Etagenwärmepumpen für Mehrfamilienhäuser
Umstieg von Gasthermen auf erneuerbare Wärme
In städtischen Mehrfamilienhäusern waren Gas-Etagenheizungen über Jahrzehnte Standard. Ihre Vorteile sind eine einfache Installation, der unabhängige Betrieb je Wohnung und der Verzicht auf stockwerksübergreifende Leitungen. Auch aus Vermietersicht sind sie praktisch, da Wartung und Versorgung häufig den Mieter*innen obliegen.
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Zunehmend wünschen sich jedoch Mieter*innen und Wohnungseigentümer*innen einen Umstieg auf von Öl und Gas unabhängige Heizsysteme wie Wärmepumpen – idealerweise ohne dafür das gesamte Gebäude auf eine Zentralheizung umrüsten zu müssen. Während der Austausch zentraler Heizsysteme in Einfamilienhäusern vergleichsweise einfach ist, war der Umstieg in Mehrfamilienhäusern mit Etagenheizungen lange schwierig. Inzwischen stehen allerdings kompakte Etagenwärmepumpen als dezentrale Lösung zur Verfügung, die bestehende Gasthermen ersetzen können. Die Inneneinheiten der Geräte sind kaum größer als herkömmliche Gasthermen und erleichtern so den Austausch erheblich.
Arten und Funktionsweisen
Luft/Wasser-Wärmpumpe als Split-Gerät
Diese Systeme
bestehen aus einer Außen- und einer Inneneinheit. Die Außeneinheit wird jedoch nicht – wie bei
herkömmlichen Wärmepumpen – vor dem Haus aufgestellt, sondern an
der Fassade montiert. Die Inneneinheit kann häufig am Standort der
bisherigen Gastherme installiert und an bestehende Anschlüsse
angebunden werden. Manche Inneneinheiten auf dem Markt sind bereits
mit einem Warmwasserspeicher ausgestattet, dessen Fassungsvermögen
in der Regel für eine Familie ausreichend ist, und benötigen
lediglich einen 230-Volt-Stromanschluss. Es gibt mittlerweile
verschiedene Hersteller, die die Geräte inklusive des Einbaus
anbieten.
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Luft/Wasser-Wärmpumpe als Monoblock-Gerät
Bei diesen
Systemen befindet sich in der Außeneinheit bereits der komplette
Wärmepumpenkreislauf (Monoblock). Allerdings sind die
Außeneinheiten entsprechend größer und schwerer als bei
Split-Geräten.
Luft/Wasser-Wärmepumpe mit gemeinsamer
Außeneinheit
Anstelle einer zentralen Wärmepumpe,
deren Wärme wie bei einer herkömmlichen Zentralheizung im Gebäude
verteilt wird, ist es möglich, eine gemeinsame Außeneinheit mit
mehreren Inneneinheiten zu einem System zusammenzuschließen. Das
bringt Vorteile bei der Effizienz und beim Wartungsaufwand, führt
jedoch zu gegenseitigen Abhängigkeiten der Nutzer*innen.
Luft/Luft-Wärmepumpe
Gas-Etagenheizungen lassen sich
auch durch Luft/Luft-Wärmepumpen – im Grunde also durch Klimageräte
mit Heizfunktion – ersetzen. Sie bestehen ebenfalls aus einer
Innen- und einer Außeneinheit. Die Inneneinheit wird an der Wand
unterhalb der Decke angebracht. Über sie wird die Luft im
Umlaufprinzip erwärmt. Trinkwarmwasser lässt sich mit diesen
Geräten jedoch nicht bereiten, dafür sind separate Speicher bzw.
Boiler oder Durchlauferhitzer nötig. Die alten Heizkörper
werden bei diesem System nicht mehr benötigt. Üblicherweise eigenen
sich Luft/Luft-Wärmepumpen nur für einzelne Räume, weniger für
ganze Wohnungen.
Weitere Systeme, etwa mit Abluft, Erdwärme oder integrierter Lüftung, spielen bislang eine untergeordnete Rolle. Auch Kombinationen mit anderen Wärmequellen (z. B. Fernwärme oder Solarthermie) sind möglich.
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Voraussetzungen
Vor dem Einbau einer Etagenwärmepumpe ist es sinnvoll, die bauliche Substanz des Gebäudes zu prüfen. Die Gebäudehülle sollte möglichst dicht und ausreichend wärmegedämmt sein. Beachtet werden muss außerdem:
- Art der Wärmeübergabe an den Raum: Heizkörper sollten auf ihre Tauglichkeit im Zusammenwirken mit einer Wärmepumpe getestet werden, indem vor Ausbau des alten Systems die Vorlauftemperatur eingestellt wird, welche die Wärmepumpe später leisten wird. Lässt sich die Wohnung damit immer noch gut beheizen, sind die Heizkörper geeignet. Andernfalls müssen Niedertemperaturheizkörper eingebaut werden.
- Statik: Die Fassade muss die Außeneinheit tragen können. Auch ein kleiner Durchbruch, um die Außen- mit der Inneneinheit zu verbinden, muss möglich sein.
- Stromversorgung: Wärmepumpen benötigen mehr Strom als Gasthermen, weswegen die Dimensionierung der Leitungen für das Gerät ausreichend sein muss.
- Platz: Etagenwärmepumpen benötigen – je nach Modell – möglicherweise etwas mehr Platz, als Gasthermen. Auch die Außeneinheit benötigt Platz, der vor dem Tausch eingeplant werden muss.
- Geräusche: Obwohl die Außeneinheiten in der Regel leise arbeiten, kann es zu Konflikten mit den Nachbarn kommen. In manchen Bundesländern gibt es außerdem gesetzliche Schallgrenzwerte, besonders für dicht bebaute Stadtgebiete.
- Eigentümergemeinschaften: Etagenwärmepumpen sind zwar individuelle Lösungen, doch das Anbringen der Außeneinheit an der Fassade betrifft das Gemeinschaftseigentum. Hierfür ist also die Zustimmung der Wohnungseigentümergemeinschaft nötig.
Vor- und Nachteile von Etagenwärmepumpen
Mittel- bis langfristig überwiegen die Vorteile von Wärmepumpen gegenüber herkömmlichen Wärmeerzeugern, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Speziell bei Etagenwärmepumpen als Ersatz für Gas-Etagenheizungen gilt:
Vorteile:
- Keine zentralen Steigleitungen erforderlich
- Schrittweise Umrüstung einzelner Wohnungen möglich
- Individuelle Verbrauchsabrechnung
- Kurze Installationszeit
- Ähnlicher Platzbedarf wie Gasthermen
- Optional Kühlfunktion
- Geringere Betriebskosten und geringere Emissionen
Nachteile:
- Höhere Investitionskosten
- Geringere Effizienz als zentrale Wärmepumpensysteme
- Mögliche Geräuschentwicklung
- Sichtbare Außeneinheiten an der Fassade
- Noch begrenztes Marktangebot
Staatliche Förderungen und GEG
Vor dem Hintergrund von Energiewende, gesetzlichen Vorgaben und Klimaschutz stellt die Etagenwärmepumpe eine relevante Option für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern dar.
Für den Einbau, besonders als Ersatz von Gasthermen, können staatliche Förderungen, etwa über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), in Anspruch genommen werden.
Fachwissen zum Thema
Buderus | Bosch Thermotechnik GmbH | Kontakt 06441 418 0 | www.buderus.de
