Baustoffklassen von Kabeln und Leitungen

Materialwahl bei Elektroinstallationen

Die Wahl der passenden Kabel und Leitungen ist abhängig von verschiedenen Faktoren: der Nutzung, dem Strombedarf der Anschlussgeräte, den Raumanforderungen und Umgebungsbedingungen, der Installationsart und den brandschutztechnischen Anforderungen. Geeignete Installationen müssen daher nicht nur den elektrischen Anforderungen genügen, sondern auch die spezifischen Sicherheits- und Brandschutzbedingungen erfüllen. Besonders in feuergefährdeten Bereichen oder bei sicherheitsrelevanten Stromkreisen entscheidet die richtige Materialwahl darüber, ob die Installation im Brandfall zuverlässig funktioniert und Schäden begrenzt bleiben. 

Galerie

Relevante Normen

Grundlage für die Bewertung des Materials ist unter anderem die DIN 4102-12: Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Teil 12: Kabel – Brandverhalten unter Brandbedingungen. Zusätzlich gelten die Schutzmaßnahmen und Anforderungen der DIN VDE 0100-420: Errichten von Niederspannungsanlagen – Schutz gegen thermische Auswirkungen, der DIN VDE 0100-718: Errichten von Niederspannungsanlagen – Sicherheitsbeleuchtung und der EN 50200: Prüfung von Kabeln unter Brandbedingungen – Funktionserhalt.

Anforderungen für sicherheitsrelevante und feuergefährdete Bereiche

Besondere Anforderungen gelten bei Stromkreisen für Sicherheitszwecke. Dazu zählen zum Beispiel Notbeleuchtungen bei Rettungswegen, Brandmeldeanlagen oder Feuerwehraufzüge. In diesen Fällen sind Kabel und Leitungen erforderlich, die eine Feuerwiderstandsdauer von mindestens einer Stunde (F60) oder höher haben. Produzierende und verarbeitende Betriebe lagern viel brennbares Material und sind oft feuergefährdet. Hier müssen Kabel und Leitungen aus nicht flammausbreitendem Material bestehen oder geschützt in nicht brennbaren Kabelkanälen liegen. Installationen sind so anzuordnen, dass sie auch bei Überhitzung keine brennbaren Materialien entzünden und dass ein möglicher Kabelbrand nicht auf andere Bauteile oder gelagerte Stoffe übergreifen kann (siehe DIN VDE 0100-420 / -718).

Materialverhalten im Brandfall

Üblich sind im Innenraum ummantelte PVC-Leitungen des Typs NYM, im Außenraum PVC-Erdkabel des Typs NYY. Beide Leitungstypen sind nicht flammausbreitend, allerdings enthält PVC Chlor – einen halogenen Stoff, der im Brandfall giftigen Rauch entwickelt. Halogenfreie Leitungen entwickeln dagegen weniger dichten Rauch mit geringeren toxischen Belastungen und ohne säurehaltige, materialzersetzende Gase. Halogenfreie Leitungen des Typs NHXMH haben also ein geringeres Risiko im Brandfall und sind daher geeignet für Räume mit höheren Brandschutzauflagen wie bei öffentlichen Bauten.

Galerie

Baustoffklassen

Kabel und Leitungen für Energieversorgung, Steuerung und Kommunikation in Gebäuden sind entsprechend ihres Brandverhaltens (Flammausbreitung und Wärmeentwicklung) nach europäischen Baustoffklassen (Euroklassen) zugeordnet. Diese stehen in der DIN EN 13501-6: Klassifizierung von Bauprodukten und Bauteilen zu ihrem Brandverhalten – Teil 6: Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Prüfungen zum Brandverhalten von Starkstromkabeln und -leitungen, Steuer- und Kommunikationskabeln. Entsprechend müssen die Hersteller der Kabel und Leitungen ihre Produkte normgerecht prüfen, bewerten und verbindlich in Baustoffklassen einordnen. 

Kabel mit der Kennzeichnung ACA (CA von cable) sind nicht brennbar und erfüllen höchste Sicherheitsanforderungen. Dagegen sind Kabel mit der Kennzeichnung FCA leicht brennbar und erfüllen damit keine Sicherheitsanforderungen. Die Baustoffklassen werden bei Kabeln und Leitungen mit zusätzlichen Angaben versehen, die Hinweise zur Rauchentwicklung, Säureentwicklung, Korrosivität und brennendem Abtropfen geben. 

Wichtig: Für den Verband der deutschen Elektroindustrie und Digitalindustrie (ZVEI) sind mit den Baustoffklassen (Brandklassen, Euroklassen) B2CA, CCA und ECA die meisten Anwendungsfälle für Bauwerke in Deutschland abgedeckt. 

Galerie

Baustoffklassen nach Gebäudearten

Schutzziele, wie zum Beispiel schwer entflammbar, geringe Rauchentwicklung oder geeignet für Rettungswege, werden von den Landesbauordnungen (LBO), der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) oder von Sonderbauverordnungen vorgegeben. Die Erfüllung dieser Schutzziele erfolgt u. a. über Kabel und Leitungen der genannten Baustoffklassen. Je nach Gebäudeart und Gebäudenutzung und den damit verbundenen Sicherheits- und Brandschutzanforderungen sind Kabel und Leitungen mit bestimmten Baustoffklassen zu verlegen. Für Fluchtwege, Krankenhäuser und Pflege- und Betreuungseinrichtungen gelten die höchsten Anforderungen: Hier wird die Brandklasse B2CA s1d1a1 empfohlen, also halogenfreie Leitungen mit geringer Rauchentwicklung, nur geringem und kurzem Abtropfverhalten und niedrigem Säuregehalt. Für niedrige Wohngebäude wie Einfamilienhäuser dürfen weiterhin übliche Leitungen mit PVC (wie NYM und NYY) eingesetzt werden.

