Kunststofffolien
Funktionen und Qualitäten
Seitdem der Wärmeschutz an Bedeutung gewann und damit auch die energetischen Anforderungen an Gebäude im Zuge der vergangenen Gesetzgebungen gestiegen sind, wurden Dach- und Wandaufbauten komplexer. Auch die zunehmenden Dachausbauten für mehr Wohnraum haben dazu beigetragen, dass die Anforderungen ans Dach anspruchsvoller wurden. Denn alte ungedämmte Dachstühle bestehen meist aus einer regensicheren Dachhaut und einem durchlüfteten Dachboden; sie entsprechen damit nicht den geforderten Vollsparrendämmungen und der Luftdichtheit nach DIN 4108-7: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden. Bei einem zeitgemäßen Dachgeschossausbau bestehen daher ganz andere Anforderungen an den Konstruktionsaufbau.
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Qualitäten von Kunststofffolien
Die Einhaltung gewisser Konstruktionsregeln ist zur Vermeidung von Bauschäden unabdingbar, zumal Dächer mit Vollsparrendämmung heute statt mit chemischem mit einem baulichen Holzschutz nach DIN 68800-2: Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau ausgeführt werden. Zum Schutz der Konstruktion und der Dämmung werden überwiegend Kunststofffolien eingesetzt. Die in diesen Konstruktionen zum Einsatz kommenden Unterspann- oder Unterdeckbahnen, Dampfbremsen oder -sperren müssen je nach Lage und Einbausituation unterschiedliche Qualitäten aufweisen, von wasserdicht, diffusionsbremsend bis ausreichend wasserdampfdurchlässig (diffusionsoffen). Die Auswahl der geeigneten Bahnen muss sich am Konstruktionsaufbau und an den Vorgaben des jeweiligen Herstellers sowie den einschlägigen Normen und Regelwerken orientieren, Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass die jeweiligen Bahnen nur in dem vom Hersteller angegebenen und entsprechend zugelassenen System verwendet werden.
Unterspannbahnen und Unterdeckungen
Bei Unterspannbahnen und Unterdeckungen sorgt die exponierte Lage als erste Schicht nach der Dachdeckung dafür, dass schon während der Bauphase die Folie als so genannte Noteindeckung Sonne, Wind, Regen, Schnee oder Hagel ausgesetzt ist. Nach der Fertigstellung entstehen für die Unterspannbahnen unter der Dachdeckung erhebliche Belastungen aus extrem hohen Temperaturen, Frost-Tau-Wechseln und Feuchteeinwirkungen. Entsprechend robust müssen Unterspann- und Unterdeckbahnen aus Kunststoff sein. Maßgeblich sind die DIN EN 13859-1: Abdichtungsbahnen – Definitionen und Eigenschaften von Unterdeck- und Unterspannbahnen – Teil 1: Unterdeck- und Unterspannbahnen für Dachdeckungen und das ZVDH-Merkblatt für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen.
Wasserdampfdiffusionswiderstand bei
Kunststofffolien
Bei Dampfbremsen und Dampfsperren aus
Kunststoff ist der Wasserdampfwiderstand (sd-Wert;
diffusionsäquivalente Luftschichtdicke) als Qualitätsmerkmal
relevant. Dieser Kennwert ergibt sich aus der
Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ und der Schichtdicke s (sd =
µ · s). Die zugehörige Einstufung von Bauteilschichten erfolgt nach
DIN 4108-3: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden –
Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz – Anforderungen,
Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und
Ausführung.
Üblicherweise werden unterschieden:
- diffusionsoffen: sd ≤ 0,5 m
- diffusionshemmend: > 0,5 m bis ≤ 10 m
- diffusionsbremsend: > 10 m bis ≤ 100 m
- diffusionssperrend (nahezu dampfdicht): > 100 m bis < 1.500 m
Die Begriffe „Dampfbremse“ und „Dampfsperre“ beschreiben die Wirkungsweise einer Schicht im jeweiligen Bauteilaufbau. Maßgebend ist also nicht alleine der Wasserdampfwiderstand einer einzelnen Folie, sondern der tatsächliche sd-Wert, der sich aus der Summe der Bauteilschichten ergibt, nachzuweisen über das Verfahren nach DIN 4108-3 oder, bei nicht durch die Norm abgedeckten Konstruktionen, über eine hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026-12: Wärme- und feuchtetechnisches Verhalten von Bauteilen und Bauelementen. Für Sanierungen wurde eine feuchteadaptive (oder feuchtevariable) Dampfbremse entwickelt. Bei dieser Folie steht die Größe des Diffusionswiderstandes in Abhängigkeit von der umgebenden, relativen Luftfeuchtigkeit und kann sich damit jahreszeitlich anpassen.
Verwendete Kunststoffe
Bei den für die Herstellung der Folien verwendeten Kunststoffen
handelt es sich üblicherweise um Polyolefine, wie zum Beispiel
Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE), vereinzelt auch um
recycelte oder Bio-Kunststoffe. PE- und PP-Folien werden ohne
Bindemittel oder Füllstoffe nur durch Hitze und Druck zu einem
hochfesten Spinnvlies verarbeitet, welches einerseits größerer
Wasserbelastung standhält, andererseits aber extrem
wasserdampfdiffusionsoffen ist.
Die polymeren Kunststofffolien für Dachunterspannbahnen sind sehr
dünne flächige, mehr oder weniger flexible Materialien. Dabei hängt
die Flexibilität insbesondere von der Dicke der Folienbahn, der
Zusammensetzung aus einer oder mehreren Lagen (mit oder ohne
Verstärkungslage) und von der Art des verwendeten Rohstoffes ab.
Die Dicke der Folien liegt in der Regel zwischen etwa 2 und 500
μm.
In der Folienproduktion sind die drei Verfahren zur Polymerbildung
von Bedeutung: die Polymerisation, die Polykondensation und die
Polyaddition. Fast alle zur Folienherstellung verwendeten
Kunststoffe weisen ein thermoplastisches Verhalten auf. Diese
gemeinsame Eigenschaft der Polymere hängt vor allem von ihrer
chemischen Struktur und Molmasse sowie von ihrem Feingefüge
ab.
