Ökobilanz von Dämmstoffen im Dach

Einflussfaktoren und Bilanzierungstools

Welcher Dämmstoff die ökologischste Lösung für ein konkretes Projekt ist, lässt sich nur bei Berücksichtigung vieler Faktoren wie dem Einsatzort, der erforderlichen Menge, der Lebensdauer, dem Konstruktionsaufbau und der späteren Verwertbarkeit bestimmen. So sollten Dämmstoffe nie isoliert, sondern nur anhand von gleichartigen bzw. hinsichtlich des erwünschten Ziels gleichwertigen Dachaufbauten verglichen werden. Ein vergleichbarer Richtwert ist zum Beispiel der identische U-Wert, den ein Dachaufbau erreichen soll, oder gleiche Anforderungen an Brand-, Schall- und Feuchteschutz.

Galerie

Lebenszyklusbetrachtung

Zudem erfasst eine Ökobilanz nach DIN EN 15978: Nachhaltigkeit von Bauwerken – Bewertung der Umweltqualität von Gebäuden den gesamten Lebenszyklus: Rohstoffgewinnung und Herstellung (A1–A3), Transport zur Baustelle (A4), Einbau (A5), Nutzung einschließlich Wartung, Austausch und Betriebsenergie (B-Module) sowie Rückbau, Entsorgung und Verwertung (C-Module). Modul D beschreibt mögliche Nutzen oder Lasten außerhalb der Systemgrenze, etwa durch Recycling oder energetische Verwertung. Diese Angaben sollten getrennt ausgewiesen und nicht pauschal mit den übrigen Ergebnissen verrechnet werden.

Die Herstellungsphase, deren Treibhauspotenzial (in CO₂-Äquivalenten) lange als zentraler Indikator herangezogen wurde, ist als alleinige Größe kein ausreichender Maßstab. Ein Bauteil mit niedrigen Emissionen in den Modulen A1–A3 ist nicht automatisch die bessere Wahl, wenn es früh ersetzt werden muss, bauphysikalische Risiken birgt oder kaum rückbaubar ist. Umgekehrt kann ein Dämmstoff mit vergleichsweise hohen Herstellungsemissionen ökologisch sinnvoll sein, wenn er im konkreten Bauteil dauerhaft funktioniert, den Energiebedarf im Betrieb zuverlässig senkt und über seine Nutzungsdauer höhere Umweltwirkungen vermeidet. Ob dies zutrifft, muss für den jeweiligen Dach-, Wand- oder Bodenaufbau bilanziell nachgewiesen werden. 

Galerie

Umweltwirkung und Einflüsse der Konstruktionsweise

In die Bilanzierung fließen auch die Aspekte des Ressourcen- und Wasserverbrauchs, der Versauerung, der Eutrophierung sowie bei biobasierten Baustoffen der Umgang mit biogenem Kohlenstoff ein. Entscheidend ist zudem die Konstruktion, bei der die ökologischen Aspekte schon bei der Planung mitbedacht werden sollten. Dämmstoffe müssen zusammen mit Klebern, Dübeln, Unterkonstruktionen, Dampfbremsen, Putzen oder Bekleidungen bewertet werden. Schwer trennbare Verbundaufbauten erschweren dabei eine hochwertige Wiederverwendung oder Verwertung erheblich. Reversibel gefügte Bauteile können dagegen einen sortenreinen Materialkreislauf unterstützen und die Ökobilanz erheblich verbessern.

Über den ökologischen Wert von Dämmstoffen lässt sich also keine pauschale Aussage treffen, aber eine erste Orientierung zur Materialwahl kann dennoch helfen: Zellulose sowie Holzfaser-, Hanf- oder Flachsdämmungen können interessant sein, wenn Sekundär- oder nachwachsende Rohstoffe im Vordergrund stehen. Mineralwolle ist insbesondere bei hohen Brandschutzanforderungen eine naheliegende Variante. PUR/PIR und teils EPS/XPS können bei begrenzter Aufbauhöhe, hohen Drucklasten oder feuchtebeanspruchten Details technisch sinnvoll sein. Entscheidend ist ein dauerhaft funktionierender Dachaufbau mit fachgerecht geplanter Luftdichtheit, Feuchteschutz, Verschattung von Dachfenstern und Rückbauperspektive. 

