Umnutzung der Kellogg’s Silos in Bremen

Vom Industriegebäude zum Hotel

Ob mit Milch oder als Riegel: Cornflakes sind aus der Lebensmittelindustrie nicht mehr wegzudenken. Ihre Geschichte reicht bis ans Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als die US-Amerikaner John Harvey Kellogg und Will Keith Kellogg bei Experimenten mit Getreide eher zufällig die knusprigen Maisflocken entdeckten und daraus die heute weltweit bekannte Marke Kellogg’s entwickelten. Von den 1960er-Jahren bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2018 war das Kellogg’s-Werk im Westen Bremens auf dem Gelände des ehemaligen Überseehafens der einzige Produktionsstandort des Unternehmens in Deutschland. Heute entsteht auf der rund 300 Hektar großen Halbinsel mit der „Überseestadt“ ein neues Stadtviertel. Prägendes Wahrzeichen am Weserufer ist der ehemalige Kornspeicher aus den 1970er-Jahren, der nach Plänen des Wiener Architekturbüros Delugan Meissl zu einem Hotel umgebaut wurde. 

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Erhalt und Transformation des Kornspeichers

Die von der Überseeinsel GmbH als Bauherrin formulierten architektonischen Leitlinien sahen vor, sowohl den industriellen Charakter als auch die Symbolkraft des Silogebäudes zu bewahren. Darauf aufbauend entwickelte das Entwurfsteam ein Konzept, das den baulichen Bestand weitgehend erhält und zugleich eine zeitgemäße Umnutzung ermöglicht. Die markante Silhouette der acht ehemaligen Kornspeicher, in denen einst bis zu 5.000 Tonnen Mais, Weizen und Hafer gelagert wurden, blieb dabei erhalten. Im Inneren entstanden das auf die Gründer von Kellogg’s Bezug nehmende John & Will Silo-Hotel sowie Flächen für Büros und gastronomische Betriebe.

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Vom Vitaminlager zum flexiblen Arbeits- und Begegnungsort

Der Kornspeicher gliedert sich in einen nördlichen und einen südlichen Gebäudeteil. Im ehemaligen Vitaminlager – einem fünfgeschossigen Nordanbau aus der Zeit der industriellen Nutzung – sind heute Büroflächen, Konferenzräume sowie ein Restaurant mit Café untergebracht. Die oberen Etagen beherbergen die Verwaltung des John & Will Silo-Hotels. In den Regelgeschossen ermöglicht eine fünfteilige Glas-Faltwand zwischen Pausenraum und Teeküche eine flexible Nutzung der Flächen. 

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Zum Einsatz kam das System Ecoline Flexa von Solarlux, das eine akustische Trennung einzelner Bereiche bei gleichzeitiger Wahrung von Offenheit und Transparenz erlaubt. Die filigranen Aluminiumprofile nehmen sich optisch zurück und unterstützen den lichtdurchfluteten Raumeindruck, eine integrierte Drehflügeltür gewährleistet einen komfortablen Durchgang. Ein zentraler Funktionskern mit Treppenhaus, Aufzügen und WC-Bereichen verbindet den Bürotrakt mit dem Hotelbereich.

Empfangsbereich unter ehemaligen Trichtersilos

Das Hotel befindet sich im südlichen Gebäudeteil des alten Speicherwerks. Der Haupteingang liegt an der Südostfassade und erschließt eine weitläufige Lobby mit offenem Grundriss, die sich direkt unter den zu Hotelzimmern umgebauten Silos erstreckt. Die trichterförmigen Auslässe der Speicher in der Decke blieben erhalten und verweisen auf die Vergangenheit des Gebäudes. Roh belassene Betonwände und die sichtbar geführte Gebäudetechnik unterstreichen den industriellen Charakter des Raumes. Neue, geschosshohe Glasfassaden auf beiden Längsseiten bringen viel Tageslicht in die großzügige Empfangs- und Aufenthaltszone. Sieben, in die Pfosten-Riegel-Konstruktionen integrierte Maximal-Schiebefenster sorgen für fließende Übergänge zu den Außenterrassen des Gebäudes.

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Umbau der Speicherröhren zu Hotelzimmern

In den rund 40 Meter hohen, ehemals fensterlosen Speicherröhren verteilen sich auf zehn Geschossen insgesamt 117 kreis- und halbkreisförmige Hotelzimmer. Zur natürlichen Belichtung der Räume wurden in die 16 Zentimeter starken Betonringe horizontale Fensterbänder eingefräst, die weite Ausblicke über die Weser bieten. 

