Galenicahaus U8 in Bern
Vom Unternehmenssitz zum Wohn-Bürokomplex
Der Firmensitz der Galenica, eine international agierende Schweizer Gesundheits- und Logistikunternehmensgruppe, soll transformiert werden. Seit 1967 befindet sich die Zentrale im Westen Berns am namensgebenden Untermattweg 8 – U8 daher der Projektname mit markantem Gebäudebestand. Dieser setzt sich aus einem hohen Querriegel und einem flankierenden, flächigen Sockelbau zusammen, die beide in die Jahre gekommen sind und saniert werden sollten. Das Unternehmen entschied, den Komplex zu verkaufen, um später als langfristiger Mieter selbst wieder einzuziehen. Denn die notwendige Sanierung bietet auch die Chance, die Immobilie weiterreichend zu entwickeln, worin sich der ursprüngliche Besitzer nicht in kompetenzvoller Lage sah. 2021 ging das Objekt an einen Immobilienfonds der Credit Suisse über.
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Mit Erhalt und Umbau des Turms gehen nun auch der partielle Rückbau und die Erweiterung des Sockels einher. Dort sollen unter anderem 69 Wohnungen integriert werden. Das Vorhaben ergänzen Merkmale wie eine öffentliche Durchwegung, ein freigelegter Innenhof, nutzbare Dachterrassen und Gastronomie, die sich dem Quartier öffnet. Die schrittweise Transformation ist bereits im Gange und soll bis 2030 abgeschlossen werden. Nach Plänen des Architekturbüros GWJ folgt die Verjüngungskur auch einem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept, das unter anderem den Einsatz wiederverwendeter und kreislaufgerechter Bauteile oder Holzbau für eine dreistöckige Wohnaufstockung am Sockel vorsieht.
Bauarbeiten am rohen Bestand und Sprießung der Konstruktion
Das Hochhaus selbst wird erhalten, erweitert und saniert, wobei die Höhe unverändert bleibt. Der Rückbau der Fassade sowie eines Erschließungsturms im Norden des Gebäudes sind bereits im Juli 2025 erfolgt. Die Rohbauarbeiten sowie die Erweiterung um einen Kopfbau anstelle des Erschließungsturms sollen bis Sommer 2026 abgeschlossen werden, um dann in den Ausbau einer modernen Arbeitsumgebung für den neuen Hauptmieter und ehemaligen Besitzer überzugehen. Bereits Ende 2023 waren rund 600 Mitarbeitende der Galenica Group in Teilen des Erd- und Untergeschosses in den Sockelbau gezogen. Der sogenannte Swing Space dient als Interims-Arbeitsstätte bis voraussichtlich 2027, wenn der Turm wieder bezogen werden kann.
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Ziel war es, so viel wie möglich von der Bestandssubstanz zu erhalten. Dazu gehören die Stahlbetonkonstruktion in den Untergeschossen sowie die Skelettkonstruktion aus Stahlstützen und Trägern mit Stahlblech-Beton-Verbunddecken in Turm und Teilen des Sockelbaus. Die ab 2027 anvisierte Bauphase umfasst die Sanierung, den Umbau und die Aufstockung des Sockelbaus, der unter anderem die Mietwohnungen sowie die Gastronomienutzung aufnehmen wird. Drei Geschosse in Holzbauweise werden oberhalb des Erdgeschosses ergänzt. Hierfür sind bereits einzelne Geschosse im Westen und Norden des Sockels rückgebaut. Anderenorts wurde er partiell abgetragen oder aufgebrochen, da beispielsweise in der Mitte ein begrünter Innenhof entsteht. Die bestehende Konstruktion muss dabei durch verschiedene Maßnahmen gestützt und abgefangen werden. So kommen etwa Stahlstützen oder Baumstämme für die Sprießung (auch Verstrebung) der Stahlträger zum Einsatz.
Nachhaltigkeitskonzept vom Material bis zu den Freiflächen
Am Ende der umfassenden Transformation sollen rund 12.000
Quadratmeter Geschossfläche auf die Büronutzung, rund 400 auf die
Gastronomie und circa 7.000 Quadratmeter Geschossfläche auf die
Wohnnutzung entfallen. Neben 20 Familienwohnungen mit 3,5 und mehr
Zimmern sind dabei auch Kleinwohnungen, Lofts, Atelier- und
Clusterwohnungen vorgesehen. Bei den neu errichteten
Gebäudebereichen plant das Architekturteam möglichst
wiederverwendete und recycelte Bauteile zu verwenden. Durch die
Neubau-Konstruktion aus Holz und weiteren Elementen aus biobasierten
Rohstoffen sowie sortenrein trennfähigen Systemen dient das Projekt
gleichzeitig als Materiallager für künftige Nutzungen.
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Das Nachhaltigkeitskonzept sieht außerdem an den Fassaden von Sockel bis Turm vorgehängte Photovoltaikelemente vor, die im Wohnbereich gleichzeitig der Verschattung dienen. Das Erdgeschoss erhält eine öffentliche Durchwegung und wird somit zum zugänglichen Stadtbaustein innerhalb des benachbarten Quartiers Weyermannshaus, das in den nächsten Jahren ebenfalls entwickelt wird. Eine neu konzipierte Zuwegung für Gewerbeanlieferung, Mitarbeitende, Besuchende der Gastronomie und Anwohner*innen ordnet die vielfachen Nutzungen auf engem Raum. 155 Parkplätze und mehr als doppelt so viele Fahrradstellplätze finden im neuen Komplex Platz. Retentionsflächen, eine intensive Begrünung und die Freilegung eines Stadtbachs kennzeichnen außerdem den künftigen umliegenden Grünraum. -sab
Bautafel
Architektur und Generalplanung: GWJ Architektur, Bern
Projektbeteiligte: Emch+Berger (Bauherrenevertretung); S+B Baumanagement (Baumanagement); Synaxis Zürich (Bauingenieure); Frutiger (Baumeisterarbeiten); ORT (Landschaftsarchitektur); Mebatech (Fassadenplaner); Wälchli Architekten Partner (Brandschutzingenieur); ETAVIS Bern-Mittelland (Elektroanlagen); Fux+Sarbach Engineering (Elektroingenieur); Equans Switzerland (Gebäudeautomation); Matter+Ammann (HKL-Planung); MMP Klima (Lüftungsanlagen); Systeex FB Feuer- und Brandschutz (Sprinkleranlage); Diamantbohr (Abbrucharbeiten); Menz (Altlastensanierung); Teupe Gerüstbau (Gerüste)
Bauherr*in: UBS Fund Management (Switzerland) AG, handelnd für UBS (CH) Property Fund – Direct Mixed Urban
Standort: Untermattweg 8, 3027 Bern, Schweiz
Fertigstellung: geplant 2030
Bildnachweise: Alain Bucher, GWJ, Play-Time (Visualisierungen)