Datensätze für die Bilanzierung

Für Deutschland bietet die ÖKOBAUDAT eine zentrale Datenbasis für Gebäudeökobilanzen. Sie listet derzeit die Daten von über 160 Dämmstoff-Produkten auf. Zur praktischen Bilanzierung steht zudem das kostenlose Online-Werkzeug eLCA des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zur Verfügung. Es ermöglicht transparente Variantenvergleiche für Neubauten und Bestandsgebäude, verknüpft Materialdatensätze über den Lebenszyklus und liefert BNB-konforme Ergebnisse. Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) betrachtet neben ökologischen auch ökonomische, soziokulturelle, technische und prozessbezogene Qualitäten. Ergänzend bietet WECOBIS neutrale Informationen zu Umwelt- und Gesundheitsaspekten von Bauproduktgruppen. 

Fachwissen zum Thema

Aufsparrendämmsystem

Aufsparrendämmsystem

Dämmstoffe

Anorganische Dämmstoffe

Zu den anorganischen Dämmstoffen zählen Mineraldämmplatten, Mineralwolle, Blähglas, Blähperlit, Blähton, Perlite und Schaumglas.Mi...

Brand-/​Schallschutz

Brandschutz – Klassifizierung der Baustoffe

Brandschutzmaßnahmen sind in der Regel in den jeweiligen Landesbauordnungen (LBO) aufgeführt. In einigen Bundesländern gibt es...

Zum Seitenanfang

Ökobilanz von Dämmstoffen im Dachneu

Viele Dämmstoffe, aber welcher ist unter ökologischen Aspekten der Geeigneteste? Die Antwort bedarf einer komplexen Betrachtung vieler Faktoren.

Viele Dämmstoffe, aber welcher ist unter ökologischen Aspekten der Geeigneteste? Die Antwort bedarf einer komplexen Betrachtung vieler Faktoren.

Die Ökobilanz bei Dämmstoffen hat sich lange nur am Treibhauspotenzial der Herstellung und an der Energieeinsparung festgemacht. Die Ökobilanzierung ist heute umfassender, aber es gibt Tools, die 

Funktionsweise von Dämmstoffenneu

verschiedene Dämmstoffe

verschiedene Dämmstoffe

Die Wärmeleitfähigkeit variiert von Material zu Material. Wie Dämmstoffe wirken, wie dick sie sein sollten und wann sich mehr Dämmung nicht lohnt.

Allgemeines zu Dämmstoffen

Dämmstoffe sind Bauprodukte, die einen sehr hohen Anteil an eingeschlossener Luft enthalten und dadurch Wärme schlecht leiten. Sie...

Anorganische Dämmstoffe

Aufsparrendämmsystem

Aufsparrendämmsystem

Zu den anorganischen Dämmstoffen zählen Mineraldämmplatten, Mineralwolle, Blähglas, Blähperlit, Blähton, Perlite und Schaumglas.Mi...

Holzfaserdämmstoffe

Holzweichfaser-Dämmplatte

Holzweichfaser-Dämmplatte

Holzfaserdämmplatten werden vollständig aus Restholz hergestellt, das bei der Durchforstung und in Sägewerken übrig bleibt. Durch...

Organische Dämmstoffe

Zwischensparren-Klemmplatten aus Hanf

Zwischensparren-Klemmplatten aus Hanf

Zu den organischen Dämmstoffen zählen u.a. Zelluloseflocken, Hanf, Flachs, Holzfaserdämmstoffe, Holzwolle und Polystyrol aber auch...