Zentrum für Kinderonkologie in Utrecht

Genesungsfördernde Gestaltung beim Princess Máxima Center

Eine Umgebung zu schaffen, die hohen medizinischen Standards entspricht und in der sich Patienten zudem wohlfühlen können, ist eine herausfordernde Aufgabe. Gelungen ist sie beim Krankenhausneubau Zentrum für Kinderonkologie in Utrecht. Das Gestaltungsziel des Komplexes war, die kognitive, sozioemotionale und motorische Entwicklung der jungen Krebspatienten trotz der Erkrankung weiter zu fördern und ein freundliches und offenes Umfeld mit hoher Lebensqualität für die Genesung der Kinder zu verwirklichen. Austausch und Zusammenarbeit waren dabei unabdingbar. Im Princess Máxima Center werden Gesundheitsversorgung, Forschung und Ausbildung rund um den Fachbereich der Kinderonkologie gebündelt. Dadurch soll die Praxis von der Forschung profitieren und ein ständiger Austausch zwischen den Instanzen begünstigt werden. Für die Entwicklung des Gebäudekonzepts zogen LIAG Architekten aus Den Haag die Expertise eines Kinderpsychologen hinzu, während der Innenausbau von MMEK aus Utrecht in Austausch mit verschiedenen Interessensgruppen wie etwa Patienten, Angehörigen und dem medizinischen Fachpersonal mit dem Ziel einer entwicklungsorientierten Gesundheitsversorgung realisiert wurde.

Gallerie

Bunte Lamellen für wechselhafte Farbgebung
Der vier- bis sechsgeschossige Komplex mit einer Gesamtfläche von 45.000 m² befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Wilhelmina Kinderklinik am Universitätsklinikum Utrecht. Östlich des neuen Krankenhauses öffnet sich eine Landschaft aus Wiesen und Wäldern, während im Norden eine vielbefahrene Autobahn verläuft. Der Bau weist sechs Innenhöfe auf, von denen sich zwei in Richtung Grünfläche öffnen. Die Fassade der Kinderonkologie ist mit wartungsarmen, weißen Aluminiumpaneelen verkleidet und changiert je nach Blickwinkel. Grund dafür sind Lamellen mit bunten Seitenflächen, die frontal betrachtet eine weiße Ansichtsfläche haben und ihre farbige Seite erst zeigen, sobald man seine Perspektive ändert. Auch Stützen und andere konstruktive Elemente wie die vertikalen Bestandteile der Pfosten-Riegelfassade im Erdgeschoss sind in bunten Farben ausgeführt. Für die Verkleidung der Loggien, der Fassaden in den Innenhöfen sowie der Untersicht der nach innen versetzten Eingangsnische im Erdgeschoss entschieden sich die Planenden für eine Holzlattung mit starker Maserung, die mit dem Rest der Fassade kontrastiert.

Geschlängelte Verbindungsbrücke mit Farbverlauf
Um eine Zusammenarbeit mit der angrenzenden Wilhelmina Kinderklinik und die gemeinsame Nutzung beider Einrichtungen zu begünstigen und dabei die Wege für Mitarbeiter und Patienten zu verkürzen, verbindet eine gewundene Verbindungsbrücke die beiden Bauten. Sie erstreckt sich über die Straße und knüpft mit ihrer bunten Verglasung an die Gestaltung der Fassade an. Das gefärbte Glas bewirkt, dass das Tageslicht im Inneren einen zarten Farbverlauf annimmt.

Lichtdurchflutetes Foyer durch zentrales Atrium
Der gesamte Innenraum des Klinikneubaus ist hell und offen gestaltet und wird vor allem durch weiße Putzflächen, einem Bodenbelag in hellen Beige und sattem Orange sowie durch Holzelemente und -verkleidungen dominiert. Durch die Farben und die Wahl der Oberflächen wird eine freundliche und behagliche Atmosphäre erreicht. Das Architektenteam legte zudem viel Wert auf Faktoren wie Lichteinfall, Raumluft, Blickbeziehungen, eine gute Akustik und klare Zonierung für eine gute Orientierung im Gebäude.

Im Foyer werden Besucher und Patienten durch das fünfgeschossige Atrium empfangen, in dem sich die zentrale Treppe mit einer Absturzsicherung aus vertikalen Holzlamellen befindet. Über Galerien sind Blickbeziehungen von den oberen Geschossen bis ins Erdgeschoss möglich. Das Foyer bietet Zugang zum Café, Restaurant, einer Fläche für Wechselausstellungen sowie zum zentralen, offenen Hof.

Tagespflege, spielerische Lern- und Bewegungszonen
Das Princess Máxima Center basiert auf einem ganzheitlichen, übergreifenden Leitbild, das vom Planungsteam MMEK in Austausch mit den verschiedenen Nutzergruppen entwickelt wurde. Nach Themen und Aktivitäten geordnet, gibt es unterschiedlich benannte und ausgestattete Ebenen – alle auf das Ziel ausgerichtet, die an Krebs erkrankten Kinder bei ihrer Entwicklung zu fördern und deren Familien eng einzubinden.