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Zur Entwicklung der optimalen Fassadenlösung wurden drei Varianten als 1:1-Mock-ups aus Holz realisiert, jeweils als vollständige Silo-Segmente. Ziel war es, die eingefrästen Fensterbänder durch spiegelnde Oberflächen und einen flächenbündigen Einbau optisch möglichst zurückhaltend zu integrieren. Eine besondere Herausforderung stellte die energetische Ertüchtigung dar, da die eingesetzten Wärmedämmverbundsysteme objektspezifisch geprüft und zugelassen werden mussten.

Für die Erschließung der Zimmer war es erforderlich, verbindende Betonstrukturen zwischen den einzelnen Silos zu entfernen. Allein im Hotelbereich fielen dabei rund 3.500 m³ Betonschutt an, der manuell abtransportiert wurde. Die neu eingezogenen Zwischendecken entstanden in aufwendiger Handarbeit und erforderten einen erheblichen Zeit- und Personalaufwand.

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Weitblick über der Weser

Auf der obersten Ebene wurde ein bestehender Aufbau zurückgebaut und durch einen neuen Gastronomie- und Eventbereich ersetzt. Wie bereits in der Hotellobby und der Gastronomie im Erdgeschoss des Bürotraktes wurde die Gebäudehülle vollständig verglast. Raumhohe Pfosten-Riegel-Fassaden und jeweils vier großformatige cero-Schiebefenster von Solarlux pro Längsseite ermöglichen den direkten Zugang zu den halbkreisförmigen Terrassen, die die Silotürme in rund 40 Metern Höhe abschließen. Bei einem Glasanteil von bis zu 98 Prozent gewähren die filigranen Profile der Baureihen cero II und cero III selbst im geschlossenen Zustand nahezu ungehinderte Ausblicke. 

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Barrierefrei, energieeffizient und langlebig

Fast alle cero-Anlagen setzen sich aus vier Elementen zusammen: zwei seitlichen Festverglasungen und zwei mittig angeordneten Schiebeflügeln, die sich auf schwellenlosen Edelstahl-Laufschienen leichtgängig und geräuscharm öffnen und vor den Festverglasungen parken lassen. Im Dachaufbau kam das hochwärmegedämmte System cero III mit Dreifachverglasung zum Einsatz. Mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,8 W/(m²K) sowie der Windwiderstandsklasse C5 nach DIN EN 12210 – Fenster und Türen - Widerstandsfähigkeit bei Windlast erfüllt es hohe bauphysikalische Anforderungen an Energieeffizienz sowie Winddruck und Windsog.

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Im Erdgeschoss wurde das System cero II mit Zweifachverglasung verbaut, das mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,35 W/(m²K) und der Windwiderstandsklasse B4 den dortigen bauphysikalischen Anforderungen entspricht. Aufgrund der unmittelbaren Küstennähe war zudem ein erhöhter Materialschutz erforderlich. Die Voranodisation der Aluminiumprofile gewährleistet auch unter hoher Salz- und Feuchtebelastung einen dauerhaften Korrosionsschutz.

Das Architekturbüro Delugan Meissl wurde für die behutsam revitalisierte Industriearchitektur auf der Bremer Überseeinsel mit dem Sonderpreis des Deutschen Städtebaupreises 2025 ausgezeichnet. 

Bautafel

Architektur: Delugan Meissl Associated Architects, Wien
Projektbeteiligte: Eva Schrade (Projektleitung); Birgit Miksch, Julia Oblitcova, Klaudia Prikrill, Martin Schneider (Projektteam); dt+p Architekten und Ingenieure, Bremen (Ausführungsplanung Reislager); Gruppe GME Architekten, Achim (Ausführungsplanung Silo); Wittler Ingenieure, Bremen (Tragwerksplanung und Bauphysik); Die Lichtplaner, Limburg-Staffel (Lichtplanung); Schweigatz Heizungs- und Sanitärbau, Oldenburg (Gebäudetechnik); Solarlux, Melle (Hersteller: Schiebefenster cero III und Glas-Faltwand Ecoline Flexa); POP Fassadenberatung, Oyten, Projektleitung: Gert Matthes (Fassadenplanung)
Bauherr*in: Überseeinsel, Bremen
Fertigstellung: 2024
Standort: Auf der Muggenburg 30, 28217 Bremen
Bildnachweis: Piet Niemann; Jens O. Holthaus (Bilder); Delugan Meissl Associated Architects (Pläne)

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