Robotergestützter Stampflehmbau

Lehm in innovativer Fertigungsform

Die additive Fertigung im Bauwesen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Sind es bisher zumeist Betonwerkstoffe, die mithilfe von Extrusionsverfahren zu tragenden und nichttragenden Elementen geschichtet werden und es mittlerweile bis in die projektfähige Umsetzung geschafft haben, ist es an der Zeit, auch andere Materialien ins Auge zu fassen. Dabei rückt der natürliche Baustoff Lehm in seiner Eigenschaft als Massivbaustoff und Konstruktionsmaterial in Form von Stampflehm nach. 

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Bereits seit einigen Jahren forscht ein Team am Institut für Tragwerksentwurf der Technischen Universität Braunschweig an der automatisierten Fertigung von Stampflehmwänden sowie den entsprechenden robotergestützten Verfahren. Dass sich das nachhaltige und ökologische Baumaterial besonders für die innovative Technologie eignet, zeigt der Vergleich mit der herkömmlichen Herstellungsart. Um mit Lehm tragfähig oder formhaltig zu bauen, muss bisher mithilfe manueller Kraft und ressourcenintensiver Schalung gearbeitet werden. Zwar ist das Stampfen des erdfeuchten Lehms mit handgeführten Holzstampfern bereits schon weiterentwickelt worden und wird teilweise von pneumatischen Verdichtern übernommen, doch sind die Hürden noch zu hoch, um mit den effizienteren Alternativen zu konkurrieren und im größeren Maßstab zu agieren. Zumal der Großteil der Kosten im Stampflehmbau auf die Herstellung der Schalung entfallen, die besonders formstabil sein muss, um dem Stampfdruck standzuhalten.

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Kombinierte Fertigungsschritte und Gleitschalung als Effizienzfaktoren

An dieser Stelle tritt jedoch auch ein Vorteil des Materials zutage, der dem robotergestützten Fertigungsverfahren dient. Anders als Beton muss Lehm für seine anfängliche Festigkeit nicht aushärten. So ist beim Stampflehmbau der Einsatz einer mitlaufenden Schalung möglich und gerade in Verbindung mit automatisierten Verfahren auch besonders ressourcenschonend und effizient. Die verschiedenen Fertigungsschritte erfolgen fast gleichzeitig: Die vollautomatisierte Technik kombiniert das Füllen, Verdichten und Schalen mithilfe eines adaptiven Gleitschalungssystems in einem Schritt.

Die In-Situ-Fertigung weist außerdem Vorteile gegenüber bereits existierender Vorfertigungstechniken auf, wie die Wissenschaftler*innen der TU Braunschweig darlegen. So entfällt sowohl der Transport vorgefertigter Elemente, wie auch die aufwendigere Nachbearbeitung der Fugen zwischen den einzelnen Blöcken, die nach wie vor auf der Baustelle erfolgen muss.

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Prototyp und Schritte zur serienfähigen Anwendung in der Baupraxis

Seit Ende der 2010er Jahre widmet sich das Team der TU der Forschung und Entwicklung rund um den robotergestützten Stampflehmbau. In einem wichtigen nächsten Schritt soll der Prozess auf die Baustelle und in die Praxis übertragen werden. Das Verfahren wurde für die In-Situ-Produktion weiterentwickelt. Dabei konnte auch im Zuge eines Studierendenprojekts mit Bewerbung für die Ausstellung eines Prototypen auf der Landesgartenschau Neuss 2026 ein Forschungsdemonstrator detailliert geplant werden.

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Dieser basiert auf einem dreiachsigen Portaldrucker, wie er bereits für den 3D-Druck von Beton zum Einsatz kommt. Um auf komplexe Wandstöße der Stampflehmbauwände zu verzichten, sind Knotenpunkte an den Schnittstellen der Bauteile sowie an Öffnungen, Installationen oder Einbauten in Form von Holzelementen entwickelt worden. Der mobile, versetzbare Portaldrucker erlaubt es, die Konstruktion zu skalieren bis hin zur Anwendung von Stampflehm für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. 

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All das kann mit einem Baumaterial erfolgen, das bereits vor Jahrtausenden verwendet wurde, besonders gute bauphysikalische Eigenschaften mitbringt, unbegrenzt verfügbar und vollständig in den Kreislauf oder in die Natur rückführbar ist. Durch die moderne Fertigungstechnologie eröffnet sich jedoch ein völlig neues Anwendungsspektrum, das ökologische und idealerweise auch ökonomische Antworten auf die heutigen Herausforderungen in der Baubranche gibt.

