Textilfassade gegen Stickoxide in Köln
Photokatalytische Membran an der Bestandsfassade
Wie lassen sich Bestandsgebäude für Klima- und Gesundheitsschutz aktivieren? Ein Pilotprojekt in Köln liefert derzeit eindrucksvolle Antworten. An der Volkshochschule in der Cäcilienstraße filtert seit Herbst 2024 eine textile Vorsatzfassade gesundheits- und umweltschädliche Stickoxide aus der Innenstadtluft. Erreicht wurde dabei nach aktuellen Messungen eine Reduktion von über 30 Prozent.
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Das Projekt wird getragen von der Stadt Köln, der Stiftung Lebendige Stadt und dem Bielefelder Unternehmen Schüco, das Herstellung und Montage finanzierte. Mit der wissenschaftlichen Auswertung ist das Forschungszentrum Jülich beauftragt. Ziel der Partner ist es, Erkenntnisse für die Übertragbarkeit auf weitere Städte zu gewinnen.
Photokatalyse an der Gebäudehülle
Die 8 x 20 Meter großen Membranflächen bestehen aus recyceltem PET-Gewebe, das mit einem photokatalytischen Wirkstoff beschichtet ist. Unter Lichteinfluss wandelt dieser Stickoxide in unschädliche Mineralien um. Eine digitale Sensorik misst kontinuierlich die Luftqualität vor und hinter der Membran. Dass die hohe Filterleistung an der weniger lichtintensiven Nordfassade erzielt wurde, gilt als besonders bemerkenswert: Bei Südausrichtung könnten die Werte deutlich höher liegen.
Das Projekt belegt, dass Fassadensysteme mehr leisten können als Hülle und Witterungsschutz. Die Textilmembran reduziert zugleich die Aufheizung des Innenraums und mindert so den Energiebedarf für Kühlung. Auch der Außenraum profitiert: Weniger Wärmeabstrahlung bedeutet ein spürbarer Beitrag zur Abkühlung im städtischen Mikroklima.
Kreislauffähige Materialien und Gestaltungsspielräume
Für die Herstellung der Fassade wurden über 4.400 recycelte PET-Flaschen und Aluminium mit einem Recyclinganteil von 75 Prozent eingesetzt. Auf Klebstoffe wurde bewusst verzichtet, um eine sortenreine Wiederverwertung zu ermöglichen. Damit verbindet das Projekt Luftreinigung, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft. Neben funktionalen Vorteilen eröffnet die textile Fassadenhaut auch einen ästhetischen Spielraum: Sie lässt sich bedrucken und einfach austauschen. Damit bietet die Fläche Potenzial für individuelle, auch künstlerische Gestaltungen und kann im Stadtraum Akzente setzen.
Kooperation von Stadt, Stiftung und Industrie
„Mit der Zwischenbilanz dieses Umweltprojektes setzen wir ein deutliches Signal: Innovative Ansätze, klare Ziele und transparente Zusammenarbeit mit Partnern treiben Umwelt- und Klimaschutz messbar voran“, erklärt Petra Rinnenburger, geschäftsführende technische Betriebsleiterin der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln. Und Henning Kühn, Technical Project Manager Shading & Energy Solutions bei Schüco, betont: „Es ist sehr erfreulich, dass die Messwerte so positive Ergebnisse geliefert haben. Sie unterstreichen, dass Gebäudehüllen einen wichtigen Beitrag für lebenswerte und gesunde Städte leisten können.“ Die Messungen laufen noch bis Ende 2025. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Textilfassade als skalierbares Modell für Innenstädte dienen kann.
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