Hallenbad und Sportzentrum in Leonberg

Sanierung mit Innendämmung und Neugestaltung der Räumlichkeiten

Gallerie

Auf den ersten Blick erscheint das Sportzentrum in Leonberg als ein typischer Hallenbau der Sechziger und Siebziger Jahre. Das Schwimmbad mit dem markanten asymmetrischen Satteldach entstand Anfang der 1970er-Jahre nach Plänen des Böblinger Architekten Heinz Ries. Angegliedert sind zwei Sporthallen, ein Saunabereich sowie Umkleide-, Neben- und Technikräume. Mittlerweile knapp fünfzig Jahre Betrieb sind nicht spurlos an dem Gebäudekomplex vorübergegangen – technisch, gestalterisch und funktional nicht mehr zeitgemäß, wies er die für die Entstehungszeit typischen Mängel und Bauschäden auf. Die mit der Sanierung beauftragten und im Bäderbau routinierten 4A Architekten aus Stuttgart beließen das Äußere relativ unverändert, ersetzten jedoch die ursprünglich kleinteiligen Verglasungen durch großformatige Dreifachisoliergläser. Augenfällig sind die Veränderungen im Inneren: Hier wurden die Wege neu geordnet und Räume anders aufgeteilt. Durch eine zeitgemäße Farb- und Materialwahl tritt das Baujahr in den Hintergrund – klare Raumstrukturen und eine lichtdurchflutete Atmosphäre kennzeichnen das Sport-, Freizeit- und Wellnesszentrum nach der Modernisierung.

Der zentrale Eingangsbereich fungiert als Bindeglied zwischen Sauna, Schwimm- und Sporthallen. Um ein helles, großzügiges Foyer zu schaffen, wurden die Drehkreuze und Schließfächer zurückversetzt, Trennwände entfernt und durch Verglasungen ersetzt. Transparenz und fließende Übergänge schaffen optische Bezüge zur Badehalle und dem Bistro. Die zuvor rauen Sichtbetonflächen erhielten einen hellen Anstrich, die Böden wurden neu gefliest. Das ursprüngliche Farbkonzept wurde wiederbelebt: Die Farbe Blau leitet zur Badehalle, Grün führt in die Umkleiden, Orange weist den Weg zur großen Sporthalle und Gelb in die Gymnastikhalle. Die markante Betonkassettendecke integrierten die Planer in das Leitsystem; die Innenseiten der Kassetten sind farbig angelegt und unterstützen die Wegeführung.

Das Hallendach wurde an der Unterseite saniert und neu gestaltet. Die Dachbinder aus braunem Holz erhielten einen weißen Anstrich, die mit Platten in Grün, Gelb und Blau gemusterte Decke wird zum Blickfang. Glasbrüstungen zwischen den Becken und eine gläserne Bademeisterkabine sorgen für Helligkeit und Transparenz. Die indirekte Beleuchtung der Decke und Downlights an den Schwimmbeckenumgängen erzeugen eine angenehme Atmosphäre. Der zuvor dunkelrote Anstrich eines zwischen den Becken angeordneten Kunstwerks von Hans Nagel – eine signifikante wellenförmige Lampenkonstruktion – passte nicht mehr ins Farbkonzept. Sie wurde weiß gestrichen, so wie der Künstler selbst es bei der Schaffung des Leuchtenobjekts in Erwägung gezogen hatte.

Die Decken der Umkleiden und Duschen wurden erhöht, die Einbauten und Oberflächen erneuert. Durch Mosaikfliesen mit unterschiedlichen Farbverläufen in Kombination mit beigen Wand- und Bodenfliesen, durch farbige Spinde und Möbel aus gebürstetem Erlenholz entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität. Verstreut angeordnete, kreisrunde Deckenleuchten setzen Akzente. In den Sporthallen wurden bis auf die Bodenbeläge ebenso sämtliche Oberflächen erneuert. Die Wände erhielten eine Bekleidung mit Lindenfurnierbeschichtung bzw. ballwurfsicheren, gedämmten Aluminiumverbundpaneelen. Dunkle Holzverkleidungen sowie einzelne Betonflächen wurden weiß gestrichen, analog zu den weißen Akustikplatten an der Decke. Durch die neuen transparenten Verglasungen dringt mehr Tageslicht als zuvor, sodass die Halle in Kombination mit der LED-Beleuchtung wesentlich heller erscheint.

