Zweischalige Konstruktionen und „Estrichdröhnen”

Physikalisch ist eine Massivdecke mit schwimmendem Estrich eine zweischalige Konstruktion. Zweischalige Bauteile sind durch die zugrundeliegenden Schwingungsvorgänge komplexe Systeme. Im physikalischen Modell werden sie durch zwei per Feder gekoppelte Massen beschrieben. Die Trennfuge mit ihrem bauüblichen, relativ geringen Abstand überträgt Schwingungen des einen Bauteils auf das andere und wirkt dabei als Feder. Zur Kopplung reicht eine Luftschicht aus. Durch Füllung der Trennfuge mit Dämmstoffen lässt sich der Anregungseffekt dämpfen, aber nicht verhindern. Trotz vollständiger Trennung zwischen Estrich und Massivdecke wird bei schwimmenden Estrichen Trittschall zwischen den beiden Schalen übertragen.

Gallerie

Die Schalldämmung zweischaliger Bauteile ist frequenzabhängig. Hierbei ist insbesondere der Resonanzeffekt zu beachten. Bei zweischaligen Masse-Feder-Systemen bedeutet Resonanz, dass bei einer bestimmten Frequenz die Amplituden der angeregten Masse größer werden, als die Amplitude der Anregung selbst. Die Resonanzfrequenz bzw. „Eigenfrequenz” f0, bei der dieser Effekt auftritt, hängt ab von den flächenbezogenen Bauteilmassen, dem Schalenabstand und der dynamischen Steifigkeit der Dämmschicht.

Resonanzen bei schwimmenden Estrichen werden als „Estrichdröhnen” bezeichnet und können sehr störend sein, sogar im Senderaum selbst. Kinder haben oftmals ein Gespür dafür, an welchen Stellen der Boden bei kräftigem Auftreten besonders laut ist. Leider lässt sich das Estrichdröhnen aufgrund der zweischaligen Konstruktionsweise physikalisch nicht verhindern. Es tritt bei tieferen Frequenzen unterhalb von 160 Hz auf und kann durch Messung des bewerteten Norm-Trittschallpegels bei sorgfältiger Erfassung der tieffrequenten Schallanteile (< 100 Hz) frequenzabhängig erkannt werden. Auch bei Wohnungstrenndecken mit normgemäß vollständig ausreichender Trittschalldämmung kann Estrichdröhnen auftreten. Da es praktisch kaum möglich ist, die Resonanzfrequenz des Estrichs rechnerisch präzise zu ermitteln, und da für den Dröhneffekt auch die Abmessungen des Empfangsraums eine Rolle spielen, stellt Estrichdröhnen derzeit ein ungelöstes Problem dar.

Autor: Prof. Dr.-Ing. Birger Gigla, Lübeck

Fachwissen zum Thema

Punktschallquelle mit idealisierten Schallwellen

Punktschallquelle mit idealisierten Schallwellen

Schallschutz

Akustische Begriffe: Frequenz und Schallwellenlänge

Die Schallfrequenz („Tonhöhe“) f beschreibt die Anzahl der Schwingungen einer Luftmasse je Sekunde. Für die Frequenz wird die...

Die Anforderungswerte der Norm DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau vom Januar 2018 beziehen sich auf den Mindestschallschutz in „schutzbedürftigen Räumen”; das sind beispielsweise Schlafräume.

Die Anforderungswerte der Norm DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau vom Januar 2018 beziehen sich auf den Mindestschallschutz in „schutzbedürftigen Räumen”; das sind beispielsweise Schlafräume.

Schallschutz

Mindestschallschutz nach DIN 4109-1: 2018

Nicht nur vor unzumutbaren Belästigungen ist zu schützen; als normative Anforderung gelten auch zufriedenstellende Nachtruhe-, Freizeit- und Arbeitsbedingungen.

Massivdecke mit schwimmendem Estrich: Die rechnerisch nachgewiesene Trittschalldämmung setzt eine fehlerfreie Ausführung der Dämmschicht unter dem Estrich und der Randdämmstreifen (blau) voraus. Durch Ausbaugewerke (z.B. Fliesenarbeiten) dürfen keine Schallbrücken zwischen Wohnung und Treppenhaus entstehen.

Massivdecke mit schwimmendem Estrich: Die rechnerisch nachgewiesene Trittschalldämmung setzt eine fehlerfreie Ausführung der Dämmschicht unter dem Estrich und der Randdämmstreifen (blau) voraus. Durch Ausbaugewerke (z.B. Fliesenarbeiten) dürfen keine Schallbrücken zwischen Wohnung und Treppenhaus entstehen.

