Doca Linear Park in Belém

Wiederbelebung einer urbanen Wasserlandschaft

Belém, die nordbrasilianische Großstadt, lebt mit und am Wasser. An der Baía de Guajará gelegen, wo der Rio Guamá in den Rio Pará mündet, schmiegt sich die Stadt an die Bucht von Marajó, die sich zum Atlantik öffnet. Das Stadtgebiet war einst von einem Netz aus Flüssen und Igarapés durchzogen – den für das Amazonasgebiet typischen Flussarmen. Doch im Laufe der zunehmenden Urbanisierung unterbrachen bauliche Eingriffe große Teile dieser Wasserlandschaft und verdrängten das Wasser aus dem städtischen Alltag. Der 2025 eröffnete Doca Linear Park aus der Feder des Architekturbüros Natureza Urbana aus São Paulo wirkt dieser Tendenz entgegen und bringt einen Teil der historischen Wasserlandschaft zurück ins Leben der Menschen.

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Im November 2025 rückte Belém als Tagungsort der 30. Weltklimakonferenz COP30 in das internationale Rampenlicht. Im Zuge der Vorbereitung für das Großereignis fanden weitreichende Umbaumaßnahmen statt, um die Stadt und ihre Infrastruktur zum Empfang von Delegationen aus aller Welt vorzubereiten und Belém als Vorbild für Klimaanpassungsmaßnahmen zu präsentieren. Rund 700 Millionen Euro investierte die brasilianische Regierung in den Stadtumbau – Projekte zur Umgestaltung der urbanen Wasserlandschaft inklusive. Neben der großflächigen Entwässerung von Wohngebieten durch Kanäle, die künftige Überschwemmungen verhindern sollen und einer Modernisierung der Abwasserentsorgung gehörte dazu auch die Revitalisierung des ehemaligen Igarapé das Almas.

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Igarapé das Almas

Der Name des Gewässers Igarapé das Almas lässt sich mit „Flussarm der Seelen” übersetzen und verweist damit auf die vielen Mythen und fantastischen Geschichten, die sich um den Fluss rankten und von Geister erzählten, die einst den Ort besuchten. Früher befanden sich auf dem Gebiet des Igarapé Pfahlbauten, während entlang der Querstraßen Viehzucht und Milchproduktion betrieben wurde. Doch städtebauliche und wasserbauliche Eingriffe veränderten den Süßwasserlauf im Laufe der Jahrhunderte. Heute ersetzt ein rund 1,2 Kilometer langer betonierter Kanal den ehemaligen Igarapé. Er verläuft zwischen den Fahrspuren der Avenida Visconde de Souza Franco und markiert die Grenze zwischen den Stadtvierteln Reduto und Umarizal.

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Revitalisierung der blau-grünen Infrastruktur

Die Revitalisierung des Kanals soll die Stadt symbolisch mit ihrer Umwelt versöhnen, so die Architekt*innen. Sie verwandelten den Wasserlauf zugleich in einen barrierefreien, multifunktional genutzten Park. Ingesamt wurden rund 200 Bäume neu gepflanzt, die an das regionale Klima angepasst sind. Bei den Baumaßnahmen stand Bodenpermeabilität im Vordergrund, um Regenwasser versickern zu lassen und das Mikroklima zu verbessern. Im Kanalbett wurden neue Pflanzenbeete angelegt, die ein künstliches Feuchtgebiet bilden: Die Pflanzen reinigen das Wasser auf natürliche Weise – ein biologischer Säuberungsprozess, der Phytoremediaton genannt wird. Denn der Kanal nimmt weiterhin Abwässer und Oberflächenwasser aus der unmittelbaren Umgebung auf.

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Zugleich berücksichtigt die Planung den Hochwasserschutz, indem unterschiedliche Bauhöhen den variierenden Wasserständen Rechnung tragen. Die Verbesserung der blau-grünen Infrastruktur soll dazu beitragen, den vom Verkehr umbrausten Ort zu einem Park als Erholungsort zu transformieren. Ein vielfältiges Freizeitprogramm regt dabei zu Spiel und Sport an. Am nördlichen Ufer begrenzt ein Radweg den Park, Spazierwege führen entlang beider Seiten um das Wasser herum. Erhöhte Stege überspannen den Kanal, ein Aussichtspunkt bietet neue Perspektiven. Kioske, Spielplätze, Sitzgärten und Sportanlagen gliedern den linearen Park in verschiede Funktionsbereiche. Ein gestalterisches Erkennungsmerkmal ist der rot gefärbte Stahl, der als Brüstungselement, T-Träger eines sich über den Park schwingenden Stegs oder Dachelement dient. 

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Anwohner*innen, Schüler*innen und Nachbarschaftsorganisationen waren in den Planungsprozess eingebunden, um die unterschiedlichen Bedürfnisse im Programm und der Ausgestaltung der Räume zu berücksichtigen. So soll der Park rund 500.000 Menschen zugute kommen und sich zu einem neuen Treffpunkt und identitätsstiftenden Wahrzeichen für Belém entwickeln. -hs

Bautafel

Architektur: Natureza Urbana, São Paulo
Projektbeteiligte: Geasa Engenharia (Landschaftsplanung, Entwässerung); Vallenge Engenharia; Marcello Sanguinetti Estruturas (Tragwerksplanung)
Fertigstellung: 2025
Standort: Av. Visc. de Souza Franco - Reduto, Belém, Pará 66055-005, Brasilien
Bildrechte: Leonardo Finotti / Manuel Sá (Fotos); Natureza Urbana (Pläne)

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