PO-Beläge: Allgemeines und Eigenschaften

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Die Suche nach neuen strapazierfähigen Belägen und der seitens des Umweltschutzes geforderte Ausstieg aus der Chlorchemie (PVC = Polyvinylchlorid) führte zur Entwicklung der Polyolefin-Bodenbeläge (= PO-Beläge). Dazu wurden vereinfacht ausgedrückt die Polyvinyle durch die bekannten Polyolefine ersetzt. Polyolefin-Bodenbeläge sind Bodenbeläge mit folgenden Merkmalen:

  • Sie sind als chlorfrei einzustufen
  • physiologisch unbedenklich
  • geruchsneutral
  • umweltverträglich und wieder verwertbar (recycelbar)
  • halogenfrei
  • permanent antistatisch bei normaler Luftfeuchtigkeit!
  • schwer entflammbar (B1 nach DIN 4102)
  • geeignet für Fußbodenheizung durch geringen Wärmedurchlasswiderstand
  • unempfindlich gegen Flecken gem. DIN EN 423
  • homogene, thermische Nahtkantenabdichtungen sind möglich.

Darüber hinaus sind bei PO-Belägen keine Weichmacher notwendig, welche im Mittelpunkt der Kritik hinsichtlich gesundheitlicher Gefahren in den Presseveröffentlichungen standen.

Außer den Polyolefinen sind Kreide und Kaolin als mineralische Naturprodukte sowie umweltfreundliche Pigmente die weiteren Bestandteile der PO-Beläge. Diese Produkte werden entsprechend der geforderten Eigenschaften der Fertigware zu einer formbaren Masse gemischt und mittels Walzen zu einem einschichtigen Belag oder zu Folien bei einer mehrschichtigen Ausführung verarbeitet. Die Belagsoberfläche wird anschließend speziell imprägniert und in Bahnen und Platten konfektioniert.

Da unverlegte PO-Beläge bei einer Wärmezufuhr von 23°C auf 50°C eine Ausdehnung von 0,3% bis 0,5% aufweisen und darüber hinaus unter Feuchtigkeitszufuhr oder Lösungsmittel in geringem Umfang zum Quellen neigen, müssen hier stark wirkenden Kräfte neutralisiert werden. Die Ausdehnung von nur 0,3% bedeutet in der Praxis eine Längenzunahme von 3 mm auf 1,00 m Belag, bei einer Raumlänge von 5,00 lfm. entspricht das 1,5 cm!

Starke und je nach Lichteinfall sogar einseitige Erwärmung durch Sonneneinstrahlung und somit eine Ausdehnung muss deshalb durch geeignete Maßnahmen solange vermieden werden, bis das Klebstoffsystem eine ausreichende Kraft entwickelt hat. Daraus ergibt sich, dass das Verhalten und auch die Werte der Dimensionsänderung eher mit einem Elastomerbelag als mit einem herkömmlichen PVC-Belag vergleichbar sind. Diese, zu Verarbeitungsproblemen führenden Eigenschaften, haben die Belagshersteller durch Verfahrenstechniken, wie z.B. durch Anschleifen der Rückseite, Primerauftrag auf der Rückseite oder einen höheren Kreideanteil in den unteren Belagszonen zu kompensieren versucht.

Unabhängig von den verschiedenen Methoden, eine Haftverbesserung zwischen Klebstoff und Belag zu erzielen, ist dem Verarbeiter dringend zu empfehlen, ausschließlich für den PO-Belag freigegebene Bauhilfsstoffe (Vorstrichsysteme, Spachtelmassen und Klebstoff) entsprechend der TRGS 610/Ersatzstoffe und Ersatzstoffverfahren für stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbelag im System zu verwenden und bei Objekten unbedingt eine Baufreigabe der beteiligten Lieferanten schriftlich vom Werk vor Ausführung der Bodenbelagsarbeiten zu fordern.

Insgesamt betrachtet ist der PO-Belag ein anspruchvolles Produkt, das besonderes Können bei der Verarbeitung (er)fordert. Zu berücksichtigen sind weitergehend die neuen europäischen Normungen, insbesondere EN ISO 9239-1/Brandverhalten von Bodenbelägen und EN ISO 11 925-2/Brandverhalten von Bauprodukten sowie Klassifizierung des Brandverhaltens gem. EN 13 501-1.

Bildnachweis: Tarkett, Frankenthal

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