Schallschutz

Nachweis der Trittschalldämmung in Gebäuden nach DIN 4109-2: 2018

Bei der Berechnung der Trittschalldämmung in massiven Wohngebäuden nach den Normen DIN 4109-2: Schallschutz im Hochbau – Teil 2:...

Anschluss eines Fertigteil-Treppenlaufes mit Podestplatte an eine Stahlbetonwand mit Entkopplungselementen. Die Öffnungen über den Entkopplungselementen werden für den Einbau (Einschwenken) des Fertigteils benötigt, sie werden später vermauert.

Anschluss eines Fertigteil-Treppenlaufes mit Podestplatte an eine Stahlbetonwand mit Entkopplungselementen. Die Öffnungen über den Entkopplungselementen werden für den Einbau (Einschwenken) des Fertigteils benötigt, sie werden später vermauert.

Schallschutz

Schutz gegen Lärm aus fremden Räumen

Zur Begrenzung des Lärms aus fremden Räumen werden laute und leise Räume nach Möglichkeit im Grundriss getrennt angeordnet....

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de

Baunetz Wissen Boden sponsored by:
Deutsche FOAMGLAS®  | www.foamglas.com
Zum Seitenanfang

Bauakustik und Raumakustik: Einführung

Wohnungstrennwände in Mehrfamilienhäusern müssen die Mindestanforderungen an die Schalldämmung einhalten.

Wohnungstrennwände in Mehrfamilienhäusern müssen die Mindestanforderungen an die Schalldämmung einhalten.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für ein Gebäude sind die bau- und raumakustischen Eigenschaften.

Akustische Begriffe: Was ist Schall?

Die individuelle Schallerfahrung ist eng an das eigene Hörempfinden geknüpft. Sie umfasst Kommunikation, unterschiedliche Tonhöhen, Musik, Geräusche, Lärm und geht darüber hinaus: Wir können sogar „hören“, ob wir uns in einem Raum oder im Freien befinden.

Die individuelle Schallerfahrung ist eng an das eigene Hörempfinden geknüpft. Sie umfasst Kommunikation, unterschiedliche Tonhöhen, Musik, Geräusche, Lärm und geht darüber hinaus: Wir können sogar „hören“, ob wir uns in einem Raum oder im Freien befinden.

Wie nehmen wir Schall wahr und wie breitet dieser sich aus? Das ist wesentlich für die Gestaltung von Räumen.

Akustische Begriffe: Frequenz und Schallwellenlänge

Punktschallquelle mit idealisierten Schallwellen

Punktschallquelle mit idealisierten Schallwellen

Die Schallfrequenz („Tonhöhe“) f beschreibt die Anzahl der Schwingungen einer Luftmasse je Sekunde. Für die Frequenz wird die...

Schalldämmung und Schallschutz

Unter Schallschutz versteht man alle Maßnahmen zur Begrenzung des Schalldruckpegels in schutzbedürftigen Räumen wie zum Beispiel Wohn-, Ess-, Schlaf- und Arbeitszimmern.

Unter Schallschutz versteht man alle Maßnahmen zur Begrenzung des Schalldruckpegels in schutzbedürftigen Räumen wie zum Beispiel Wohn-, Ess-, Schlaf- und Arbeitszimmern.

Wie überträgt sich Schall im Gebäude und welche Möglichkeiten gibt es, diesen einzudämmen?

Raumakustik: Halligkeit, Nachhallzeit und Schallabsorption

Prinzip der Raumakustik: Direktschall (z. B. durch einen Lautsprecher) wird an den Raumoberflächen reflektiert. Hierdurch entsteht ein sogenanntes „diffuses“ Schallfeld.

Prinzip der Raumakustik: Direktschall (z. B. durch einen Lautsprecher) wird an den Raumoberflächen reflektiert. Hierdurch entsteht ein sogenanntes „diffuses“ Schallfeld.

Das diffuse Schallfeld beeinflusst die Sprachverständlichkeit, die bei überwiegend schallreflektierenden Oberflächen abnimmt.

Raumakustische Planung

„Hörsamkeit” ist ein Begriff aus der Bauphysik. Er beschreibt die akustische Qualität eines Raums mit dem Ziel der Sicherstellung der Sprachkommunikation oder der Eignung für musikalische Darbietungen.

„Hörsamkeit” ist ein Begriff aus der Bauphysik. Er beschreibt die akustische Qualität eines Raums mit dem Ziel der Sicherstellung der Sprachkommunikation oder der Eignung für musikalische Darbietungen.

