Citylights / Tours du Pont de Sèvres in Boulogne-Billancourt

1970er-Jahre-Koloss mit LED-illuminierter Fassade

Außerhalb des Boulevard Périphérique und an drei Seiten von der Seine umschlungen, gehört Boulogne-Billancourt nicht mehr zum Stadtgebiet von Paris, wird aber oftmals als 21. Arrondissement der französischen Metropole bezeichnet. Über Brücken ist die Gemeinde gen Süden, Westen und Osten mit dem Umland verbunden, nördlich beginnt der Bois de Boulogne. Nach der Pont de Sèvres ist auch die nahe gelegene Métrostation benannt; zwischen diesen beiden Verkehrsknotenpunkten entstand 1975 ein Koloss von Bürotürmen nach Plänen der Architekten Badani und Roux-Dorlut (Les Tours du Pont de Sèvres). Sie verknüpften je drei Hochhäuser mit sechseckigem Grundriss und verschiedener Höhe zu einer Art Kleeblatt und gruppierten diese wiederum um ein niedriges Zentrum mit gleichem Umriss.

Gallerie

Vierzig Jahre später hat Dominique Perrault den gewaltigen Gebäudekomplex saniert und nochmals erweitert – das alte Zentrum wurde abgerissen und durch ein größeres, repräsentatives ersetzt, außerdem erhielt einer der Cluster ein viertes „Kleeblatt“ unmittelbar an der Straße zum Fluss. Allein die formgebende und tragende Betonstruktur der drei Hochhauscluster blieb erhalten, sämtliche Fassaden- und Deckenaufbauten wurden erneuert. Citylights heißen die Bürotürme nun – warum, das wird vor allem abends und in der Nacht klar, wenn die ringförmig illuminierten Fassaden wie Brillantringe zu leuchten beginnen.

Das neue, alles verbindende Zentrum – eine Art Rieseneingangshalle, die Architekten nennen es Agora – wurde von Gaëlle Lauriot-Prévost entworfen und bietet vielfältige Nutzungen. Es umfasst insgesamt 1.500 Quadratmeter auf drei Ebenen und fungiert als Treffpunkt und Verteiler zu den jeweils eigenen Foyers der Türme, den zwei Geschäften, fünf Restaurants, einem Konferenzbereich mit Hörsaal, einer Empfangslobby für Besucher, einem Rezeptions- und Servicebereich, einem Fitnessstudio sowie der hauseigenen Kindertagesstätte. Unterhalb der Eingangshalle befinden sich jede Menge Stellplätze für Pkw, Motor- und Fahrräder auf drei Ebenen.

Den Haupteingang an der Nordwestseite des Blocks betont ein rautenförmiges Vordach, dessen polierte, mit Edelstahl bekleidete Unterseite sich bis ins Foyer hineinzieht. Wie ein Kaleidoskop reflektiert sie vielfach das Tageslicht. Ähnlich ausgebildet ist ein weiterer Ein- und Ausgang an der Nordostseite, der dem Konferenzbereich zugeordnet ist.

Glas und Aluminium sind die bestimmenden Materialien der insgesamt 34.000 Quadratmeter umfassenden Fassaden. Sie setzen sich aus verschiedenen Elementen zusammen, die alle auf einem Rechteckrahmen aus Aluminium basieren. Entweder ist der flache Rahmen komplett mit Alupaneelen gefüllt, oder mit einer Kombination aus klarem, opakem und siebbedrucktem Glas. Bei einer weiteren Variante sind die Rahmen oben und unten gefaltet, wodurch die großen Fassadenflächen unterbrochen werden. Wie übereinandergestapelte Ringe wirken sie, von der Ferne und nachts, wenn sie beleuchtet sind, gar wie ein horizontales Mahlwerk. Sie sind entsprechend der unterschiedlichen Gebäude auf verschiedenen Höhen eingefügt – und nehmen so dem Koloss seine Schwere.

Die Türme werden auch als City 1, 2 und 3 bezeichnet (Ost-, Südwest- und Nordturm). Da City 2 durch ein Modul ergänzt wurde, umfasst eine Standardebene dort 1.850 und nicht 1.400 Quadratmeter wie in den beiden anderen. Durch die hexagonale Form der „Kleeblätter“ entstehen mannigfaltige Fluchtpunkte. Die Fenster sind deutlich größer als ursprünglich, die Zwickel nur noch halb so breit. Die abgehängten Decken mit den technischen Installationen nehmen Bezug auf den Rhythmus der Fenster. Die neuen Dächer sind begrünt und als Terrassen begehbar; eine südlich ausgreifende, erhöhte Freifläche ist als großer Garten mit Spielplatz gestaltet.

Licht
In die belüfteten, alternierend hervorstehenden und gefalteten Fassadenelemente sind spezielle LEDs integriert, die nachts zu leuchten beginnen und die Türme in ein funkelndes Wahrzeichen an der Pont de Sèvres verwandeln. Sie befinden sich jeweils in den Ecken der schräg auskragenden Aluminiumrahmen und betonen den Rhythmus der Faltung. Zwischen den Verglasungen dient eine Jalousie mit Aluminiumlamellen als Sonnenschutz; sie ist in die Gebäudeautomation eingebunden und wird witterungsabhängig gesteuert. 

Licht spielt für den gesamten Gebäudekomplex eine große Rolle. Aufgrund der Form und Ausrichtung der Türme mit den zentralen Versorgungskernen kann Tageslicht von allen Seiten eindringen. In den Büros wird das Kunstlicht in Abhängigkeit vom Tageslicht und der Präsenz der Mitarbeiter automatisch gesteuert, die Leistung ließ sich auf 6 W/m² optimieren. Langfeldleuchten sind in die abgehängten Decken integriert, deren Breite und Ausrichtung jeweils auf die Fensteröffnungen bezogen sind. In der Eingangshalle wird das Licht durch die metallischen Flächen vielfach reflektiert und weitergeleitet. Hier übernimmt das Kunstlicht gestaltende und repräsentative Funktion: In den Vorhallen stehen schlanke und hohe Laternenmasten mit vier Armen, die wie Zweige abgewinkelt auskragen und mehrere Scheinwerfer tragen. Diese sind von polierten Edelstahlflächen gefasst, die das Licht reflektieren und verteilen. Aus dem gleichen Material, aber sehr ungewöhnlich geformt sind die Leuchten in der Haupthalle: Von der Decke hängend, rufen ihre großen, beidseitig geschwungenen Metallbögen Assoziationen an Flügel hervor – Albatros nennen die Planer die Hängeleuchten, die ein bewegtes Spiel an der Decke erzeugen und aus jeder Position anders erscheinen. (us)

Bautafel

Architekten: Dominique Perrault Architecture, Paris
Projektbeteiligte: Artelia, Lyon (Bauausführung); Egis, Versailles (Statik); EPPAG, Münchenstein (Fassade); AVLS, Paris (Akustik); Gaëlle Lauriot-Prévost (Entwurf Haupteingangshalle)
Bauherr: SAS des Tours du Pont de Sèvres, Boulogne-Billancourt
Fertigstellung: 2016
Standort: Pont de Sèvres, Boulogne-Billancourt, Frankreich
Bildnachweis: André Morin, Ivry-sur-Seine, Vincent Fillon, Badani et Roux-Dorlut und Dominique Perrault Architecture, Paris

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