Neuapostolische Kirche in München

Gefächerte Akustikdecke für gute Hörbarkeit von Sprache, Gesang und Orgelklang

Gallerie

Mit rund 363.000 Mitgliedern ist die Neuapostolische Kirche die viertstärkste christliche Religionsgemeinschaft in Deutschland. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg; die wichtigste Glaubensanschauung ihrer Anhänger ist die Erwartung der Wiederkunft Christi in naher Zukunft. Im Münchner Stadtbezirk Laim hat sie kürzlich ihren maroden Kirchenbau durch ein neues Haus ersetzt. Für den Entwurf und die Planung zeichneten nach einem Wettbewerb die Architekten Lydia Haack und John Höpfner verantwortlich, die unweit des Grundstücks ihr Büro haben.

Im Wesentlichen sind es zwei Dinge, die beim Bau einer Kirche eine Herausforderung darstellen: Sie soll ein würdevoller Ort sein, aber kein im traditionellen Sinne prunk- und prachtvoller. Und sie ist ein Ort, an dem manchmal sehr wenige und ein anderes Mal sehr viele Menschen zusammenkommen. Das gilt es räumlich, funktional, atmosphärisch und akustisch zu bewältigen.

Die neue Kirche ist ein weiß verputzter quaderförmiger Baukörper, der mit seiner Altarwand in Richtung Norden zur Straße weist, zu ihr aber auf Distanz bleibt zugunsten eines gepflasterten Vorplatzes mit Wasserbecken. Flankiert wird er von zwei niedrigeren, wie abgelöst wirkenden Flügelbauten: Der östliche bildet die Zufahrt hinunter in die Tiefgarage, der westliche den Eingang. Von einem Vordach geschützt betritt man hier das Gebäude und geht zunächst am Kirchenraum entlang vorbei an der Garderobe und weiteren Nebenräume, die hinter einer sorgfältig in Eichenholz gearbeiteten Wand verborgen sind. Das eigentliche Foyer liegt hinter dem Kirchensaal, nimmt dessen Breite ein und erschließt gartenseitig drei Mehrzweckräume, deren Holzschiebewände in Wandnischen fast zum Verschwinden gebracht werden können. In diesem Fall ist der Blick in den rückwärtigen Garten frei. Und weil sich die acht hohen Glastüren, die die Rückwand des Kirchensaals bilden, im geöffneten Zustand ihrerseits bündeln lassen, öffnet sich bei Bedarf auch der Hauptraum in diese Richtung. Dann sind statt der 217 Personen, die regulär auf den Sitzbänken Platz finden, auch Versammlungen mit doppelt so vielen Besuchern möglich.

Der im Grundriss quadratische Kirchensaal ist dreiseitig von geschlossenen Wänden umgeben und wird durch bandartige Dachfenster entlang der Wände belichtet. Von diesen abgelöst ist die in fünf Felder aufgefächerte Decke an Stahlträgern abgehängt. Vor der Altarwand bleibt sie besonders deutlich zurück, so dass dieser Bereich räumlich überhöht und tagsüber auf ganzer Tiefe hell ausgeleuchtet ist.

Die kerngedämmten Hochlochziegelwände des Kirchensaals sind außen- und innenseitig mit einem durch Marmorzuschläge veredelten Kalkputz in einer aufwendigen handwerklichen Technik verspachtelt worden: in mehreren Schichten und Arbeitsgängen verdichtet hat er dadurch auf den großen, wenig durchbrochenen Flächen eine feine, matt schimmernde Oberfläche erhalten.

Akustik

Die akustischen Anforderungen an einen Kirchenraum sind nicht nur vielfältig, sondern auch widersprüchlich. Das gesprochene Wort des Predigers muss überall gut zu verstehen sein und gleichzeitig sollen Gesang, Orchesterspiel und Orgelmusik den Raum klanglich und mit einem gewissen Nachhall ausfüllen. In dem einen wie dem anderen Fall kann es sein, dass sich sehr wenige Menschen im Saal befinden und ein anderes Mal sehr viele mit einer entsprechend hohen Schallabsorption durch die Kleidung. Die einfache Geometrie des Raumes und die verwendeten Materialien an Boden und Wänden – Feinsteinzeugfliesen und der besagte glatte Putz sowie die Glastüren – bieten kaum Streukörper und sind allesamt schallhart. Als wichtigstes Steuerungsmittel für die Akustik blieb nur die eingehängte Decke. Nach Simulationen zur Schalllenkung verschiedener Geometrien und Anordnungen entschieden sich die Planer für eine aufgefächerte Akustikdecke, die den Schall streut und in den Kirchenraum lenkt. Gleichzeitig wirkt das poröse Material der Trägerplatten für den Deckenputz leicht schallabsorbierend.

Darüber hinaus wurden zur Vermeidung von Mehrfachreflexionen (dem sogenannten Flatterecho) Anpassungen an den durchweg glatten und eigentlich parallelen Oberflächen vorgenommen: Die Seitenwände wurden zum Altar hin leicht verengt und in der Ostwand, in die auch die Orgel flächenbündig eingelassen ist, ließ man tiefe schmale Fensternischen ein. Zusätzlich wurden die Verglasungen jeweils etwas schräg in die Holzrahmen der Türen eingesetzt und damit auch an der Rückwand Abweichungen von der Parallelität erzeugt. Und auf den langen Eichenholzbänken minimieren akustisch wirksame Sitzpolster und Stoffbezüge die Schwankungen der Nachhallzeit – unabhängig davon, ob hier wenige oder viele Zuschauer sitzen.

Bautafel

Architekten: Haack + Höpfner, München
Projektbeteiligte: Zilch und Müller, München (Tragwerksplanung); Ingenieurbüro Hausladen, Kirchheim (Technische Gebäudeausrüstung und Thermische Bauphysik); Müller-BBM, Planegg (Akustik); IB für Elektrotechnik Kallenberger, Eberstadt (Elektroplanung); Viola Heintz, Eichenau (Außenanlagen)
Bauherr: Neuapostolische Kirche Süddeutschland
Fertigstellung: 2013
Standort:
Helmpertstraße 7, 80687 München
Bildnachweis: Michael Heinrich, München

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