Vorrangig für die Sprachkommunikation ausgelegt sind die Anforderungen und Empfehlungen der Norm DIN 18041: Hörsamkeit in Räumen.

Bauakustik (Schallschutz): Luftschalldämmung und Trittschalldämmung

Messprinzip der Luft- und Trittschalldämmung

Messprinzip der Luft- und Trittschalldämmung

Luft- und Trittschalldämmung sind bauteilbezogene Eigenschaften, die bei einschaligen Bauteilen überwiegend von der...

Bauakustik: Regelgerechter und erhöhter Schallschutz

Mögliche Zielvorstellungen bei Planungsbeginn eines Gebäudes

Mögliche Zielvorstellungen bei Planungsbeginn eines Gebäudes

Welche Vorgaben machen die Landesbauordnungen, welche Normen und Richtlinien gelten, wie lassen sich spätere juristische Auseinandersetzungen vermeiden?

Diskussion zur Neufassung der DIN 4109

Bei der Anwendung bauteilbezogener Kenngrößen für den Schallschutz kann der Planungsprozess weitgehend problemlos ablaufen.

Bei der Anwendung bauteilbezogener Kenngrößen für den Schallschutz kann der Planungsprozess weitgehend problemlos ablaufen.

Die Sichtweisen seitens der Planung und der Bauphysik zu einem bauteil- oder raumbezogenen Nachweis des Schallschutzes werden hier dargelegt.

Mindestschallschutz nach DIN 4109-1: 2018

Die Anforderungswerte der Norm DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau vom Januar 2018 beziehen sich auf den Mindestschallschutz in „schutzbedürftigen Räumen”; das sind beispielsweise Schlafräume.

Die Anforderungswerte der Norm DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau vom Januar 2018 beziehen sich auf den Mindestschallschutz in „schutzbedürftigen Räumen”; das sind beispielsweise Schlafräume.

Nicht nur vor unzumutbaren Belästigungen ist zu schützen; als normative Anforderung gelten auch zufriedenstellende Nachtruhe-, Freizeit- und Arbeitsbedingungen.

Rechnerischer Nachweis der Luftschalldämmung in Gebäuden

Übersicht zur Ermittlung der resultierenden Schalldämmung R&#x2032;w unter Berücksichtigung der flankierenden Übertragung nach Norm DIN 4109-2

Übersicht zur Ermittlung der resultierenden Schalldämmung R′w unter Berücksichtigung der flankierenden Übertragung nach Norm DIN 4109-2

Nach der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) kann der schalltechnische Nachweis nach DIN 4109-2:...

Nachweis der Trittschalldämmung in Gebäuden nach DIN 4109-2: 2018

Massivdecke mit schwimmendem Estrich: Die rechnerisch nachgewiesene Trittschalldämmung setzt eine fehlerfreie Ausführung der Dämmschicht unter dem Estrich und der Randdämmstreifen (blau) voraus. Durch Ausbaugewerke (z.B. Fliesenarbeiten) dürfen keine Schallbrücken zwischen Wohnung und Treppenhaus entstehen.

Massivdecke mit schwimmendem Estrich: Die rechnerisch nachgewiesene Trittschalldämmung setzt eine fehlerfreie Ausführung der Dämmschicht unter dem Estrich und der Randdämmstreifen (blau) voraus. Durch Ausbaugewerke (z.B. Fliesenarbeiten) dürfen keine Schallbrücken zwischen Wohnung und Treppenhaus entstehen.

Bei der Berechnung der Trittschalldämmung in massiven Wohngebäuden nach den Normen DIN 4109-2: Schallschutz im Hochbau – Teil 2:...

Nachweis der Luftschalldämmung von Außenbauteilen

Typische Außenfassade mit Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen. Die beiden Lüftungsöffnungen im 1. OG wurden hier ungünstig zum Straßenverkehr und zu einer Haltestelle des öffentlichen Personennahverkehrs hin ausgerichtet. Bei unzureichender Schalldämmung der Lüftungsöffnungen können Brems- und Anfahrgeräusche der Busse sowie Gespräche wartender Fahrgäste in Wohnräume übertragen werden.

Typische Außenfassade mit Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen. Die beiden Lüftungsöffnungen im 1. OG wurden hier ungünstig zum Straßenverkehr und zu einer Haltestelle des öffentlichen Personennahverkehrs hin ausgerichtet. Bei unzureichender Schalldämmung der Lüftungsöffnungen können Brems- und Anfahrgeräusche der Busse sowie Gespräche wartender Fahrgäste in Wohnräume übertragen werden.