Die Tagespflegestationen befinden sich in den ersten beiden Obergeschossen und sind als große, offene Flächen ausgeführt, die wiederum in kleinere Einheiten unterteilt sind. Hier haben die Patienten die Möglichkeit, sich mit ihren Familien zurückzuziehen, Hausaufgaben zu machen oder zu spielen. Zugleich ermöglicht die Grundrissgestaltung, dass das Pflegepersonal einen Überblick über die gesamte Fläche hat. Darüber hinaus gibt es Eltern-Kind-Räume, in denen Übernachtungsmöglichkeiten für die Familie bereitgestellt werden. Um dabei trotzdem die Privatsphäre der Kinder sowie der Eltern zu wahren, lassen sich die Räume durch akustisch wirksame Schiebetüren voneinander abschirmen.

Mit dem „Science and Discovery Center“ wurde im Erdgeschoss ein Bereich geschaffen, wo die Kinder ihrer Wiss- und Lernbegierde nachgehen können. Es wird darauf abgezielt, durch Lernanreize und -erfolge zumindest kurzzeitig von der Erkrankung abzulenken und durch Eigenantrieb für eine höhere Lebensqualität zu sorgen. Anhand von spielerisch-interaktiven Multimediainstallationen kann ein tieferes Verständnis für den Krebs und die möglichen Behandlungsmethoden entwickelt werden. Darüber hinaus stehen zwei Räume zur Verfügung, die mit einem MRT-Gerät und einem RT-Beschleuniger zum Anfassen ausgestattet sind. Hier können sich die jungen Patienten mit Situation und Gerät vertraut machen und so die Furcht vor der Behandlung verlieren.

Ein besonderer Bereich im Innern ist der sogenannte Park in der obersten Etage. Dieser ist mit einem raumfüllenden, orangefarbenen Möbel ausgestattet, das wie eine bergige Landschaft durch den Raum mäandert und vielfältige Möglichkeiten der Nutzung anbietet. Es öffnen sich Nischen zum Sitzen und Entspannen oder um Zeit mit den Angehörigen zu verbringen. Außerdem regt die Skulptur zum Spielen und Klettern an und soll die Kinder zur Bewegung motivieren.

Auch ein Ruheraum steht zur Verfügung. Dieser dient als abgeschirmter Rückzugsort für die Patienten. Er ist mit hellgrauen Polstermöbel eingerichtet und – in Krankenhäusern unüblich – mit einem Teppich und Kissen ausgestattet. In den grauen Wandoberflächen befinden sich Nischen als Ablage. Das gewählte Grau bewirkt eine geborgene Atmosphäre. Ebenfalls für Entspannung sorgen soll die Lichtwand: Wie Nordlichter schweben sich allmählich verändernde Farben über eine Projektionsfläche, die einen raumhohen Teil der Wand einnimmt.

Akustik: Labortrakt als Lärmschutzwall
Allein die Lage des Zentrums für Kinderonkologie und die räumliche Nähe zur Autobahn forderte viel Aufmerksamtkeit bei der akustischen Planung. So sind alle Labore in einem Bauteil zusammengefasst, der höher ist als die übrigen Gebäudekörper und als eine Art Lärmschutzwall entlang der mehrspurigen Schnellstraße positioniert ist. Dahinter befinden sich die Pflegebereiche, die durch diesen vorgelagerten Baukörper vom Verkehrslärm abgeschirmt werden.

Streuung statt Reflexion im offenen Atrium
Für eine angenehme Raumakustik im offenen Atrium mussten ebenfalls besondere Mittel eingesetzt werden. So wurde die Form des Atriums dahingehend geplant, dass Geräusche nicht reflektiert, sondern gestreut werden. Darüber hinaus wurden hochwirksame Decken aus Holzlatten eingesetzt. Auch die markante, skulpturenartige Treppen trägt ihren Teil zur Schallabsorption bei: Die Unterseiten der Treppe wirken als akustischer Dämpfer, während die Treppengeländer aus Holzlamellen auftreffenden Schall streuen.

In den offenen Pflege- und Flurbereichen sowie Zimmern und im Ruheraum kommen abgehängte Unterdecken aus Gipskarton zum Einsatz, die die Nachhallzeit verkürzen. In die Akustikdecke intergriert sind die Beleuchtung und Haustechnik wie beispielsweise Luftauslässe.

Lärmbelastung durch technische Geräte reduziert
Aus der Zusammenarbeit mit den Interessensgruppen sowie aus einschlägiger Forschung geht hervor, dass Menschen in Krankenhäusern auch aufgrund von hoher Lärmbelastung sehr schlecht schlafen. Einer der größten Störfaktoren innerhalb der Patientenzimmer bilden die Infusionspumpen. Um diese Lärmquelle zu eliminieren, sind die Pumpen außerhalb der Zimmer aufgestellt, die Zufuhr erfolgt durch Wanddurchbrüche. -si

Bautafel

Architektur: LIAG, Den Haag
Projektbeteiligte:
MMEK, Utrecht (Innenarchitektur); BplusB, Amsterdam (Landschaftsarchitektur)
Standort:
Heidelberglaan 25, 3584 CS Utrecht, Niederlande
Fertigstellung: 2018
Bildnachweis: Ronald Tilleman, Rotterdam; Sybren Lempsink (BplusB), Amsterdam; Chris van Koeverden, Buren; Erik van 't Wout, Utrecht; Ewout Huibers, Amsterdam

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