Die ursprünglich wenig einladende Sauna wurde vollständig entkernt und neu organisiert. Dafür schlossen die Architekten das Atrium mit einem Glasdach und erweiterten so den Ruhebereich. Dieser erhält nun Tageslicht und die Saunagäste können wind- und wettergeschützt in den Himmel schauen. Cremefarbene Fliesen unterstützen die zurückgenommene Wirkung; lediglich an den Wärmebänken sorgen farbigen Mosaike für Akzente. Trennwände sind mit Holzverschalungen aus sibirischer Lärche ausgestattet. Der Übergang zu einem neu angelegten Saunagarten ist fließend konzipiert: Hier befindet sich eine Außensauna, die als Baumhaus gestaltet wurde. Von dort können Gäste das Geschehen auf der Straße beobachten – sie selbst sind durch verspiegeltes Glas vor neugierigen Blicken geschützt.

Bauphysik
Öffentliche Schwimmbäder bedürfen einer sorgfältigen bauphysikalischen Planung – nicht nur in Bezug auf den Feuchteschutz, sondern auch hinsichtlich Schallschutz und Lichtplanung. Schwimmhallen der 1970er-Jahre zeigen vielfach bauphysikalische Defizite, so auch das Sportzentrum in Leonberg. In diesem Fall führte eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauphysikern zu objektspezifischen Detaillösungen. Auch wenn der winterliche Transmissionswärmeverlust im Verhältnis zum Aufwand für die Erwärmung des Badewassers nur einen Bruchteil des Energieverbrauchs darstellt, bot die Sanierung selbstverständlich Anlass, den Energiebedarf der Anlage deutlich zu senken.

Bis auf Teile der Badewassertechnik wurde die gesamte Gebäudetechnik erneuert. Die Beleuchtung erfolgt heute überwiegend mit sparsamen LEDs, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung reduziert den Heizenergieaufwand. Den Wärmeverlust mindert eine Innendämmung der Massivfassaden mit 10 cm Calciumsilikat-Dämmstoffplatten (Wärmeleitfähigkeit 0,045 W/mK), versehen mit einer Dampfsperre. Anstelle der kleinteiligen Glasfassade wurden großformatige Dreifach-Isolierverglasungen eingesetzt, gehalten von Stahlprofilen mit aufgesetzten Glasklemmprofilen, thermisch verbesserten Abstandshaltern und Randverbund. Bei einem Gesamtenergiedurchlassgrad g von 43% erzielen die Verglasungen einen Ug-Wert von 0,6 W/m²K, die Glasfassade der Badehalle einen UW,BW-Wert von ≤ 0,8 W/(m²K).

Im direkten Anschlussbereich der Fassaden wurden Platten aus Schaumglas als Innendämmung eingesetzt. Die je nach Einsatzort unterschiedlich dicken Platten mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,045 W/mK wurden anschließend verputzt. Da sie eine hermetisch geschlossene Zellstruktur aufweisen, durchfeuchten sie nicht und sind dampfdicht, sodass auf eine zusätzliche Dampfsperre verzichtet werden konnte. Auf diesem Weg ließ sich bei der Außenwand ein U-Wert von ≤ 0,46 W/(m²K) erreichen.

Die Akustik in der Badehalle mit den vielen schallharten Materialien wie Fliesen, Glas und Wasser verbessert eine Deckenbekleidung aus vorbeschichteten Holzwolle-Leichtbauplatten. Sie sind leicht, wirtschaftlich zu verarbeiten und auch bei hoher Luftfeuchte formstabil.

Bautafel

Architekten: 4a Architekten mit 4a Baumanagement, Stuttgart
Projektbeteiligte: Martin Reimer, Christian Voermann (Projektleitung Planung); Weischede, Herrmann und Partner Beratende Ingenieure, Stuttgart (Tragwerksplanung); L+P Beratende Ingenieure, Haar bei München (HLSB-Technik); GBI Gackstatter, Stuttgart (Elektrotechnik); Kurz und Fischer, Winnenden (Bauphysik); Foamglas, Hilden (Schaumglas-Innendämmung)
Bauherr:
Stadt Leonberg
Fertigstellung:
2016
Standort: Steinstraße 18, 71229 Leonberg
Bildnachweis: David Matthiessen und 4a Architekten, Stuttgart

Baunetz Architekten

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