Elektroinstallation in Räumen mit Badewanne oder Dusche

Die Gefahr einer lebensgefährlichen elektrischen Durchströmung ist in Nass- und Feuchträumen größer als in normaler, trockener Umgebung. Daher gelten für die Elektroinstallation in Räumen mit Badewanne oder Dusche strengere Anforderungen, die in der Norm DIN VDE 0100-701 zusammengefasst sind. Nachfolgend sind die wichtigsten diesbezüglichen Festlegungen überblickend aufgeführt. Dieser Überblick ersetzt im Zweifelsfall nicht den Blick in die Norm!

Gallerie

Die 27 Normen der DIN VDE 0100, Gruppe 700, behandeln zusätzliche Anforderungen für das Errichten von Niederspannungsanlagen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art, die in besonderer Umgebung, unter außergewöhnlichen Umwelteinflüssen oder Betriebsverhältnissen zu beachten sind (ausführlichere Informationen dazu im Beitrag Elektroinstallation in Räumen besonderer Art oder Nutzung|_blank). Zur Gruppe 700 gehört der Teil 7-701 Räume mit Badewanne oder Dusche in der derzeit gültigen Fassung vom Oktober 2008 (DIN VDE 0100-701: 2008-10).

Zur Abgrenzung der Gefahrenzonen im Badezimmer wurden die drei Schutzbereiche 0, 1 und 2 eingeführt. Für diese Schutzbereiche gilt: je kleiner die Zahl, desto strenger sind die Bestimmungen.

  • Bereich 0: Inneres von Badewanne oder Dusche: Der Bereich 0 umfasst das Innere von Bade- oder Duschwanne einschließlich Wannenrand. Das ist der Bereich, der mit Wasser gefüllt werden kann. Hier gelten die strengsten Anforderungen. Bei Duschen ohne Duschwanne entfällt der Bereich 0.
    Zu beachten: Hier ist die Gefährdung am größten, daher dürfen keine elektrischen Installationsgeräte (Schalter, Taster, Steckdosen, Installationsdosen etc.) eingebaut werden.
    Ausnahme: Fest angeschlossene Verbrauchsmittel, die mit Kleinspannung versorgt werden (SELV-Stromkreise mit AC 12 V oder DC 30 V) und vom Hersteller für den Bereich 0 zugelassen sind.
  • Bereich 1: innerhalb von Badewanne oder Dusche bis 2,25 m Höhe: Die Bereiche 1 und 2 reichen in der Höhe vom Fußboden bis in 2,25 m Höhe oder bis zum höchsten fest angebrachten Wasserauslass (z. B. Duschkopf). Es gilt jeweils der höhere Wert. Als seitliche Begrenzung gilt der äußere Rand der Bade- oder Duschwanne. Bei Duschen ohne Duschwanne gibt es nur den Bereich 1. Dafür wurde ein allseitigerAbstand von 1,20 m vom Mittelpunkt des Wasserauslasses festgelegt.
    Zu beachten: Hier dürfen keine Leuchten und keine Steckdosen installiert werden. Erlaubt sind fest angeschlossene, ortsfest montierte elektrische Verbrauchsmittel, die nach Herstellerangaben für den Bereich 1 geeignet sind. Das sind zum Beispiel: Whirlpooleinrichtungen, Duschpumpen, Lüftungseinrichtungen, elektrische Handtuchtrockner und Wassererwärmer sowie Geräte, die mit Kleinspannung versorgt werden (SELV oder PELV mit Nennspannung AC 25 V oder DC 60 V, z. B. für Leuchten).
  • Bereich 2: bis 0,60 m um die Bade- oder Duschwanne: Die Regel lautet: Der Bereich 2 beginnt am Ende von Bereich 1 und hat eine Breite von 0,60 m. Das heißt, Bereich 2 verläuft 0,60 m um den Bereich 1 herum. Besonderheit: Bei Räumen mit Duschplätzen an festen Abtrennungen, z. B. Mauern, die nicht bis zur Decke reichen, muss berücksichtigt werden, dass der Nutzer um die Ecke herumgreifen könnte. Daher erstreckt sich der Bereich 2 dann um die Länge eines 0,60 m langen Fadens (Fadenmaß) auch um die Ecke herum.
    Zu beachten: Hier sind alle fest installierten Verbrauchsmittelund Installationsgeräte, aber keine Steckdosen erlaubt (auch nicht durch RCD geschützte!). Ausnahmen: Rasiersteckdosen nach VDE 0750-2-5 sowie Steckdosen für die Kommunikationstechnik, die durch Kleinspannung mit SELV und PELV geschützt werden. Trotz der niedrigen Spannung muss hier auch immer ein Schutz gegen direktes Berühren vorhanden sein, was beispielsweise bedeutet, dass Niedervolt-Halogenlampen mit blanken Drähten in diesem Bereich nicht zulässig sind.
Besondere Anforderungen in den einzelnen Bereichen: Gesamter Raum mit Badewanne oder Dusche
  • a) Generell gelten hier strengere Bestimmungen als in den übrigen Wohnräumen. Im Bad sind alle Stromkreise mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von IΔN = ≤ 30 mA zu schützen. Ausnahmen von dieser Regel gelten für Stromkreise, die
  • nur der Versorgung fest montierter Wassererwärmer dienen, 
  • mit Schutztrennung geschützt werden
  • einen Schutz durch Kleinspannung (SELV oder PELV) erhalten.
  • b) Für den Schutz bei indirektem Berühren (Fehlerschutz) ist ein örtlicher zusätzlicher Potentialausgleich aller leitfähigen Teile, insbesondere aller Rohrsysteme, die in den Raum führen, vorgeschrieben. Dafür sind Leitungen mit einem Querschnitt von mind. 4 mm² Cu ungeschützt oder mind. 2 mm² Cu erforderlich. Hinweis dazu: Der zusätzliche Potentialausgleich im Bad kann entfallen, wenn ein Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene der Anlage vorhanden ist.
  • c) Kabel und Leitungen dürfen in solchen Räumen nur dann verlegt werden, wenn sie
  • Betriebsmittel in den Bereichen 0, 1 oder 2 versorgen,
  • einen Schutzleiter enthalten und
  • in einer Tiefe von 6 cm angeordnet werden. Eine Leitungsverlegung auf dem Rohfußboden, unter dem Fertigfußboden unterhalb von Duschen ist zulässig.
Autor: Wolfgang Rönspieß

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