Generalsanierung Haus der Wirtschaft in Nürnberg
Brandschutz für ein Kunstwerk
Im Zuge einer Generalsanierung mit Teilneubau wurde das „Haus der Wirtschaft“ am Nürnberger Hauptmarkt umfassend erneuert. Herzstück des Projekts ist die Transformation eines ehemaligen Innenhofs zu einem überdachten Atrium. Dabei rückte ein großformatiges Glasmosaik aus den 1950er-Jahren in den Mittelpunkt, das restauriert und zugleich brandschutztechnisch ertüchtigt werden musste. Das Berliner Büro Behles und Jochimsen plante den Umbau. Für die Stahl-Profilsysteme der neuen Brandschutzfassade kam das System VISS Fire von Schüco Stahlsysteme Jansen zum Einsatz.
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Historischer Gebäudekomplex am Hauptmarkt
Der traditionsreiche Standort der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken dient bereits seit dem Jahr 1560 als Sitz der Nürnberger Kaufmannschaft. Nachdem die Gebäude im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört worden waren, entstand in den 1950er-Jahren ein neuer Gebäudekomplex zwischen Hauptmarkt, Winklerstraße, Waaggasse und Schulgässchen. Zwei der insgesamt vier Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Im Zuge der aktuellen Sanierung blieben die denkmalgeschützten Häuser am Hauptmarkt sowie der Saalbau an der Winklerstraße erhalten, während die später ergänzten Gebäudeteile an Waaggasse und Schulgässchen durch Neubauten ersetzt wurden.
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Innenhof wird zum Atrium
Zentrale Maßnahme des Entwurfs war die Überdachung des bisherigen Innenhofs. Ein neues Verbindungsbauteil schließt den Hofraum und transformiert ihn zu einem mehrgeschossigen Atrium, das heute als Empfangs-, Warte- und Veranstaltungsbereich dient. Über eine zweiflügelige Drehtür ist das Atrium direkt mit dem historischen Saalbau verbunden. Gleichzeitig entstand eine neue räumliche Mitte des Gebäudekomplexes, die Tageslicht tief ins Innere führt und unterschiedliche Gebäudeteile miteinander verknüpft.
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Restaurierung eines Glasmosaiks aus den 1950er-Jahren
Besondere Aufmerksamkeit galt dem großformatigen Glasmosaik im Treppenhaus des Saalbaus. Das fast sechs Meter breite und rund neuneinhalb Meter hohe Kunstwerk aus mundgeblasenem Echt-Antikglas wurde in den 1950er-Jahren vom Nürnberger Glaskünstler Dr. Gottfried Frenzel geschaffen. Über Jahrzehnte hatten sich jedoch sowohl der damalige Epoxidharzkleber verfärbt als auch zahlreiche Trägerplatten beschädigt. Gleichzeitig veränderte die Umnutzung des Innenhofs die bauphysikalische Situation grundlegend: Die ehemalige Außenfassade wurde Teil einer innenliegenden Brandschutzfassade und musste künftig die Anforderungen der Feuerwiderstandsklasse F90 erfüllen.
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Brandschutz und Denkmalpflege im Zusammenspiel
Die Verbindung von denkmalgerechter Restaurierung und modernen Brandschutzanforderungen stellte alle Beteiligten vor erhebliche technische Herausforderungen. Gemeinsam mit Denkmalbehörden, Bauaufsicht, Restaurator*innen und dem Künstlervertreter wurde eine Lösung entwickelt, bei der das historische Mosaik auf eine Brandschutzverglasung auflaminiert werden konnte. Die Restaurierung erfolgte durch die Derix Glasstudios. In aufwendiger Handarbeit wurden die rund 5000 Glasteile thermisch von ihren beschädigten Trägerplatten gelöst, gereinigt und anschließend feldweise auf Verbundsicherheitsglas mit Brandschutzfunktion aufgebracht.
Die montagefertigen Scheiben wurden anschließend in eine Pfosten-Riegel-Konstruktion des Brandschutz-Fassadensystems VISS Fire von Schüco Stahlsysteme Jansen integriert. Ergänzt wird die Konstruktion durch Brandschutztüren des Systems Janisol 2, ebenfalls aus dem Stahlprofilsystemportfolio von Jansen. In den Bereichen der umlaufenden Flure sorgen LED-Leuchten dafür, dass Verschattungen durch vorgelagerte Brücken ausgeglichen werden und das Mosaik gleichmäßig ausgeleuchtet erscheint.
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