Treppe aus Papier
Karl Blessing Verlag, München 2025
1. Auflage, 224 Seiten, Hardcover, mit Schutzumschlag, Format 20,5 x 13,3 x 2,4 cm
Preis: 23 EUR
ISBN 978-3896677785
Inwiefern ändert das Wissen um die Vergangenheit unsere Gegenwart? Der Prozess des sich Erinnerns, die Konfrontation mit anderen Erinnerungen, die die eigenen widerlegen, ergänzen und erweitern, gleicht dem Erklimmen einer fragilen Treppe – inklusive des möglichen Absturzes, Einsturzes oder Überblicks über das Geschehene. Im Debütroman von Henrik Szántó, Treppe aus Papier, erinnert sich ein Haus an die Menschen, die es in seiner rund hundertjährigen Vergangenheit bewohnten, von deren Verbrechen, Schuld, Unrecht oder Leid. Als beobachtender Zeitzeuge quellen die Gefühle und Gedanken plötzlich und unaufhaltsam aus seinen Wänden wie Wasser aus einem überlaufenden Topf.
Auslöser dieser Erinnerungswelle ist die Begegnung der Schülerin Nele aus dem vierten Stock mit der neunzigjährigen Irma aus dem ersten Stock – Vergangenheit und Gegenwart sind erzählerisch verbunden über eine Treppe, auf der sich die Menschen in dem Haus seit jeher begegneten und die nun Nele auf der Suche nach der eigenen Familiengeschichte viele Male hinauf- und hinuntersteigt. So verflechten sich vergangenen Erlebnisse von drei Familien aus unterschiedlichen Perspektiven zu einem dichten Stoff deutscher Geschichte.
Henrik Szántó schreibt in einem fließenden, schnellen Rhythmus mit verdichteten, assoziativen Bildern aus Worten und ohne Atem für einen perfekten Satzbau, dafür mit eingeworfenen Schlagworten und Details, zackigen Gedankensprüngen und einer Gleichzeitigkeit von eigentlich zeitlich versetzten Geschehnissen. Das Buch wird Menschen mitreißen, die bei Poetry-Slams den Takt mitwippen und schöne Wörter laut aussprechen müssen. Und jene, die die Frage nach den Auswirkungen großer Schuld auch 90 Jahre später nicht loslässt. ~rg
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