DIN SPEC 19458

Recycling von Kalksandstein normativ geregelt

Mit der im September 2024 veröffentlichten DIN SPEC 19458 liegt erstmals ein praxisorientiertes Regelwerk vor, das Anforderungen an recycelte Gesteinskörnungen für die Herstellung neuer Kalksandsteine definiert. Damit soll die Grundlage für geschlossene Stoffkreisläufe geschaffen und die Recyclingquote in der Kalksandsteinindustrie signifikant erhöht werden.

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Entstehung und Hintergrund

Die DIN SPEC wurde nach dem PAS-Verfahren entwickelt, einem beschleunigten Normungsverfahren, das innerhalb weniger Monate in sogenannten Konsortien erarbeitet wird. Initiator war der Bundesverband Kalksandsteinindustrie, unterstützt von Forschungseinrichtungen, Prüfstellen und Herstellern. Ziel der Norm ist es, „eine Basis für die Steigerung der Recyclingquote von Kalksandsteinmaterial“ zu schaffen (S. 4). Sie knüpft an die Forderungen des European Green Deal und des Circular Economy Action Plan nach geschlossene Materialkreisläufen und Ressourceneffizienz an.

Kalksandstein bietet dafür besonders gute Voraussetzungen: Das Material nimmt im Laufe seiner Nutzungszeit rund fünfzig Prozent des bei seiner Herstellung entstandenen Kohlenstoffdioxids aus der Umgebungsluft auf und wirkt so als CO₂-Senker – auch wenn er verputzt oder von einem WDVS bedeckt ist. Durch diesen als Rekarbonatisierung bezeichneten Vorgang erhöht sich darüber hinaus die Festigkeit der Steine.

Inhalte der DIN SPEC 19458

1. Lebenszyklus und Recyclingwege

Das Dokument stellt erstmals ein Gesamtkonzept für die Wiederverwertung von Kalksandstein dar. Neben der direkten Rückführung in die Kalksandsteinproduktion werden weitere Pfade beschrieben, darunter:

  • Tragschichten im Straßen- und Wegebau
  • Einsatz im Betonbau nach DIN EN 206: Beton-Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität
  • Nutzung im Deponiebau zur Methanreduktion
  • Vegetationssubstrate und vegetationstechnische Bodenverbesserungen
2. Stoffliche Zusammensetzung der rezyklierten Körnungen
Die Norm unterscheidet vier Typen rezyklierter Körnungen (CS1 - CS4), basierend auf ihrer stofflichen Zusammensetzung. Für den hochwertigen Einsatz in der Kalksandsteinproduktion gilt:
  • CS1: mindestens 90 % Kalksandstein (Rcs) und Mörtel (Rmo)
  • CS2: mindestens 75 % Rcs + Rmo
  • CS3 und CS4: breitere Zusammensetzungen, z. B. mit Beton- oder Ziegelanteilen
Störende Stoffe wie Asphalt, Glas, Kunststoffe oder bitumenhaltige Materialien sind auszuschließen.

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3. Qualitätsüberprüfung und Analyseverfahren
Ein zentraler Baustein ist die Qualitätssicherung. „Rezyklierte Gesteinskörnungen für die erneute Kalksandsteinproduktion dürfen die Umweltqualität von frisch erzeugten Kalksandsteinen nicht merklich verschlechtern“ (S. 9).

Die Verfasser*innen fordern daher:

  • repräsentative Probenahmen
  • Prüfungen nach Referenzmethoden (z. B. ICP-MS für Schwermetalle, GC-MS für PAK)
  • klare Vorgaben für Annahmebedingungen und Liefervereinbarungen
4. Umwelt- und technische Parameter
Zwei Parametergruppen werden geregelt:
  • Umweltparameter: Tabelle 2 legt Höchstwerte für Eluat- und Feststoffparameter fest, z. B. pH-Wert ≤ 12,5, Chlorid 150 mg/l, PAK 25 mg/kg, PCB 1 mg/kg
  • Technische Parameter: Tabelle 3 regelt physikalische und chemisch-mineralogische Anforderungen zur Sicherstellung der Produktionsqualität, etwa: Korngröße ≤ 8 mm, Feuchtegehalt ≤ 5 M.-%, keine sichtbaren Verunreinigungen
5. Kooperation der Akteure 
Die Norm betont die notwendige Zusammenarbeit zwischen Planenden, Abbruchunternehmen, Recyclingbetrieben, Herstellern und Behörden.

Fazit
Mit der DIN SPEC 19458 erhalten Planende, Hersteller und Recyclingbetrieben eine verlässliche Grundlage, die Qualität und Umweltverträglichkeit von Recyclingmaterialien sichert. Das Dokument bildet damit eine Grundlage für den Ausbau geschlossener Stoffkreisläufe im Mauerwerksbau und leistet einen Beitrag zur Ressourceneffizienz und Dekarbonisierung der Bauwirtschaft. Es kann nach Anmeldung kostenfrei auf der Webseite von DIN Media heruntergeladen werden (siehe Surftipps).

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