Zusatz -718: Verteilungen sind so auszuführen, dass der Isolationswiderstand jedes abgehenden Stromkreises problemlos gemessen werden kann. Die Messung erfolgt für alle Leiter gegen Erde. Bei kleinen Leitungsquerschnitten unter 10 mm² muss eine Messung ohne das Abklemmen des Neutralleiters möglich sein, zum Beispiel mithilfe von Neutralleiter-Trennklemmen. Die Erstprüfung für elektrische Anlagen sind in DIN VDE 0100-600: Prüfungen geregelt, die wiederholten Nachfolgeprüfungen der Anlagen im Betrieb erfolgen gemäß DIN VDE 0105-100: Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen, A1: Wiederkehrende Prüfungen.

  • Bühnenbereiche: Zusätzlich zu den allgemeinen Normen zur Kabel- und Leitungsverlegung nennt die Zusatznorm -718 erweiterte Vorgaben für besondere Bereiche wie Bühnen und Versammlungsräume: So müssen zum Beispiel Steckdosen, Kabel und Leitungen auf Bühnen mit einem mechanischen Schutz sicher und fest auf der Wand montiert werden, wobei eine Prüfung trotzdem leicht möglich sein muss und kein Wärmestau entstehen darf.

    Vieladrige Kabel dürfen zudem nur auf nichtbrennbaren Oberflächen montiert sein. Außerdem gilt, dass alle Stromkreise mit einem Schalter schalt- und trennbar sein müssen. Parallel geführte vieladrige Kabel und Leitungen benötigen außerdem einen Mindestabstand von einem Kabeldurchmesser.

  • Besucherräume: In Besucherräumen müssen Kabel und Leitungen auf Kabelpritschen brandgeschützt verlegt sein, sodass sie im Fall eines Feuer auf der Bühne intakt bleiben. Sicherheitsrelevante Leitungen, Anlagen und Geräte, wie die Sicherheitsbeleuchtung, müssen im Brandfall entsprechend der Funktionserhaltungsklassen (E30, E60 oder auch E90) für mindenstens 30, 60 oder 90 Minuten betriebsfähig bleiben.

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Welche öffentlichen Gebäude unterliegen abweichenden Normen?

Nicht Bestandteil der genannten Norm -718 sind Krankenhäuser, ärztliche Praxen, Pflegestationen und Notfallaufnahmen. Für sie gilt die separate Norm DIN VDE 0100-710: Medizinisch genutzte Bereiche mit deutlich weitergehenden Anforderungen.

Hinweise:

Die Norm ist eng mit dem Bauordnungsrecht verknüpft. Ihr Anwendungsbereich wurde an die Musterbauordnung angepasst, kann jedoch je nach Bundesland unterschiedlich ausgelegt werden. Eine frühzeitige Abstimmung mit den Fachplanenden und den Bauaufsichtsbehörden ist sinnvoll.

Zudem sind bei Installationsarbeiten die Anforderungen an den Arbeitsschutz der Berufsgenossenschaften, die Unfallverhütungsvorschriften der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) sowie ggf. die Herstellervorgaben einzuhalten.

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