Raumakustische Planung

Die verschiedentlich geäußerte Meinung, Akustik sei Glückssache, gibt dem raumakustischen Planungsprozess noch immer einen etwas mystischen Anschein. Bei dem heutigen Wissensstand auf dem Gebiet der Raumakustik und mit dem verfügbaren Planungsinstrumentarium ist das unbegründet. Schuld an diesem Eindruck mag die Tatsache sein, dass die Beurteilung der raumakustischen Eigenschaften eines Saales vor allem bei Musik stark von subjektiven, emotionalen Faktoren geprägt ist, so dass differenzierte Bewertungen zustande kommen. Vielfach werden gerade von Musikern auch widersprüchliche Urteile geäußert. Bei neueren Auditorien, deren akustische Bedingungen tatsächlich zu Beanstandungen geführt haben, sind jedoch in der Regel im Planungs- und Ausführungsprozess bekannte akustische Zusammenhänge nicht genügend beachtet worden.

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Dem Raumakustiker ist es heute möglich, praktisch jede Grundform eines Saales, jede "Primärstruktur", durch Auswahl geeigneter Maßnahmen für Saalausbau und Oberflächengestaltung, also für die "Sekundärstruktur", akustisch funktionsfähig zu machen. Natürlich wird der Aufwand für sekundäre Maßnahmen um so größer, je mehr sich die Primärform von einer der jeweiligen Nutzung entsprechenden, zweckmäßigen architektonischen Gestaltung entfernt. Mit grundsätzlichen Problemen behaftete Entscheidungen sollten aus diesen Gründen vermieden werden, etwa für Konzertsäle extreme Fächerformen, bei denen die für den Räumlichkeitseindruck wichtigen seitlichen Reflexionen fehlen, tiefe Ränge, unter denen es schlecht mit Schall versorgte Platzbereiche gibt, oder konkave Raumformen, die zur Fokussierung stark gegenüber dem Direktschall verzögerter Reflexionen führen können.

Andererseits gibt es aber, zumindest für größere Auditorien, keine optimale Raumform. Ein solches Optimum erscheint auch gar nicht als sinnvoll, denn neben den akustischen Anforderungen sind in jedem Saal vielfältige weitere Ansprüche zu erfüllen, beispielsweise bezüglich Bühnentechnik, Beleuchtung, Sichtbeziehung, Belüftung, Platzbedarf und nicht zuletzt hinsichtlich einer dem jeweiligen Auftrag gerecht werdenden Architektur.

Eine all diese Aspekte zusammenfassende Optimallösung ist Planungsziel bei einem neuen Auditorium und sollte unter Führung der Architekten im Zusammenwirken mit den Fachplanern angestrebt werden. Damit wird nicht nur die architektonische Vielfalt der Saalbauten gefördert, sondern in verschiedenen Sälen für Musikdarbietungen wird auch der wünschenswerte, durch den Raum bedingte Unterschied des Klangerlebnisses gewährleistet. Dieser bildet einen wesentlichen Anreiz für den Besuch musikalischer Veranstaltungen im Vergleich zum Abhören von Tonaufnahmen.

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