Galerie

Die Zuordnungen in Tabelle 4 sind als Vorschläge zu sehen, da erst bei der baulichen Planung die wirkliche Nutzung des Gebäudes bzw. der Räumlichkeit bekannt ist und dies Einfluss auf die Festlegung der Kabel und Leitungen hinsichtlich deren Baustoffklasse hat.

Fachwissen zum Thema

Beispiellösung: Brandschottung bei der Kabel- und Rohrverlegung mit Brandschutzsteinen

Beispiellösung: Brandschottung bei der Kabel- und Rohrverlegung mit Brandschutzsteinen

Leitungen/​Verteiler

Brandschutzgerechte Verlegung von Kabeln und Leitungen

Elektroinstallationen verlaufen vernetzt durchs ganze Gebäude. Mit der korrekten Montage lassen sich Brandüberträge entlang der Elektrik sicher verhindern.

Installationsumfang und Ausstattungswerte

Grundinstallationen

Installationsumfang und Ausstattungswerte

Die Güte und Gebrauchstauglichkeit einer elektrischen Anlage wird durch den Ausstattungswert bestimmt, der in DIN 18015-2...

Kabel und Leitungen

Leitungen/​Verteiler

Kabel und Leitungen

Für den „Transport“ der elektrischen Energie werden in der Regel Kabel und Leitungen verwendet. Die Energie wird vom Kraftwerk...

Installationszonen im Wohnraum gemäß DIN 18015-3 (Angaben in cm), dreidimensionale Ansicht

Installationszonen im Wohnraum gemäß DIN 18015-3 (Angaben in cm), dreidimensionale Ansicht

Leitungen/​Verteiler

Leitungsverlegung und Installationszonen

Welche Grundsätze gelten beim Verlegen von Leitungen? Welche Verlegearten sind üblich, welche sind nicht gestattet und was gilt für Installationszonen? Der Fachbeitrag informiert.

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Elektro sponsored by:
Jung | Kontakt 02355 / 806-0 | mail.info@jung.de
Zum Seitenanfang

Biegeradien bei Kabeln und Leitungenneu

Verlegart von gekrümmten Kabeln und Leitungen

Verlegart von gekrümmten Kabeln und Leitungen

Der Biegeradius von Elektrokabeln beeinflusst Funktion, Übertragungsqualität und Lebensdauer. Ein Blick auf die sehr unterschiedlichen Normen und ihre Bedeutung für die Praxis.

Strombelastbarkeit von elektrischen Leitungenneu

Elektrischer Strom in den Leitern erzeugt dauerhaft Wärme, die üblicherweise an die Umgebung abstrahlt.

Elektrischer Strom in den Leitern erzeugt dauerhaft Wärme, die üblicherweise an die Umgebung abstrahlt.

Verlegebedingungen weichen häufig von der Norm ab und beeinflussen die Erwärmung und Belastbarkeit von Leitungen. Wie man die Faktoren der Praxis schon in der Planung berücksichtigt.

Stromkreisverteiler

Beispiel eines Stromkreisverteilers (AK Kleinverteiler von Spelsberg)

Beispiel eines Stromkreisverteilers (AK Kleinverteiler von Spelsberg)

Stromkreisverteiler verteilen die vom Zähler erfasste elektrische Energie auf die einzelnen Stromkreise. Dazu dienen...

Kabel und Leitungen

Kabel und Leitungen

Für den „Transport“ der elektrischen Energie werden in der Regel Kabel und Leitungen verwendet. Die Energie wird vom Kraftwerk...

Verbinden der Leitungen

Anschlüsse und Verbindungen von Leitungen mit Geräten untereinander werden hauptsächlich mit Hilfe von Schraubklemmen und...

Installation mit Verbindungsdosen

Klassische

Klassische

Schalter, Steckdosen, Leitungsverbindungen etc. werden in Installationsdosen untergebracht. Leitungen werden in speziellen...

Leitungsverlegung und Installationszonen

Installationszonen im Wohnraum gemäß DIN 18015-3 (Angaben in cm), dreidimensionale Ansicht

Installationszonen im Wohnraum gemäß DIN 18015-3 (Angaben in cm), dreidimensionale Ansicht

Welche Grundsätze gelten beim Verlegen von Leitungen? Welche Verlegearten sind üblich, welche sind nicht gestattet und was gilt für Installationszonen? Der Fachbeitrag informiert.

Brandschutzgerechte Verlegung von Kabeln und Leitungen

Beispiellösung: Brandschottung bei der Kabel- und Rohrverlegung mit Brandschutzsteinen

Beispiellösung: Brandschottung bei der Kabel- und Rohrverlegung mit Brandschutzsteinen

Elektroinstallationen verlaufen vernetzt durchs ganze Gebäude. Mit der korrekten Montage lassen sich Brandüberträge entlang der Elektrik sicher verhindern.

Baustoffklassen von Kabeln und Leitungen

Für jede Anwendung und Anforderung gibt es die passenden Kabel und Leitungen.

Für jede Anwendung und Anforderung gibt es die passenden Kabel und Leitungen.

Die Ausschreibung und korrekte Verlegung der Gebäudeelektrik beginnt mit der Wahl des geeigneten Installationsmaterials. Was das mit dem Brandschutz zu tun hat, erfahren Sie hier.

JUNG Serie LS mit Beschriftungsfeld

Ideal für die normgerechte Kennzeichnung: Schalter und Steckdosen mit Beschriftungsfeld fügen sich harmonisch in viele Raumkonzepte ein.

Partner-Anzeige