Anforderungen an die Luftschalldämmung von Außenbauteilen sind im Abschnitt 5 der Norm DIN 4109:1989: Schallschutz im Hochbau gere...

Schutz gegen Außenlärm

Das tatsächliche Schalldämm-Maß eingebauter Fenster hängt ab von der Schalldämmung der Verglasung, der Schalldämmung des Rahmens, der Qualität des Einbaus und der Schalldämmung weiterer Bauteile wie integrierter Lüftungssysteme oder Rollladenkästen.

Das tatsächliche Schalldämm-Maß eingebauter Fenster hängt ab von der Schalldämmung der Verglasung, der Schalldämmung des Rahmens, der Qualität des Einbaus und der Schalldämmung weiterer Bauteile wie integrierter Lüftungssysteme oder Rollladenkästen.

Die Anforderungswerte der Norm DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau – Teil 1: Mindestanforderungen beziehen sich auf den...

Schutz gegen Lärm aus fremden Räumen

Anschluss eines Fertigteil-Treppenlaufes mit Podestplatte an eine Stahlbetonwand mit Entkopplungselementen. Die Öffnungen über den Entkopplungselementen werden für den Einbau (Einschwenken) des Fertigteils benötigt, sie werden später vermauert.

Anschluss eines Fertigteil-Treppenlaufes mit Podestplatte an eine Stahlbetonwand mit Entkopplungselementen. Die Öffnungen über den Entkopplungselementen werden für den Einbau (Einschwenken) des Fertigteils benötigt, sie werden später vermauert.

Zur Begrenzung des Lärms aus fremden Räumen werden laute und leise Räume nach Möglichkeit im Grundriss getrennt angeordnet....

Schutz gegen Lärm im eigenen Wohnbereich

Wandöffnung für die Heizkreisverteilung einer Flächenheizung in einem Einfamilienhaus

Wandöffnung für die Heizkreisverteilung einer Flächenheizung in einem Einfamilienhaus

Anforderungen an die Luft- oder Trittschalldämmung von Bauteilen im eigenen Bereich oder an maximale Innenpegel infolge von Lärm...

Schutz gegen Lärm aus gebäudetechnischen Anlagen

Die Heizungsanlage wurde zur Schalldämmung mit einem zusätzlichen Gehäuse versehen, das den bei Betrieb entstehenden Luftschallanteil reduziert. Zur Dämmung des Körperschallanteils ist eine Entkopplung zu den Decken und Wänden durch absorbierende Dämpfer oder ein eigenes Fundament erforderlich. Eine vollständige Trennung lässt sich aber schon wegen der Anschlussleitungen nicht erreichen; sinnvoll ist darum eine lärmarme Auslegung der Anlage.

Die Heizungsanlage wurde zur Schalldämmung mit einem zusätzlichen Gehäuse versehen, das den bei Betrieb entstehenden Luftschallanteil reduziert. Zur Dämmung des Körperschallanteils ist eine Entkopplung zu den Decken und Wänden durch absorbierende Dämpfer oder ein eigenes Fundament erforderlich. Eine vollständige Trennung lässt sich aber schon wegen der Anschlussleitungen nicht erreichen; sinnvoll ist darum eine lärmarme Auslegung der Anlage.

Gebäudetechnische Anlagen im Sinne der Norm DIN 4109-1 sind:Versorgungs- und Entsorgungsanlagen,Transportanlagen,fest eingebaute,...

Zweischalige Konstruktionen und „Estrichdröhnen”

Physikalisch ist eine Massivdecke mit schwimmendem Estrich eine zweischalige Konstruktion. Trotz vollständiger Trennung zwischen Estrich und Massivdecke wird bei schwimmenden Estrichen Trittschall zwischen den beiden Schalen übertragen.

Physikalisch ist eine Massivdecke mit schwimmendem Estrich eine zweischalige Konstruktion. Trotz vollständiger Trennung zwischen Estrich und Massivdecke wird bei schwimmenden Estrichen Trittschall zwischen den beiden Schalen übertragen.

Physikalisch ist eine Massivdecke mit schwimmendem Estrich eine zweischalige Konstruktion. Zweischalige Bauteile sind durch die...

Normenübersicht Schallschutz (Bau- und Raumakustik)

Neue Fassung der Norm DIN 4109 aus den Jahren 2016/2018 DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau – Teil 1: Mindestanforderungen;...

Wärmebrückenfrei bauen

Thermische, bauphysikalische und ausführungsbedingte Wärmebrücken sicher vermeiden – mit dem Wärme-dämmelement FOAMGLAS PERINSUL

Partner-Anzeige