Blitz Club in München

Ausgeklügelte Raum-in-Raum-Lösung

Die Zwischennutzung eines ungewöhnlichen, brachliegenden Gebäudes ist eine gute Voraussetzung für den Erfolg eines Clubs; in Berlin jedenfalls hat sich dieses Konzept vielfach bewährt. In einem Gebäudeteil des Deutschen Museums im Zentrum von München finden Tanz- und Feierwütige seit April 2017 den Blitz Club. Für die Dauer der Generalmodernisierung des Ausstellungskomplexes bildet die seit Jahren leer stehende Kongresshalle einen Anziehungspunkt für Nachtschwärmer. Der fünfgeschossige Kopfbau im Norden der Museumsinsel beherbergt nun eine Bar, zwei Dancefloors und ein angeschlossenes Restaurant.

Gallerie

Der Eingang an der Schmalseite des Gebäudes, das 1935 nach Plänen Gabriel von Seidls fertiggestellt wurde, richtet sich direkt an der Ludwigbrücke nach Nordosten. Mit rund 600 Quadratmetern nimmt der Dance- und Elektroclub etwa die Hälfte des Erdgeschosses ein; den Innenausbau und die Akustik planten die Münchner Architekten von Studio Knack mit Simon Vorhammer. Durch eine Trennwand wird der Club in zwei lange, schmale Raumzonen aufgeteilt, die jeweils in eine Bar und eine Tanzfläche untergliedert sind. Von den hell verputzten Wänden des ersten Barraums heben sich pilasterartige Vorsätze ab, die ebenso wie der Bodenbelag aus geschliffenen Natursteinplatten bestehen. Ein kantiger Holztresen erstreckt sich ähnlich wie ein langer Konferenztisch zentral im Raum. In dessen Verlängerung ist die kleinere Tanzfläche durch zwei schwarze Türen und einen schmalen Gang abgetrennt. Ein offener Durchgang hingegen verbindet die erste Bar mit der benachbarten großen Tanzfläche und einem weiteren, eher kompakten Bartresen. Technische Installationen wie olivgrün gestrichene Lüftungsrohre verlaufen sichtbar an der Decke. Leicht erhöht steht das DJ-Pult am anderen Ende des Raums der Bar gegenüber und ist mit dem Eingangsbereich durch eine separate Tür verbunden.

Akustik
Ein guter Klang und eine auf die Nutzung abgestimmte Akustik sind in den überwiegend für Musik und Tanz dienenden Räumen unerlässlich. Um den temporären Club in den Bestand mit überwiegend schallharten Oberflächen wie Naturstein zu integrieren, entwickelten die Planer für beide Tanzflächen ein Raum-im-Raum-System. So sind diese nicht nur untereinander akustisch getrennt, sondern ermöglichen einen mitreißenden Klang im Inneren und verhindern die Schallübertragung zu den baulich verbundenen Museumstrakten.

Der kleinere, durch schwarze Türen abgetrennte Raum ist schalltechnisch entkoppelt. Umlaufend und scheinbar nahtlos sind zwei Drittel der Wandfläche mit einem Relief aus schwarz lackierten, stark strukturierten MDF-Platten (mitteldichte Holzfaserplatten) bekleidet. Das speziell für diesen Raum entwickelte Muster aus Vertiefungen und Erhebungen wiederholt sich an keiner Stelle. Die Einfräsungen basieren auf einem Algorithmus, der die mehr als 10.000 Täler und Grate auf einer Gesamtlänge von rund 25 Metern Wandfläche verteilt – inspiriert durch das Schwarmverhalten von Fischen, Vögeln und Insekten. Die unregelmäßig aufgebrochene Struktur sorgt für die nötige akustische Diffusität. Perforationsgrad und Schichtdicke variieren, sodass eine gleichmässige Schallabsorption über das gesamte Frequenzspektrum erfolgt. Ein weiterer gewünschter Effekt ist die changierende Lichtwirkung.

Der große Dancefloor „Blitz" steht auf einem Mitschwingerpodest. Der Raum ist optisch wie klanglich geprägt durch geneigte Wände aus 100 mm dickem Buchenholz sowie perforierte Stahlbleche (2 mm). Gemeinsam mit dem Raumakustiker entwickelten die Architekten modulare, eingestellte Tanznischen, die sich in das bestehende Stützenraster einpassen und den Raum zonieren. Durch die Schrägstellung der Seiten- und Rückwände werden parallele Flächen und damit verbundene Flatterechos und Laufzeitverzögerungen des Schalls vermieden. Besonderes Augenmerk wurde auf die rautenförmige Struktur der geneigten hölzernen Wandflächen gelegt, die sich von den Kanten in die Tiefe zu konkav gekrümmten Taschen mit variierendem Quer- und Unterschnitt entwickelt. Dadurch wird der Schall beim Auftreffen gebrochen und in alle Richtungen gestreut. Neben der warmen Klangfarbe von Holz wirkt sich die hohe Rohdichte des Materials positiv auf die Raumakustik aus. Die Bereiche der Verkleidung nahe dem Boden und vor den Stützen sowie Hohlräume im Wandbereich sind als Tiefenresonatoren berechnet, um ein Wummern des Basses zu verhindern. Gezielt im ganzen Raum verteilt sind die Bassboxen, Sound-Hörner und Verstärker als Komponenten der Musikanlage.

Andere Oberflächen wie beispielsweise an der Bar sind mit einer speziellen Perforation als Schallabsorber für unterschiedliche Frequenzbereiche ausgelegt, um die Halligkeit im Raum zu senken. -jb

Bautafel

Architekten: Studio Knack und Simon Vorhammer, München (Planung Innenausbau); Ekert + Probst Architektinnen, München (Genehmigungsplanung)
Bauherr: Blitz Club, München
Projektbeteiligte: ABP Akustikbüro Becker und Partner, München (Raumakustik); Akustikbüro Schwartzenberger und Burkhart, Pöcking (Bauakustik); Pollmeier, München (Akustikwände aus Baubuche); Void Acoustics, Bochum (Musikanlage); Stefan Rüffer, Weßling (Brandschutzplanung); Heinemann Elektro, Unterföhring (Elektroplanung); 507Nanometer, München (Lichtplanung); Lüftungstechnik KKS, München (HLS-Planung)
Fertigstellung: 2017
Standort: Museumsinsel 1, 80538 München
Bildnachweis: Simon Vorhammer, München

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