Ephemeral Bridge in Moganshan
Im Fluss der Zeit
Brücken entheben uns dem Wasser, um uns trockenen Fußes an das andere Ufer führen. Dahingegen will die Ephemeral Bridge des Shanghaier Architekturbüros far workshop uns dem Wasser wieder näher bringen. Ihre filigrane Konstruktion schwebt knapp über der Oberfläche des Flusses und lädt dazu ein, das Gewässer neu zu erleben. Der Entwurf war 2022 einer der Gewinner eines internationalen Wettbewerbs für sieben Fußgängerbrücken, die in der chinesischen Bergregion Moganshan Besucher*innen an den Fluss Fuxi locken sollen.
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Mogashan liegt rund 200 Kilometer von Shanghai entfernt, am Fuße des gleichnamigen Berges. In den heißen Sommermonaten bleibt es in dieser bewaldeten Region angenehm kühl, weshalb sich hier seit dem späten 19. Jahrhunderts wohlhabende Shanghaier*innen niederließen. Zunächst entdeckten ausländische Missionare die Gegend als Sommerresidenz, später folgten Geschäftsleute, die ihre Villen errichteten. Mit dem Aufstieg der Kommunistischen Partei mussten Ausländer*innen China verlassen. Einige Villen gingen an Arbeitseinheiten aus Hangzhou und Shanghai, andere verfielen. Seit den 2000er-Jahre erlebt die Region jedoch ein langsames Revival, ausländische Investor*innen gründeten neue Ressorts und Restaurants. Der internationale Achitekturwettbewerb für die sieben Brücken soll diesen Aufschwung fördern und mehr Tourist*innen sowie Unternehmen an die Ufer des schmalen Flusses Fuxi locken.
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Im Fluss der Zeit
Der Entwurf von far workshop verbindet nicht nur beide Flussufer, sondern auch die Brücke mit der Zeitlichkeit des Wasserkreislaufs. In Zusammenarbeit mit AND office, das für die Tragwerksplanung verantwortlich zeichnet, entwickelte das Team eine filigrane Brückenkonstruktion. Dank der extremen Schlankheit des Tragwerks und der niedrigen Konstruktionshöhe scheint die Brücke bei niedrigem Wasserstand über dem Fluss zu schweben. Doch wenn Regen den Fluss anschwellen lässt, verändert sich auch die Brücke: Teile des Bodens verschwinden unter Wasser, während der gewölbte Teil der Konstruktion länger sichtbar bleibt. So können Besucher*innen hindurchwaten, bis die Brücke bei Hochwasser vollständig verschwindet.
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Vorgespannte Konstruktion
Die gesamte Brücke hat eine Spannweite von 13,5 Metern und ähnelt einer Linsenschote, geformt aus zwei miteinander verschweißten Stahlplatten. Die obere Platte ist leicht gewölbt, die untere flach. In der Brückenmitte beträgt der Abstand beider Platten 150 Millimeter, an den Auflagern schmiegt sich die Konstruktion aneinander, sodass die Gesamtdicke dort nur 32 mm beträgt. Die gewölbte Platte ist vorgespannt, ihr leicht konvexer Querschnitt erhöht die Stabilität. Der Bodenbelag der Brücke besteht aus Bewährungsstahl, der ebenfalls konstruktiv unterstützt und aufgrund der Riffelung rutschfest ist. In regelmäßigen Abständen sind die Stahlstäbe nach oben gebogen und bilden die vertikalen Elemente des Geländers. Auch die Handläufe sind aus Bewährungsstahl gefertigt.
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Die besondere Konstruktion erforderte umfangreiche Sicherheitsprüfungen. Ein Belastungstest vor der Auslieferung garantierte die Stabilität. Neben der statischen Belastung berechneten die Ingenieur*innen auch die Eigenschwingung. Die Dämpfung der Auflagerpunkte sorgt dafür, dass die Schwingungen schnell abklingen. So wirkt die Brücke zwar fragil und vergänglich, wie ihr Name andeutet, doch tatsächlich ist sie eine robuste, elegante Konstruktion, die den Kreislauf des Wassers erlebbar macht. -hs
Bautafel
Architektur: far workshop, Shanghai, China
Projektbeteiligte: urbaneer (Projektplanung); AND Office (Tragwerksplanung); ConCom (Designmanagement)
Standort: Fuxi, Moganshan, Zhejiang, China
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Biosphere (Zijie Zhou, Songtao Yu), far workshop, AND office
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