Fluid Bodies
Methods for Casting New Esthetics
Birkhäuser Verlag, Basel 2023
192 Seiten, 25 Schwarzweiß- und 344 Farbabbildungen
Format 21 x 27 cm, Softcover und E-Book
Sprache: Englisch
Preis: 39,95 EUR
ISBN 978-3-0356-2586-8 (Print); 978-3-0356-2607-0 (E-Book)
Gießfähige Materialien wie Beton und Gips sind Verwandlungskünstler. Ihre Flexibilität interessierte Rupert Zallmann und Quirin Krumbholz, Absolventen des Instituts für Architektur der Wiener Universität für angewandte Kunst. Mit ungewöhnlichen Verarbeitungsschritten entstanden Möbel, räumliche Strukturen und andere Objekte. Im 2023 erschienenen Buch Fluid Bodies – Methods for Casting New Esthetics ist diese experimentelle künstlerische Forschung dokumentiert.
Um Beton und Gips in Form zu bringen, sind Schalungen nötig. Dieses Paradigma stellt Rupert Zallmann infrage. Sein Ansatz: die harten, starren Holzplatten durch flexible, weiche Materialien ersetzen – oder sogar ganz weglassen. Bei der Suche nach Alternativen arbeitete er mit weiteren Forschenden und Studierenden sowie Architekten, Designern, Künstlern und Tragwerksplanern zusammen. Über 30 Menschen haben an den Experimenten mitgewirkt, die teils in Lehrveranstaltungen eingebettet waren. Im Buch sind sie nach acht Kategorien sortiert:
- Solidifying Air
- Weaving Concrete
- Twisting Concrete
- Draping Concrete
- Casting into Reinforcement
- Elastic Cast
- Dissolvable Formwork
- Magnetic Cast
Die fast 400 Abbildungen zeigen nicht nur die fertigen Objekte, sondern dokumentieren auch ihre Entstehung: Zu sehen ist etwa, wie in Folien eingeschlossene Luft den Beton formt oder wie er in einem Netzwerk aus Schläuchen erstarrt. In Rahmen gespannte oder an Fäden aufgehängte Folien wurden genutzt, um Schalentragwerke zu erstellen. Die Topographie der flexiblen Schalung – Ausdruck der Kraftlinien und Belastungspunkte – ermittelte man vorab mit einer 3D-Modellierungssoftware.
Mit bewehrten Betonbändern webten Studierende der École nationale supérieure d'architecture de Versailles (ÉNSA) mehrfach gekrümmte Gitter, deren Wölbungen Wände und Decken zugleich sind. Für den Campus der Wirtschaftsuniversität Wien entstanden Stühle, deren Betonschalen durch das Anlegen an reale Menschenkörper in Form gebracht wurden.
Deutlich wird, dass Beton ganz sanft wirkt, befreit man sich von starren Schalungen. Dass die organischen, teils fragil wirkenden Gebilde stehen und belastbar sind, dafür sorgt die Mischung aus handwerklichem Geschick und Simulation am analogen wie digitalen Modell. Ob sie auch einen Maßstabssprung schaffen würden? Inspiriert von Fluid Bodies mögen Studierende und Architekt*innen daran weiterarbeiten.
