Elektroinstallation in öffentlichen Einrichtungen und Arbeitsstätten

Die 27 Normen der DIN VDE 0100, Gruppe 700, behandeln zusätzliche Anforderungen für das Errichten von Niederspannungsanlagen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art, die in besonderer Umgebung, unter außergewöhnlichen Umwelteinflüssen oder Betriebsverhältnissen zu beachten sind. Ausführlichere Informationen dazu sind in dem Beitrag Elektroinstallation in Räumen besonderer Art oder Nutzung nach DIN VDE 0100-701 bis DIN VDE 0100-753 zu lesen. Zur Gruppe 700 gehört auch der Teil 7-718: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Öffentliche Einrichtungen und Arbeitsstätten in der derzeit gültigen Fassung vom Juni 2014. Seit Juni 2016 sind zu diesem Teil 718 zusätzlich eine Vornorm und ein Beiblatt in Kraft.

Gallerie

In dieser Norm geht es um die Elektroinstallation in Baulichen Anlagen für Menschenansammlungen. Unter diesem Titel erschienen auch die Vorgängernormen des Teils 7-718 bis zur Fassung vom Oktober 2005. Letztere wurde in die jetzt gültige DIN VDE 0100-718:2014-06 sowie in die DIN VDE 0100-560:2013-10 Elektrische Anlagen für Sicherheitszwecke überführt.

Öffentliche Einrichtungen und Arbeitsstätten
Die besonderen Anforderungen von Teil 718 der DIN VDE 0100 beziehen sich auf elektrische Anlagen in baulichen Anlagen oder Teilen baulicher Anlagen von öffentlichen Einrichtungen und Arbeitsstätten, wie zum Beispiel:

  • Versammlungsstätten und Versammlungsräume
  • Theater, Kinos
  • Ausstellungshallen
  • Sportstätten
  • Schwimmhallen
  • Verkaufsstätten
  • Gaststätten
  • Hotels, Beherbergungsstätten
  • Alten- und Pflegeheime
  • Begegnungsstätten
  • Schulen, Hochschulen und ähnliche Einrichtungen
  • Parkhäuser, Tiefgaragen
  • Flughäfen, Bahnhöfe
  • Arbeitsstätten, Fabriken.

Bei den hier aufgeführten Beispielen handelt es sich um mit elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln ausgestattete Gebäude und Arbeitsstätten, in denen sich viele Personen aufhalten.

Was ist generell zu beachten?
Damit die Menschen durch die in den Gebäuden untergebrachten elektrischen Anlagen nicht gefährdet werden, sind besondere Maßnahmen erforderlich, die in dieser Norm festgelegt sind. Daher gelten Zusatzanforderungen zu den bekannten Schutzmaßnahmen nach DIN VDE 0100-410, zu zusätzlichen Maßnahmen bei besonderen Brandrisiken, teilweise verschärfte Anforderungen an die Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel, zur Auswahl von Kabeln und Leitungen sowie zu den Beleuchtungsanlagen.

Anmerkungen:

  • Die besonderen Anforderungen an Einrichtungen für Sicherheitszwecke sind in die Norm DIN VDE 0100-560 verlagert worden und Festlegungen zum Thema Prüfungen sind nun in DIN VDE 0100-600 enthalten.
  • Wichtig zu wissen: Krankenhäuser gehören nicht zum Geltungsbereich dieser Norm, sondern zur VDE 0100-710, Medizinisch genutzte Bereiche.
  • Die im konkreten Einzelfall zu beachtenden speziellen Festlegungen können an dieser Stelle nicht alle aufgeführt werden. Unabhängig davon gelten generell immer die Anforderungen aus den Gruppen 100 bis 600 und 800, die die Grundlage für das Errichten aller elektrischen Anlagen und Betriebsmittel bilden. Auch hier gilt der Grundsatz, dass die Festlegungen im Teil 718 immer zusätzlich gelten, wenn zusätzliche Anforderungen zu berücksichtigen sind. Ein Blick in die Norm ist daher stets zu empfehlen. Hier ist auch das Beurteilungsvermögen der Elektrofachkraft gefragt.
  • Um dem Anwender die Arbeit im konkreten Einzelfall zu erleichtern, wurde der Anwendungsbereich der DIN VDE 0100-718 der bundeseinheitlichen Musterbauordnung angepasst. Da aber die Rechtslage je nach Bundesland nach wie vor unterschiedlich ist, sollte im Zweifelsfall die zuständige Bauaufsichtsbehörde konsultiert werden.
Wichtige Festlegungen im Überblick
  • Zum Schutz vor äußeren Einflüssen und mechanischen Beschädigungen durch Unbefugte müssen Verteiler in separaten Räumen untergebracht werden oder zusätzlich geschützt werden, z. B. durch eine allseitige Verkleidung aus Blech oder mechanisch stabilem flammwidrigem Material.
  • Für die Schutzmaßnahmen gelten generell die Forderungen aus DIN VDE 0100-410 und -420. Zusätzlich fordert der Teil 718, dass die Messung des Isolationswiderstandes in den Verteilungen möglich sein muss, bei Leiterquerschnitten unter 10 mm²  muss dies ohne Abklemmen des Neutralleiters möglich sein.
  • Bei besonderen Brandrisiken müssen nicht benötigte elektrische Betriebsmittel in öffentlichen Einrichtungen und Arbeitsstätten abschaltbar sein, z. B. in Verkaufs- und Ausstellungsräumen, Kantinen und Pausenräumen. Elektromotoren müssen gegen unzulässig hohe Temperaturen geschützt und vor Blockieren gesichert werden.
  • Kabel- und Leitungsanlagen sind nach DIN VDE 0100-520 zu errichten. Außerdem gilt, dass vorübergehend benötigte Betriebsmittel, z. B. Steckdosenverteiler, zusätzlich befestigt werden müssen. Kabel und Leitungen auf Bühnen müssen mit mechanischem Schutz auf der Wand montiert werden, wobei eine Prüfung trotzdem leicht möglich sein muss. Für vieladrige Kabel auf Bühnen sind eine Reihe weiterer Bedingungen einzuhalten, darunter: Verlegung auf nicht brennbaren Oberflächen, alle Stromkreise des Kabels müssen mit einem Schalter schaltbar bzw. trennbar sein.
  • Abschaltvorrichtungen für elektrische Anlagen müssen in möglichst kurzem Abstand vom Einspeisekabel in das Gebäude angeordnet werden.
  • Für Kabel und Leitungen in Sportstätten, Theatern und Versammlungsräumen gilt, dass die Steckvorrichtungen nach VDE 0623-1 besonders stabil ausgeführt sein müssen.
  • Die Schaltstellen von Beleuchtungsanlagen müssen gegen unbefugtes Bedienen geschützt sein. Die Leuchten müssen auf mehrere Stromkreise verteilt werden. Eine Fehlerstromschutzeinrichtung (RCD) darf jeweils nur einen Endstromkreis versorgen, damit es im Fehlerfall nicht ganz dunkel wird.

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