Wasser- und Klimakrise

Die Klima- und Wasserkrise als globale Verantwortung

Unsere Welt steht vor zwei miteinander verflochtenen Problemen: der Klima- und der Wasserkrise. Während die Erderwärmung die Atmosphäre verändert und zu Extremwetterbedingungen führt, leiden immer mehr Menschen unter zunehmender Wasserknappheit. Diese ist nicht nur durch klimatische Veränderungen, sondern auch durch Übernutzung und Verschmutzung bedingt. Im Jahr 2023 hat laut den Vereinten Nationen rund ein Viertel der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die daraus folgenden gesundheitlichen und sozioökonomische Auswirkungen sind enorm. Dabei verschärft sich die weltweite Wasserknappheit rasant. Ein Hauptfaktor ist der hohe Wasserverbrauch, insbesondere in Landwirtschaft, Industrie und städtischen Gebieten. Allein die Landwirtschaft beansprucht etwa 70 Prozent des weltweiten Süßwassers. Zudem steigt der Bedarf an wasserintensiven Produkten wie Baumwolle, Reis, Zuckerrohr und Weizen.

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Ein weiteres Problem ist die ineffiziente Nutzung und Verschwendung von Wasser, die oftmals auf mangelndes Bewusstsein, veraltete Technologien oder unzureichende Infrastrukturen zurückzuführen ist. Die Verschmutzung von Wasserquellen durch industrielle Abfälle, Pestizide und Haushaltsabwässer trägt zusätzlich zur Verschärfung der Wasserkrise bei.

Angesichts dieser Herausforderungen benötigen wir einen umfassenden Ansatz zur Bewältigung des Wasserverbrauchs. Hier kommt der Wasserfußabdruck ins Spiel, als ein Maß für den gesamten direkten und indirekten Wasserverbrauch von Individuen, Gemeinschaften, Unternehmen und Ländern. Er umfasst nicht nur das Wasser, das direkt für persönliche Bedürfnisse wie Trinken, Kochen und Waschen verwendet wird, sondern auch das Wasser, das in Produkten und Lebensmitteln enthalten ist oder für ihre Herstellung benötigt wurde, auch virtuelles Wasser genannt. Der Wasserfußabdruck ermöglicht, den gesamten Wasserverbrauch zu erfassen und zu bewerten – und schafft somit ein Bewusstsein für die Ressourcen, die für unsere täglichen Aktivitäten und den Konsum verwendet werden.

Ungleiche Wasserverteilung, steigende Meeresspiegel und Überschwemmungen

Nur rund drei Prozent der weltweiten Wasservorkommen sind Süßwasser, der Rest besteht aus salzigem Meerwasser. Ein Großteil dieses Süßwassers ist in Gletschern und Polareis gebunden, ein weiterer bedeutender Teil befindet sich in Grundwasserreservoirs. Nur ein geringer Prozentsatz des verbleibenden Süßwassers ist für uns leicht zugänglich und nutzbar.
Hinzu kommt, dass die Verteilung von Süßwasser auf der Erde nicht gleichmäßig ist. Geografische, klimatische und geologische Faktoren beeinflussen die Wasserverfügbarkeit. Trockengebiete wie Wüsten sind besonders anfällig für Wasserknappheit, während feuchtere Regionen mit hohem Niederschlag tendenziell über mehr Wasser verfügen. So leiden einige Regionen unter chronischer Trockenheit, andere verfügen hingegen über ausreichende Wasserressourcen. Diese Ungleichheiten werden durch Klimaveränderungen und menschliche Aktivitäten weiter verstärkt.

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Obwohl es in einigen Regionen an Süßwasser mangelt, kommt es aufgrund des Klimawandels paradoxerweise in anderen Gebieten zu einem Überschuss an Wasser in Form von steigenden Meeresspiegeln und vermehrten Überschwemmungen. Die Erwärmung der Erdatmosphäre führt zur Aufheizung des Meerwassers, wodurch es sich ausdehnt und der Meeresspiegel ansteigt. Darüber hinaus trägt die Erwärmung der Atmosphäre zum Schmelzen der Polareisdecken bei. Schmelzende Gletscher und Eisschilde verstärken den Anstieg des Meeresspiegels. Küstenstädte und Inselnationen sind besonders gefährdet und müssen mit ernsthaften Bedrohungen für ihre Infrastruktur, ihre Wirtschaft und teilweise sogar ihre Existenz rechnen.

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Zudem führen höhere Temperaturen und veränderte Wettermuster zu extremen und unvorhersehbaren Niederschlagsereignissen, die das Risiko von Überschwemmungen erhöhen. Besonders betroffen sind Gebiete, die bereits unter Armut und fehlenden Anpassungsmöglichkeiten leiden. Daher müssen dringend Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen ergriffen werden, um die Erderwärmung zu begrenzen und die Auswirkungen auf das Klima zu mildern. Gleichzeitig sind gefährdete Gemeinschaften zu unterstützen, indem ihnen Ressourcen, Technologien und Kenntnisse zur Verfügung gestellt werden, wie sie sich an die Veränderungen anpassen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels stärken können. Auch Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Küstenstädte und Inselnationen sowie zur Bewältigung der steigenden Überschwemmungsrisiken sind wichtig.

Hochwasserschutz und das Konzept der Schwammstadt

Hochwasserschutz bezeichnet eine Reihe von Maßnahmen und Strategien, die darauf abzielen, das Risiko von Überschwemmungen zu minimieren und die Auswirkungen auf menschliche Siedlungen und Infrastrukturen zu begrenzen. Eine Komponente des Hochwasserschutzes ist der Bau von Deichen, Dämmen, Flutkanälen, Rückhaltebecken und anderen technischen Infrastrukturen, die das Eindringen von Wasser in bewohnte Gebiete verhindern oder begrenzen können. Diese Strukturen sind darauf ausgelegt, den Wasserfluss zu kontrollieren und die Gefahr von Überschwemmungen zu reduzieren.

Zusätzlich werden Entwässerungssysteme entwickelt, um den Wasserabfluss zu erleichtern und die Belastung im Zuge von Starkregenereignissen zu verringern. Neben diesen traditionellen Maßnahmen gibt es mittlerweile auch „weiche“ Techniken wie die Wiederherstellung von Überschwemmungs- und Feuchtgebieten, die als natürliche Puffer gegen Fluten dienen. Zudem werden Frühwarnsysteme implementiert und die Stadtplanung verbessert, um die Wasserresilienz zu erhöhen.

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Ein weiterer Ansatz im Hochwasserschutz ist das sogenannte Prinzip der Schwammstadt. Die Idee hinter diesem Konzept ist, Städte so zu gestalten, dass sie Regenwasser aufnehmen, speichern und filtern können, ähnlich wie ein Schwamm. Dies beinhaltet eine Kombination von „grüner“ Infrastruktur, zum Beispiel Dachgärten, Grünflächen, wasserdurchlässige Oberflächen und künstliche Feuchtgebiete, und „blauer“ Infrastruktur wie Regenwassertanks, Stauseen und Kanäle. Diese Elemente sollen zusammenarbeiten, um Regenwasser zu absorbieren, zu speichern, zu reinigen und bei Bedarf wieder freizusetzen.

Das Konzept der Schwammstadt ist vor allem relevant für dicht bebaute urbane Gebiete, die anfällig für Hitzeinseln und Überschwemmungen sind. Aber Schwammstädte schützen nicht nur vor Hochwasser, sie verbessern auch die Luftqualität, fördern die Biodiversität und schaffen grüne Lebensräume für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Autorin: Alexandra Busch, freie Architektur- und Baufachjournalistin in Darmstadt

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