Fachwissen zum Thema

In Weißenhorn wurde 2025 erstmals ein Keller mit einem mobilen 3D-Betondrucker direkt auf der Baustelle erstellt.

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News

Betondruck im Erdreich

Spezialisten für Betondruck, Baumaschinen, Abdichtungen und mobile Energieversorgung druckten in Weißenhorn erstmals ein Kellergeschoss.

Leichtbauelemente aus Altholzpartikeln entwickelt derzeit ein Forschungsteam an der Universität Kassel.

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Forschung

Holzpartikel in den Kreislauf

Wie sich Holzabfälle im 3D-Druckverfahren zu Leichtbauelementen verwerten lassen, erforscht derzeit ein Team der Universität Kassel gemeinsam mit Buro Happold.

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Robotergestützter Stampflehmbauneu

Das Team rund um Joschua Gosslar forscht und entwickelt seit Ende der 2010er Jahre in Braunschweig den modernen digitalen Stampflehmbau.

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An der TU Braunschweig wird mit großen Schritten an einer praxistauglichen, digitalen Fertigungsmethode für den Massivbau mit Stampflehm gearbeitet. 

Ein zweites Leben für Schalungsbretter

Die mögliche Weiterverwertung von ausgedienten Schalungselementen wird derzeit am Fraunhofer WKI untersucht.

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Ausgediente Schalungsbretter könnten zu Holzschaum verarbeitet werden, als Aussparungskörper bei der Betonfertigteilherstellung neue Verwendung finden und dadurch etwa Styropor ersetzen.

Eine Brücke zum Aufklappen

Das Tragwerk der Brücken über den Lahnbach und die Lafnitz für die Fürstenfelder Schnellstraße S7 in Österreich wurde von der Vertikalen in die Horizontale geklappt.

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Scheinbar wie von selbst entfaltet sich das aus vorgefertigten Elementen zusammengesetzte Tragwerk. Beim Bau der S7 bei Fürstenfeld kam die Technik erstmals zum Einsatz.

Formflexibles Schalungswerkzeug

Im Rahmen des Forschungsprojekts Flex4Beton wurde der Prototyp eines adaptiven Schalungswerkzeugs geschaffen.

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Der aus einem Forschungsprojekt hervorgegangene Prototyp dient der Herstellung dreidimensional gekrümmter Betonbauteile.

Hauchdünn geschalt

Der Future Tree besetzt den Außenbereich der Erweiterung des Hauptsitzes von Basler & Hofmann im schweizerischen Esslingen.

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Holzpartikel in den Kreislauf

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Materialpool Großbaustelle

Wie sich die Schalelemente des Stuttgarter Hauptbahnhofs wiederverwenden lassen, wurde im Forschungsprojekt Stuttgart 201 untersucht.

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Mineralschaum als Schalung

Im Rahmen des Forschungsprojeks Foamwork des Instituts Digital Building Technologies (DBT) an der ETH Zürich entstand mithilfe einer neuen Schalungsmethode ein betonsparendes Deckenelement.

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Mithilfe von 3D-gedruckten Aussparungelementen aus recycelbarem Material entstand im Rahmen des Forschungsprojekts Foamwork ein Deckenelement, das neue Schalungsmethoden auslotet.

Mit der Kraft der Faltung

Im Forschungsprojekt Unfold Form an der ETH Zürich entwickelte Lotte Scheder-Bieschin eine faltbare, wiederverwendbare Gewölbeschalung.

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Im Rahmen des Forschungsprojekts "Non-Waste-Wachsschalungen" wird an der TU Braunschweig eine neuartige Schalungstechnologie erprobt

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Die Herstellung frei geformter Betonbauteile steht im Zentrum eines Forschungsprojekts an der Technischen Universität...

Schalhaut aus dem 3D-Drucker

Im neuen Hauptsitz der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Leipzig verbindet eine geschwungene Treppe die verschiedenen Geschosse.

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Die Bewehrungskörbe entstehen dank der Mesh-Technologie in einem digitalisierten und automatisierten Vorfertigungsprozess.

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Stahlseilnetz als Schalung

Eine Forschergruppe der ETH Zürich entwickelte eine innovative Dachkonstruktion und testete ihr Ergebnis in einem 1:1-Modell.

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Keine konventionelle Schalung, sondern ein Lehrgerüst aus Stahlseilen nutzte die Forschergruppe rund um Professor Philippe Block...

PERI Schulungsprogramm

Aktuelles Fachwissen aus der Bau- und Gerüstbaubranche: Seminare zu PERI Systemen, Arbeitssicherheit und betriebswirtschaftlichen Themen.

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